Chinesen in Afrika: Unter Rassismusverdacht | Afrika | DW | 07.11.2018
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Afrika

Chinesen in Afrika: Unter Rassismusverdacht

Geld aus China kurbelt Afrikas Wirtschaft an. Doch das Verhalten mancher Chinesen sorgt für Unmut unter Einheimischen. Hat "Chinafrika" ein Rassismusproblem?

Kenia chinesische Investitionen in die Eisenbahnstrecke Mombasa-Nairobi (Reuters/N. Khamis)

Bau der von China finanzierten Eisenbahnstrecke Nairobi-Mombasa in Kenia (2015)

In den vergangenen Jahren hat sich China zu einem der wichtigsten Partner Afrikas entwickelt: Ob Krankenhäuser, Straßen, Stadien oder Kraftwerke - häufig kommt das Geld dafür aus dem "Reich der Mitte". Auch viele der Arbeiter, die Afrikas Mega-Projekte vorantreiben, sind chinesischer Herkunft. Doch sie bringen nicht nur ihre Arbeitskraft, sondern auch ihre eigenen kulturellen und politischen Sichtweisen mit. Das bietet Stoff für Konflikte. Berichte zeigen: Der Arbeitsalltag in "Chinafrika" ist oft von Diskriminierungen geprägt.

Andere Werte, andere Sichtweisen

Der Bau der Eisenbahn in Kenia zählt zu den Projekten, die durch Chinas Investitionen in Afrika Wirklichkeit geworden sind: Die Strecke verbindet seit rund einem Jahr den größten ostafrikanischen Hafen Mombasa mit der Hauptstadt Nairobi. Es ist Kenias größtes Infrastruktur-Projekt seit der Unabhängigkeit 1963.

Aber der Bau der Bahnlinie geriet auch immer wieder durch Rassismus-Vorwürfe in die Schlagzeilen: Laut den Recherchen kenianischer Journalisten hätten Chinesen nicht mit ihren afrikanischen Kollegen am Pausentisch sitzen wollen, Beleidigungen und Demütigungen der Arbeiter seien an der Tagesordnung gewesen.

Uganda: chinesicher und ugandesicher Bauarbeiter auf der Baustelle des Entebbe-Kampala-Autobahn-Projekts (picture-alliance/Photoshot/Zhang Gaiping)

Arbeiter auf einer Autobahnbaustelle in Uganda (2017)

Die Kenianerin Elizabeth Horlemann sieht den Grund für das Verhalten mancher Chinesen in deren kultureller Prägung: "Sie nehmen die kulturellen Unterschiede nicht wahr. Sie sind unsere Gäste, aber orientieren sich stark nach ihrer Ideologie, da bietet sich Zündstoff", sagt die in Deutschland lebende interkulturelle Trainerin zur DW. Chinesen würden oft ohne Pausen arbeiten, der Hierarchie-Gedanke sei vorherrschend: Was der Chef sage, werde gemacht. Hinzu kommt laut dem Politikwissenschaftler Steve Tsang, dass Chinesen in Afrika selbst häufig unter schlechten Bedingungen arbeiten müssten, etwa in Bergwerken oder auf Großbaustellen. Dass verstärke das Konfliktpotential.

Tsang, der das China-Institut der renommierten Londoner "School of Oriental and African Studies" leitet, vermutet, dass auch die politische Indoktrination in China eine Rolle spielen könnte. "Im Moment propagiert die chinesische Führung keinen Multikulturalismus. Im Gegenteil: Die Partei fordert eine chinesische Identität, eine Kultur." Bis heute ist China eines der ethnisch homogensten Länder der Welt. Rund 92 Prozent der Bevölkerung sind Han-Chinesen, nur 0,04 Prozent wurden im Ausland geboren. "Wenn man so indoktriniert wird, nur die chinesische Zivilisation und Kultur zu achten, dann hat das Ausländerfeindlichkeit zur Folge, und das ist die Basis für Diskriminierung anderer."

Kaum Sanktionen vonseiten der Regierungen

Doch die Chinesen seien nicht nur zu Gast, sondern brächten eben auch Geld, sagt Elizabeth Horlemann. Deshalb zögere Kenia - wie auch andere afrikanische Regierungen - gegen respektloses Verhalten von Asiaten vorzugehen. "Die Stimmung bei vielen Kenianern ist nicht gut. Sie befürchten, wir haben unser Land an die Chinesen verkauft", so Horlemann.

Ruanda Besuch Präsident Xi Jinping China (Getty Images/AFP/S. Maina)

Chinas Präsident Xi Jinping mit seinem ruandischen Amtskollegen Paul Kagame in Kigali (im Juli 2018)

Doch auch die chinesische Regierung unternimmt nur wenig gegen rassistische Ausfälle ihrer Landsleute. Für Steve Tsang ist das wenig verwunderlich. "Die chinesische Regierung kümmert sich um die Geschäftsbeziehungen mit den afrikanischen Regierungen, aber nicht um die einfachen Menschen, die mit den Konsequenzen im Alltag zu tun haben. Das überlassen sie den afrikanischen Behörden."

Umdenken durch Begegnung?

Leidtragende seien die einfachen Arbeiter in Afrika. Denn die wüssten oft nicht, wie sie sich gegen Diskriminierung wehren und welche rechtlichen Mittel sie in Anspruch nehmen können, so Tsang. Wenn jedoch mehr Vorfälle angezeigt würden, käme vielleicht eines Tages der "Schamfaktor" ins Spiel, der zu einem Umdenken bei Chinesen in Afrika führen könnte.

Wie so ein Umdenken aussehen könnte, zeigen Erfahrungen aus Südchina. Die Metropole Guangzhou beherbergt laut offiziellen Angaben etwa 16.000 Afrikaner, die größte schwarze Gemeinde Asiens. Sie zwingen China zu einer Auseinandersetzung mit der eigenen Xenophobie, es gibt Begegnung und Austausch. Doch laut Tsang ist auch in Guangzhou Alltagsrassismus immer noch weit verbreitet. So seien Schwarze oftmals in Hotels nicht willkommen. "Das zeigt, wie China mit Minderheiten umgeht", so Tsang.

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