China siedelt eine Million Uiguren in Lager um | Aktuell Asien | DW | 11.08.2018
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Muslimische Minderheit

China siedelt eine Million Uiguren in Lager um

In China werden nach Schätzungen der Vereinten Nationen mehr als eine Million Uiguren festgehalten. Die Provinz Xinjiang hat sich laut UN in ein "massives Internierungslager" verwandelt.

Eine Frau geht mit einem Baby und einem Kind an Polizisten vorbei (Foto: picture-alliance)

Uiguren werden in China systematisch unterdrückt (Archivbild)

Die Angehörigen der ethnischen Gruppe seien in sogenannten Anti-Extremismus-Lagern untergebracht, berichtete das UN-Komitee zur Bekämpfung von Rassen-Diskriminierung in Genf. Es gebe Berichte, wonach weitere zwei Millionen Uiguren und andere muslimische Minderheiten in politische Umerziehungszentren gebracht wurden, sagte die Komitee-Vorsitzende Gay McDougall. Die meisten von ihnen seien nie konkret angeklagt oder verurteilt worden.

Mit der Verfolgung der Uiguren und anderer muslimischer Minderheiten sei die Autonome Region der Uiguren in "eine Art massives Internierungslager" umgewandelt worden. Die Uiguren sind ein den Türken eng verwandtes muslimisches Volk, das mit den Chinesen weder ethnische noch kulturelle Verbindungen hat. Die chinesische Kommunistische Partei geht seit jeher mit massiven Repressalien gegen die uigurische Unabhängigkeitsbewegung vor. Seit 2016 sollen sich Unterdrückung und Überwachung gravierend verschärft haben. So sollen mehrere hundert Arbeitslager gebaut worden sein.

Folter, Misshandlungen, Indoktrination

Menschenrechtsorganisationen gehen von routinemäßigen Menschenrechtsverletzungen aus. Beklagt werden Folter, Misshandlungen und Indoktrination. Chinas Staatsmedien bestätigten schon vor Wochen, dass in Xinjiang fast eine halbe Million Menschen allein im ersten Quartal des Jahres umgesiedelt worden seien, "um die soziale Stabilität zu verbessern". Erst am vergangenen Freitag hatten in China hunderte Hui-Muslime gegen den Abriss einer Moschee protestiert.

Zwei Uiguren drehen sich verängstigt um (Foto: picture-alliance)

Leben in ständiger Angst ist für viele Uiguren Alltag (Archivbild)

In China leben mehr als 20 Millionen Muslime. Die beiden größten Gruppen sind die Minderheiten der Hui und der Uiguren mit jeweils rund zehn Millionen Angehörigen. "China ist ein multiethnisches Land, was den Umgang mit religiösen Themen sehr kompliziert macht", schrieb die chinesische Staatszeitung "Global Times" auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Nationale Interessen als Ganzes und die spezifischen Bedürfnisse verschiedener Religionen seien nicht mit "hundertprozentiger Genauigkeit" zu vereinbaren. 

China unterdrückt Minderheit

Die Region Xinjiang im Westen des Landes, wo die Uiguren beheimatet sind, gilt als Konfliktherd. Nach blutigen Unruhen 2009 und einer Reihe von Terroranschlägen gehen Sicherheitskräfte scharf gegen die Minderheit vor. Das Turkvolk fühlt sich wirtschaftlich, politisch und kulturell von den herrschenden Chinesen unterdrückt. Nach ihrer Machtübernahme 1949 in Peking hatten sich die Kommunisten das frühere Ostturkestan als autonom verwaltete Region einverleibt. 

Vergangene Woche wurde bekannt, dass deutsche Behörden einen uigurischen Asylbewerber wegen einer bürokratischen Panne trotz laufenden Verfahrens nach China abgeschoben haben. Der 23-Jährige wurde am 3. April in ein Flugzeug nach Peking gesetzt, obwohl über seinen Asylfolgeantrag noch nicht entschieden war.

jmw/jj (dpa, rtr)

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