China geht nächsten Eskalationssschritt | Wirtschaft | DW | 08.08.2018
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Weltmächte im Handelsstreit

China geht nächsten Eskalationssschritt

Nachdem die USA neue Importzölle auf chinesische Waren angekündigt haben, zieht China nach: Peking wird US-Waren im gleichen Wert und ab dem gleichen Zeitpunkt besteuern - ein offensichtlicher Vergeltungsschlag.

Der Handelsstreit zwischen den USA und China eskaliert weiter. Nach der Mitteilung des Weißen Hauses, ab dem 23. August weitere Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Waren im Wert von rund 16 Milliarden US-Dollar zu erheben, kündigte das Pekinger Handelsministerium Vergeltungszölle in gleicher Höhe und zum gleichen Zeitpunkt an. Die chinesischen Gegenmaßnahmen treffen insgesamt 333 US-Güter, darunter Diesel und Kohle, aber auch Stahlprodukte und Medizintechnik.

Ökonomen sehen in dem sich zuspitzenden Konflikt ein Risiko für die gesamte Weltwirtschaft. Es ist die nächste Runde von Zöllen auf beiden Seiten. Vor einem Monat waren bereits US-Zölle in Höhe von 25 Prozent auf chinesische Importe im Wert von rund 34 Milliarden US-Dollar in Kraft getreten.

Fast die Hälfte der Importe aus China

Als Vergeltung erhebt China inzwischen Sonderabgaben auf Autos aus den USA, aber auch auf landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Sojabohnen, Schweinefleisch, Rindfleisch und Molkereiprodukte. China zielt damit auf die Wählerschaft Trumps im ländlichen Raum.

Ein Ende der Eskalation ist nicht absehbar. Mit den bereits in Kraft getretenen Strafzöllen vom Juli und den für August angekündigten wären dann etwa die Hälfte aller Importe aus China mit Abgaben belegt.

Wegen des hohen Handelsdefizits der USA hat Trump auch damit gedroht, vielleicht sogar auf alle Importe aus China im Gesamtwert von 500 Milliarden US-Dollar Zölle erheben zu wollen. Referenzjahr für diese Summe ist 2017. Die Liste für die Strafzölle im Wert von 200 Milliarden Dollar soll in den nächsten Wochen fertiggestellt werden. Auf der vorläufigen Version finden sich Konsumgüter wie Möbel und Lebensmittel.

Chinesische Kanonenkugeln

Am vergangenen Freitag hatte die Zollkommission des Staatsrates in Peking mitgeteilt, Sonderabgaben auf Importe aus den USA im Wert von 60 Milliarden US-Dollar erheben zu wollen, falls die USA wie geplant chinesische Importe im Wert von 200 Milliarden US-Dollar mit Strafzöllen belegen sollten. Die chinesischen Zwangsabgaben lägen zwischen fünf und 25 Prozent und damit deutlich unter den von Trump angedrohten Strafmaßnahmen.

China kann mit eigenen Strafzöllen auf Importe aus den USA allerdings nur begrenzt Vergeltung ausüben, weil die USA lediglich Waren für 130 Milliarden US-Dollar nach China ausführen. So fürchten US-Unternehmen, dass Peking außer Zöllen auch zu anderen Gegenmaßnahmen greifen könnte, die sich auf den Handel zwischen beiden Ländern auswirken. So könnten etwa US-Unternehmen wie Starbucks, Apple oder Nike, die seit Jahren enorm von der Konsumlust des Milliardenvolkes profitieren, die Geschäfte in China erschwert werden.

China Containerschiff in Qingdao (picture-alliance/Imaginechina/Y. Fangping)

China exportiert Waren im Wert von 500 Milliarden in die USA

Die Staatsmedien des Landes schießen sich bereits ein: "China ist mit Abstand der wichtigste Überseemarkt für Apple, was den Konzern verwundbar macht, wenn die Chinesen ihn zum Ziel von Wut und nationalistischen Gefühlen machen", hieß es am Dienstag in einem Kommentar der Zeitung "China Daily". 

Warenverkehr explodiert

Die Sorge vor einer Eskalation des Handelsstreits hat derweil den Warenverkehr zwischen China und den USA weiter beflügelt. Wie die Pekinger Zollverwaltung am Mittwoch mitteilte, legten die Exporte des Landes in die USA im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat um 11,2 Prozent auf 41,5 Milliarden US-Dollar zu. Die Importe aus den USA stiegen um rund 11,1 Prozent auf 13,4 Milliarden US-Dollar.

Beobachter führen die weiterhin starke Handelsaktivität darauf zurück, dass Unternehmen in beiden Ländern noch möglichst viele Geschäfte abwickeln wollen, bevor weitere Zölle erhoben werden. Die USA und die EU hatten sich kürzlich darauf geeinigt, eine weitere Eskalation ihres Handelsstreits abzuwenden und vorerst keine neuen Sonderzölle zu verhängen. Beide Seiten wollen nun unter anderem Gespräche über die Abschaffung von Zöllen auf Industriegüter beginnen. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker stellte Trump verstärkte Einfuhren von US-Soja in Aussicht.

nm/ww (rtr, afp, dpa)