Carsharing-Fusion: Nächster Halt China? | Wirtschaft | DW | 29.03.2018
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Autobranche

Carsharing-Fusion: Nächster Halt China?

Die Autokonzerne Daimler und BMW fusionieren ihre Carsharing-Angebote DriveNow und Car2Go. Der nächste Schritt könnte die Zusammenarbeit mit einem chinesischen Anbieter werden, glaubt ein Branchenkenner.

BMW und Daimler haben sich nach langen Verhandlungen auf eine Fusion ihrer Carsharing-Töchter DriveNow und Car2Go geeinigt. Sie sollen jeweils 50 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen halten, wie die beiden Autobauer am Mittwoch mitteilten.

Auch die Mobilitätsdienste der beiden Autobauer werden in das neue Unternehmen eingebracht. Dazu gehören auch Taxivermittlung, Mitfahrgelegenheiten sowie die Apps für die Suche nach Parkplätzen und Ladesäulen.

 

 Im Carsharing haben die beiden Unternehmen zusammen 20.000 Fahrzeuge und zählen mehr als vier Millionen Kunden in 31 Städten weltweit. Die Kartellbehörden müssen der Carsharing-Fusion noch zustimmen.

Durch die Zusammenlegung ihrer Carsharing-Geschäfte wollen BMW und Daimler Konkurrenten wie dem Fahrdienst-Anbieter Uber Paroli bieten. "Als Pioniere des Automobilbaus werden wir nicht anderen das Feld überlassen, wenn es um die urbane Mobilität der Zukunft geht", erklärte Daimler-Chef Dieter Zetsche. Es werde künftig mehr Menschen als heute geben, die in den Städten auf ein eigenes Auto verzichten, aber trotzdem sehr mobil sein möchten.

Große Pläne

Daher wollen viele Autobauer weg vom reinen Verkauf von Fahrzeugen hin zum Angebot von Dienstleistungen rund ums Auto. Allerdings verdienen die Firmen bisher kaum etwas an der Kurzzeitmiete. Autobauer sehen im Carsharing auch einen Einstieg für potenzielle Kunden, die so Fahrzeuge testeten und sich später für ein eigenes entschieden.

Daimler und BMW haben für ihr gemeinsames Carsharing-Geschäft große Pläne. Daimler und BMW wollten im Mobilitätsgeschäft eine weltweit führende Rolle spielen, man sei offen für weitere Partner offen und erwäge auch Übernahmen, sagte Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber am Donnerstag.

"Wir wollen signifikant wachsen und sind in der Lage, größere Akquisitionen zu schaffen", so Uebber weiter. Ein Börsengang der gemeinsamen Gesellschaft stehe derzeit aber nicht im Fokus.

Bald auch Cao Cao?

Die Fusion der Carsharing-Anbieter ist möglicherweise nur der erste Schritt für einen Zusammenschluss mit dem chinesischen Anbieter Cao Cao, glaubt der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer. Cao Cao gehört zum chinesischen Geely-Konzern des größten Daimler-Aktionärs Li Shufu.

 Geely-Chef Li Shufu (picture-alliance/dpa/Imaginechina)

Geely-Chef und Daimler-Großaktionäre Li Shufu bei einem Kongress in Shanghai Ende 2017

"Mobilitätsdienstleister werden durch Größenvorteile getrieben - und die findet man in China", sagte der Duisburger Wirtschaftsprofessor der Deutschen Presse-Agentur. Cao Cao habe dort bereits 10 Millionen Kunden. "Man kann sich also gut vorstellen, dass mit der Fusion Car2Go und DriveNow vielleicht nur ein Zwischenschritt erreicht wurde, denn für Li Shufu könnte es sehr viel Sinn machen, die neue Gesellschaft mit Cao Cao zu vereinigen."

Daimler Großaktionär Li Shufu

Daimlers Car2Go ist auch in China aktiv. Li Shufu gehören mit seiner 10-Prozent-Beteiligung an Daimler indirekt schon fünf Prozent am neuen Gemeinschaftsunternehmen mit den Carsharing- und Mobilitätsdiensten von Daimler und BMW.

"Und die Erhöhung des Aktienbesitzes an Daimler würde sicherlich für Geely Sinn machen können" sagte Dudenhöffer. "Also vielleicht ist dann Car2Go und DriveNow nur ein Zwischenschritt, bei dem sogar BMW an den weniger geschätzten Chinesen Geely näher heranrücken würde als gewünscht."

Der Autobauer Geely, dem auch der schwedische Autohersteller Volvo und acht Prozent des Lkw-Herstellers Volvo gehört, hat im vergangenen Jahr 1,4 Milliarden Euro Gewinn gemacht.

Li Shufu hatte betont, die 7,5 Milliarden Euro für 9,7 Prozent der Daimler-Aktien habe er ohne Unterstützung des chinesischen Staats aufgebracht. In China baut Daimler seine Autos in Gemeinschaftsunternehmen mit dem Staatskonzern BAIC in Peking und dem Partner BYD.

bea/hb (dpa, reuters)