Caravaggio Ja oder Nein? Kunstauktion in Spanien gestoppt | Kultur | DW | 09.04.2021
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Caravaggio Ja oder Nein? Kunstauktion in Spanien gestoppt

In Spanien wäre ein Gemälde, das vermutlich der Barockkünstler Caravaggio gemalt hat, beinahe zu einem Spottpreis versteigert worden. Im letzten Moment stoppte die spanische Regierung die Auktion.

Szene einer Dornenkrönung

Gemälde "Dornenkrönung": Stammt das Bild von Caravaggio?

Große Aufregung im Madrider Auktionshaus Ansorena: Am Donnerstag sollte hier ein Ölgemälde unter den Hammer kommen, das, wie Experten mutmaßen, von dem Renaissance-Meister Caravaggio (1571-1610) stammen könnte. Es stellt die Dornenkrönung Christi dar und zeigt den blutenden Jesus bedrängt von zwei Henkersknechten, eigentlich ein typisches Caravaggio-Motiv. 

Im Online-Katalog des Auktionshauses war das Bild "Ecce Homo" (Deutscher Titel: "Die Dornenkrönung") mit der Losnummer 229 als das Werk eines Künstlers aus dem Umkreis des Caravaggio-Fans José de Ribera (1591-1652) zu finden. Für 1500 Euro hätten Kunstliebhaber in der Auktion einsteigen können, um auf das Bild im Format von 111 cm auf 86 cm zu bieten.

Doch was dann geschah, ist eher selten im Auktionswesen: Auf Drängen der spanischen Behörden wurde das Werk zurückgezogen. Das Bild dürfe das Land nicht verlassen, twitterte Kulturminister José Manuel Rodríguez Uribes am Donnerstag. Ein Blick auf das Kunstwerk ist seither nur noch im gedruckten Katalog der Casa Ansorena möglich.

Wert von rund 140 Millionen Euro?

Was war geschehen? Das Werk müsse erst genauer untersucht werden, teilte das Auktionshaus der spanischen Presse mit. Kulturminister Uribes erklärte laut der spanischen Zeitung "El País", er glaube, es handele sich um ein Gemälde von Caravaggio. Laut Experten könnte es rund 140 Millionen Euro wert sein.

Salome mit dem Kopf des hl. Johannes des Täufers | Gemälde von Michelangelo Merisi da Caravaggio

Salomé-Gemälde von Caravaggio: Dasselbe Purpur?

Tatsächlich sagte die italienische Caravaggio-Expertin Maria Cristina Terzaghi von der Universität Roma Tre der italienischen Zeitung "La Repubblica", sie sei sich der Urheberschaft Caravaggios sicher: "Er ist es." Das Purpur des Mantels von Jesus Christus auf dem Gemälde sei dasselbe wie bei der Salomé auf dem Caravaggio-Werk "Salomé mit dem Haupt des heiligen Johannes des Täufers" im Madrider Prado. Sie erkenne eine tiefe Verbindung zu anderen Werken des Meisters.

Sollte sich herausstellen, dass es sich um ein Werk Caravaggios handelt, "könnte der Preis bei 100 bis 150 Millionen liegen, wenn man es an einen Privatsammler verkauft", zitiert "El Mundo" den italienischen Experten Vittorio Sgarbi. Sgarbi ist überzeugt, dass es sich um ein Werk Caravaggios handelt – und zwar um ein "Ecce Homo", das der Künstler im Jahr 1605 für den Kardinal Massimo Massimi gemalt haben könnte. Schon der "brutale Blick des Mannes links im Bild" lasse die Handschrift Caravaggios erkennen. Auch die Hand, die die drapierte rote Stola hält, sei "ein unbestreitbares Caravaggio-Motiv".

Die Experten sind sich nicht einig

Tatsächlich entwickelte der römische Maler Caravaggio um 1600 herum einen sehr detailgetreuen und dramatischen Malstil. Einige seiner Werke gelten als zerstört oder verschollen, verschwanden während des Zweiten Weltkriegs oder durch Kunstraub. Caravaggios expressiver Stil fand viele Nachahmer vor allem in den Niederlanden und Italien.

Drei Männer verfolgen staunend, wie Thomas seinen Finger in Jesus' Wunde steckt.

Caravaggion war bekannt für seine realistische Malweise, wie hier in "Der ungläubige Thomas"

Der Wirbel um das vermeintlich verhinderte Auktions-Schnäppchen ging um die Welt und verbreitete sich in Windeseile im Internet. Doch bei aller Aufregung: "Sind sich alle Experten einig?", fragt das Kunstportal Monopol und zitierte die italienische Zeitung "El Mundo": Dort kam Kunsthistoriker Nicola Spinosa zu Wort, ein angesehener Fachmann für die neapolitanische Kunst des 17. Jahrhunderts. Sein Urteil: "Das ist kein Caravaggio."

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