BVB: In Zeiten schwindender Kräfte | Sport | DW | 12.02.2019
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Champions League

BVB: In Zeiten schwindender Kräfte

"Eine Mannschaft ist wie eine Kuchen manchmal." BVB-Trainer Lucien Favre gilt als Perfektionist - auch dabei, sich vor wichtigen Spielen nichts Wichtiges entlocken zu lassen. Ein Kuchenbäcker, dem einige Zutaten fehlen.

England London PK Borussia Dortmund Lucien Favre (Getty Images/C. Ivill)

Lucien Favre, wie er ein Husten unterdrückt

In Zeiten schwindender Kräfte ist es doch wichtig, wenn der Chef an Bord ist. Wenn die Führungsfigur fit ist und den Leuten sagen kann: Macht Euch keine Sorgen! Wir werden das Ding schon schaukeln!

Als der Trainer von Bundesliga-Tabellenführer Borussia Dortmund, Lucien Favre, am Dienstagabend in London vor die Journalisten trat, sagte er nicht: "Wir werden das Ding schon schaukeln!" Obwohl man den Satz in Favres meisterschaftsreifem Dialekt schon gern gehört hätte. Er sagte stattdessen auf die erste Frage nach seiner Erkältung: "Ja, es geht mir besser. Ist gut. Merci!" Und dann hustete er vernehmlich.

Aber immerhin: Der Coach ist an Bord. Farve, halbwegs genesen, war zuletzt in der Bundesliga gegen Hoffenheim schwer vermisst worden, als sich sein Team in der Schlussphase drei Gegentreffer einfing. Das soll dem BVB an diesem Mittwoch (Anpfiff 21 Uhr) nicht wieder passieren - im Wembley-Stadion, an das sie allerdings seit dem verlorenen Champions-League-Finale gegen Bayern München 2013 und nach dem verlorenen Gruppenspiel der vorigen Saison gegen Tottenham keine tollen Erinnerungen haben. Denn es ist: Champions League, Achtelfinale, Hinspiel gegen Tottenham Hotspur.

"Fakt ist, sie sind nicht da"

Aber stimmt das überhaupt, dass der Chef beim BVB an Bord ist? Oder ist die Verletzung von Mannschaftskapitän Marco Reus, des anderen Chefs, nicht sehr viel schmerzlicher? Außerdem hat Favres Lieblingsjoker Paco Alcácer Schulterprobleme, die Defensivkräfte Lukasz Piszczek Schmerzen an der Ferse und Julian Weigl Grippe. Wie er das denn in der Aufstellung wettmachen wolle, wurde Favre gefragt. "Fakt ist, sie sind nicht da", antwortete der Schweizer. Immerhin stehe Dan-Axel Zagadou nach langer Verletzungspause wieder zur Verfügung. Aber: "Er hat zuletzt nur 60 Minuten mit dem Nachwuchs gespielt."

England London PK Borussia Dortmund Lucien Favre und Thomas Delaney (Getty Images/C. Ivill)

PK mit dem gutgelaunten Lucien Favre (links) und BVB-Spieler Thomas Delaney

Dass Favre trotz des Hustens und solch frecher Fragen - drei (!) Spiele verloren zuletzt - sehr gute Laune demonstrierte, sollte Gegner Tottenham Hotspur zu denken geben. Der Schweizer sparte hingegen wie üblich mit Einblicken in seine taktischen Überlegungen für das bevorstehende Spiel und gab stattdessen den Küchen-Philosophen: "Eine Mannschaft ist wie eine Kuchen manchmal." Und "eine Kuchen" fällt halt manchmal in sich zusammen, nachdem er zuvor schon sehr schön und prall ausgesehen hat. Siehe Hoffenheim.

Ohne Dele Alli und Harry Kane

Und es ist ja nicht so, dass die Gastgeber nicht auch ihre Probleme hätten. Der Tabellendritte der Premier League muss mit Dele Alli und wohl auch Harry Kane gleich auf zwei Topstars verletzungsbedingt verzichten. Die Engländer werden trotzdem versuchen, in Wembley - die Partie findet aufgrund anhaltender Umbauarbeiten nicht in der eigentlichen Heimstätte der Spurs, White Hart Lane,  statt - ordentlich nach vorne zu spielen. "Die sind Nummer drei in der Liga. Das sagt alles", sagte Favre, hustete, und hoffte, damit alles gesagt zu haben.

Einladung nach England

Da war es doch gut, dass der Trainer der Borussen im Bauch von Wembley nicht alleine vor die Journalisten musste, sondern seinen Spieler Thomas Delaney mit dabei hatte. Der wurde prompt gefragt, ob er nicht auch mal in der Premier League kicken wolle. "We expected this question und we talked a lot about the answer", soufflierte der BVB-Pressesprecher in der Muttersprache der englischen Kollegen. Und Delaney sprach sicherheitshalber über eine Rückkehr in seine dänische Heimat, über Asien, und darüber, dass er in diesem Leben noch keinen Kontakt zu Tottenham gehabt habe. 

1. Bundesliga | Schalke 04 v Borussia Dortmund | Torjubel (1:2) (picture-alliance/dpa/I. Fassbender)

Spielt vor Landsleuten: BVB-Youngstar Jadon Sancho, aus England stammend

Und dann war da ja noch die Sache mit den Personalausweisen. Kurz vor dem geplanten Abflug nach London hatten die beiden Spieler Jadon Sancho und Abdou Diallo den Sicherheitsbereich des Dortmunder Flughafens wieder verlassen müssen - sie hatten ihre Papiere vergessen. Mit angeblich nur 17 Minuten Verspätung ging es dann los. Auf den Engländer Sancho dürften sich die Fans in London besonders freuen, hat doch die besagte Premier League bereits vernehmliches Interesse an dem 18-Jährigen signalisiert. "Jadon wird auch auf unserem Rückflug wieder im Flieger sitzen", kommentierte BVB-Manager Sebastian Kehl mögliche Abwerbeversuche. Ob Kehl sicherheitshalber den Ausweis von Sancho an sich nimmt, ist dieser Redaktion nicht bekannt.

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