BVB: Ein Sieg der Glückseligen | Sport | DW | 30.03.2019
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Dortmund erobert Tabellenspitze

BVB: Ein Sieg der Glückseligen

Borussia Dortmund schlägt gegen Wolfsburg in letzter Sekunde zu und entscheidet die Partie für sich. Das gelingt dem BVB nicht zum ersten Mal. Das Glück steht dem neuen Spitzenreiter in dieser Saison häufig zur Seite.

Das Spiel war schon einige Minuten beendet, da konnten die Dortmunder ihr Glück immer noch nicht fassen. Von den Rängen hallte aus über 80.000 Kehlen geradezu euphorisch der uralte Klassiker: "Zieht den Bayern die Lederhosen aus."  Weiter unten auf dem Rasen herzten sich die Spieler und schauten sich immer wieder ungläubig an.

Auf der Anzeigetafel leuchtete tatsächlich ein 2:0 (0:0) gegen den VfL Wolfsburg auf. Wer fünf Minuten vor dem Schlusspfiff auf dieses Ergebnis Geld gewettet hätte, der wäre wohl an diesem Samstagnachmittag ein reicher Mann worden.  

Paco Alcacer war der Mann, der alle, die es gut mit der Borussia meinen, mit seinen zwei Treffern in der Nachspielzeit in einen erlösenden Freudentaumel versetzte. Alcacers Saisontreffer Nummer 15 per verwandeltem Freistoß (91. Minute) und Nummer 16 nach einem Konter (94.) fielen allerdings aus heiterem Himmel.

Späte Erlösung

"Wir haben immer dran geglaubt, dass wir noch zu Hause ein Tor schießen. Am Ende ist so etwas natürlich ein bisschen glücklich, aber auch eine gute Qualität", sagte BVB-Mittelfeldspieler Mario Götze, dem die Erleichterung und Freude über diesen Last-Minute-Sieg deutlich ins Gesicht geschrieben stand. Auch zuletzt bei der Partie bei Hertha BSC hatte Marco Reus, der gegen die Wolfsburger aufgrund der Geburt seiner Tochter fehlte, einen sehr späten Treffer in der Nachspielzeit (90.+2.) zum 3:2-Sieg erzielt.

Fußball Bundesliga | 27. Spieltag | Borussia Dortmund - VfL Wolfsburg | Torjubel 2:0 (Reuters/L. Kuegeler)

Matchwinner Paco Alcacer: zwei Treffer in der Schlussphase

"Wir haben in diesem Jahr wirklich diesen Glauben in der Mannschaft, dass wir immer noch ein Tor machen können. Wir dürfen uns nur nicht zu sehr darauf verlassen", sagte Sportdirektor Michael Zorc. Was in den 90 Minuten vor den erlösenden Momenten auf dem Platz passierte, hatte indes wenig mit dem Kampf um die Meisterschaft zu tun.

Wolfsburg hadert

Die Dortmunder wirkten verkrampft, ihnen fehlte jegliche Leichtigkeit und auch eine große Portion der sonst so ausgeprägten Spielfreude. Es lief nichts zusammen gegen die diszipliniert agierenden Niedersachsen, die ihrerseits die Partie für sich hätten entscheiden können.

"Aber es haben Kleinigkeiten entschieden", sagte VfL-Mittelfeldspieler Joshua Guilavogui. "Ich finde, dass wir dem Sieg eigentlich näher waren. Das war eine sehr bittere Niederlage für uns", befand Wolfsburgs Trainer Bruno Labbadia. 

Fußball Bundesliga | 27. Spieltag | Borussia Dortmund - VfL Wolfsburg (picture-alliance/G. Kirchner)

Mit leeren Händen kehren die Wolfsburger (hier Yannick Gerhardt (r.) im Zweikampf mit Axel Witsel) zurück

"Es war wirklich ein zähes Spiel. Wir sind nicht in den Rhythmus bekommen, haben nicht so viele Torchancen wie sonst herausgespielt. Am Ende war es ein etwas glücklicher Sieg", räumte BVB-Sportchef Zorc ein und ordnete den Sieg in der Kategorie "Erfolg des Tüchtigen" ein.

Mit diesem Sieg sind die Dortmunder wieder an die Tabellenspitze gerückt, weil der FC Bayern im Parallelspiel in Freiburg patzte (1:1) - wohl genau im richtigen Moment in dieser Spielzeit. Denn am kommenden Samstag (Anpfiff 18.30 Uhr MESZ, ab 18.15 Uhr im DW-Liveticker) kommt es in München zum Aufeinandertreffen der beiden deutschen Spitzenteams. 

Nur keine Emotionen zeigen

"Na klar gibt uns das Ergebnis ein bisschen mehr Selbstvertrauen, aber wir müssen das Spiel trotzdem erst spielen", sagte BVB-Verteidiger Manuel Akanji. Dem BVB würde beim Rekordmeister schon ein Remis reichen, um die Position an der Spitze zu verteidigen. Die Ausgangsposition des Teams von Lucien Favre ("Es war kein Topspiel, das Spiel war blockiert. Es war sehr schwer gegen Wolfsburg.") ist daher deutlich komfortabler als die der Bayern.

Favre hielt sich auch nach diesem glücklichen Erfolg emotional zurück. "Wir genießen diesen Sieg. Wir haben noch sieben Meisterschaftsspiele. Aber das nächste Spiel ist München, das wissen wir", sagte der Schweizer. Nur keinen Einblick in das Gefühlsleben erlauben, nur keine Regung zeigen, scheint das Motto des Fußballlehrers zu sein. Aber auch Favre dürfte insgeheim darauf hoffen, dass ein Team, das in der entscheidenden Phase der Saison so oft das glückliche Ende für sich hat, zum Schluss auch mit der Meisterschale in der Hand feiern kann.