Bundeszentrale für politische Bildung: Mit Satire gegen Verschwörungstheorien | Kultur | DW | 26.06.2018
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Bildungsangebote

Bundeszentrale für politische Bildung: Mit Satire gegen Verschwörungstheorien

Fake News, Halbwahrheiten oder auch Verschwörungstheorien verbreiten sich in Sozialen Netzwerken rasend schnell. Mit ihrem Webprojekt "Wahre Welle TV" möchte die bpb dafür sensibilisieren, ganz genau hinzuschauen.

Still aus dem Satire-Clip Such den Sündenbock des Wahre Welle TV von der bpb. (bpb)

"Und wieder einmal konnten wir für ein kompliziertes Problem eine einfache Lösung finden", heißt es am Ende des Satire-Formats "Such den Sündenbock"

Der elfte September? Eine Inszenierung der Amerikaner. Die Mondlandung? Gedreht in einem Filmstudio. Juden? Sie sind die wahren Herrscher über die Welt. Das sind drei der gängigsten Verschwörungstheorien. Besonders in rechtsextremen Kreisen kursieren Theorien wie diese, erklärt Johannes Baldauf von der Online Civil Courage Initiative (OCCI). Verschwörungstheorien seien eine "Grundkonstante" in der Ideologie von Rechtsextremen und teilten die Welt in Gut und Böse. Einfache Wahrheiten für komplizierte Sachverhalte, lautet die Devise. 

In Krisenzeiten und in Zeiten tiefgreifender Veränderungen entstehen Verschwörungstheorien besonders oft. Über Social Media-Kanäle wie Twitter oder Facebook lassen sie sich dann schnell und gezielt verbreiten. 

Fehlende Logik aufzeigen 

Vor einigen Tagen noch glaubte so mancher User, mit "Wahre Welle TV" gebe es nun eine Alternative zum "Staatsfunk", um dann enttäuscht feststellen zu müssen, dass "Wahre Welle TV" "wieder nur Verarsche von Merkel und ihren Handlangern" sei. "Und dafür zahlen wir auch noch", so ein anderer User unter dem Facebook-Post. 

Hinter "Wahre Welle TV" steckt, wie seit Montag bekannt ist, die Bundeszentrale für politische Bildung. Mit insgesamt sechs satirischen Videoclips, die im Stil bekannter TV-Formate wie dem Politmagazin "Frontal 21" oder der pseudo-dokumentarischen Serie "Berlin Tag & Nacht" daherkommen, zeigt die dem Innenministerium unterstellte Behörde, wie absurd und unlogisch berühmte Verschwörungstheorien doch sind. 

So wirkt beim "Wahre Welle"-Fomat "Frontal 23" zunächst alles ganz authentisch: die von TV-Nachrichten gewohnte Studio-Optik und eine professionelle Sprecherin, die rüberkommt, als würde man sie tatsächlich aus dem Fernsehen kennen. Doch spätestens beim ersten "Nachrichtenbeitrag" sollten dem Zuschauer Zweifel kommen: Polizisten in Oberhausen sei ein ganz besonderer Coup gelungen, erzählt die Moderatorin: "Sie konnten einen Journalisten des Staatsfunks dabei erwischen, wie dieser 35 langbärtige Salafisten aus einem Ü-Wagen aussteigen ließ." Und: Nach Quellen von "Wahre Welle TV" kam der Auftrag dazu "von ganz oben".

Eine frontal in die Kamera blickende Nachrichtensprecherin der Satire-Sendung Frontal 23 von Wahre Welle TV. (bpb)

"Immer aufrecht wie ein rechter Arm in einem Leni Riefenstahl Film", heißt es in der Beschreibung der Satire-"Nachrichten für Mutige"

Kategorien "wahr/ unwahr" werden durchleuchtet

Das Projekt hat eine eigene Homepage, aufgezogen wie die eines echten Fernsehsenders, und ist auf YouTube und Facebook vertreten. So möchte die bpb Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 35 Jahren erreichen, die sich vor allem im Netz bewegen. Sie sollen dafür sensibilisiert werden, nicht alles zu glauben, was man hört und liest, erklärt Cornelius Strobel, Referent im Fachbereich Extremismus der Bundeszentrale im DW-Interview. "Es ging uns darum, die Mechanismen des Netzes mit seinen Kategorien 'wahr/ unwahr' zu durchleuchten." Dass es etwas Humorvolles sein müsste, sei von vornherein klar gewesen.

"Für uns funktionieren die Entertainment-Elemente wie ein Angelhaken", so Strobel. Gleichzeitig sei er sich aber auch bewusst, dass "eingefleischte Verschwörungstheoretiker" mit "Wahre Welle TV" nicht zu erreichen seien. Hier wäre der erfolgreichste Ansatz vermutlich das direkte Gespräch, sagte er gegenüber der DW.

Zwei Männer stehen vor einem futuristischen Auto mit Flügeltüren und unterhalten sich. Still aus Zurück in die Jewkunft des Satire-Projekts Wahre Welle TV. (bpb)

Mit dem Clip "Zurück in die Jewkunft" wird die Theorie von der jüdischen Weltverschwörung ad absurdum geführt

Verwirrung vor Projekt-Launch

Ehe bekannt wurde, dass sich die bpb hinter "Wahre Welle TV" verbirgt, rätselte die Netzcommunity, ob nicht vielleicht Satiriker Jan Böhmermann oder das rechtspopulistische Portal "Breitbart" hinter dem Ganzen steckt. So war am Freitag (22.06.2018) auf dem Facebook-Account von "Wahre Welle TV" zu lesen: "Was viele Menschen schon wissen, aber sich nicht zu sagen trauen. Wir sprechen es aus!" Auf "Linked.in" und "Xing" gab es sogar Stellenanzeigen für Moderatoren und Reporter, in denen eine Redaktion beworben wurde, "die sich nicht von modernen Sozialtrends verblenden lässt".  

Um in Zukunft gänzlich auszuschließen, dass Zuschauer die Videos von "Wahre Welle TV" ernst nehmen, endet jeder Film mit dem Hinweis "Lass Dir keinen Scheiß erzählen". Auf einer gesonderten Seite gibt es außerdem fundierte weiterführende Informationen zu Chemtrails, Reptiloiden und Co..

bb/suc (dpa, Bundeszentrale für politische Bildung)

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