Bundeswehr stellt Ausbildung auf den Prüfstand | Aktuell Deutschland | DW | 03.03.2018
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Verteidigung

Bundeswehr stellt Ausbildung auf den Prüfstand

Ein Marsch in glühender Hitze endete für einen Offiziersanwärter tödlich. Jetzt droht seinen Vorgesetzten laut Medienberichten ein Strafverfahren. Und die Truppe nimmt ihre Regeln unter die Lupe.

Nach dem tödlichen Soldatenmarsch in Munster will die Bundeswehr ihre Ausbildungsstrukturen in ganz Deutschland überprüfen. Das bestätigte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums der Deutschen Presse-Agentur (dpa). "Spiegel Online" hatte zuvor von einer Weisung des Generalinspekteurs Volker Wieker an die Inspekteure aller Teilstreitkräfte berichtet.

Nach dpa-Informationen sollen die Inspekteure bis Mitte März melden, wie die Planung und Durchführung der Ausbildung läuft. Dann soll sich der Verteidigungsausschuss des Bundestages mit dem Thema befassen. Bereits im Koalitionsvertrag hatten sich Union und SPD darauf geeinigt, die Ausbildungsstrukturen der Bundeswehr zu untersuchen und weiterzuentwickeln.

Bei einer Übung waren im Juli vergangenen Jahres vier Offiziersanwärter kollabiert, einer von ihnen starb später an den Folgen. Untersuchungen ergaben, dass sie bei Temperaturen von knapp 28 Grad einen Hitzschlag erlitten.

Deutschland | Panzertruppenschule in Munster (picture-alliance/dpa/P. Schulze)

In Munster, wo es zu dem tödlichen Hitzschlag kam, unterhält die Bundeswehr eine Panzertruppenschule (Archivbild)

Nach "Spiegel"-Informationen belastet ein Gutachten von Hamburger Rechtsmedizinern die verantwortlichen Ausbilder in Munster. Der Tod des 21-jährigen Offiziersanwärters und die Hitzschläge bei seinen Kameraden wären vermeidbar gewesen, wenn die Ausbilder ihre Fürsorgepflicht ernst genommen hätten, zitiert der "Spiegel" aus einem Gutachten von Rechtsmedizinern des Hamburger Universitätsklinikums Eppendorf.

Die zwischenzeitlich kolportierte These, die Soldaten hätten Aufputschmittel oder Drogen genommen, verneinen die Gutachter eindeutig. Die Untersuchung wurde im Auftrag der Staatsanwaltschaft Lüneburg erstellt. Die Behörde werde aufgrund des Papiers wohl ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen die Ausbilder eröffnen, schreibt der "Spiegel".

Strafrunden nach dem Kollaps

Konkret geht es demnach um einen Verstoß gegen Bundeswehr-Regeln, die etwa das Anhalten der ganzen Gruppe vorsehen, wenn ein Soldat auf einem Marsch zusammenbricht. Stattdessen aber hätten die Ausbilder in Munster ihre Rekruten weiter angespornt, so das Nachrichtenmagazin. Den Rest des Trupps hätten sie sogar Strafrunden drehen lassen, als die ersten Soldaten zusammengesackt seien.

Im September hatte die Bundeswehr in einem vorläufigen Bericht zu dem Vorfall "nicht sachgerechte Entscheidungen" der Befehlshaber gerügt. Demnach entsprachen die körperlichen Anforderungen unter anderem nicht dem Leistungsstand der Teilnehmer. Zudem trugen diese Feldjacken über ihren Splitterschutzwesten - was angesichts der Hitze unangemessen war.

jj/uh (dpa, afp)

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