Bundeswehr-Großprojekte im Schnitt fünf Jahre zu spät | Aktuell Deutschland | DW | 09.12.2018
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Verteidigung

Bundeswehr-Großprojekte im Schnitt fünf Jahre zu spät

Die großen Rüstungsprojekte der deutschen Streitkräfte werden so gut wie nie pünktlich fertig und sind meistens teurer als geplant. Die einzige Ausnahme stammt aus dem Ausland.

Litauen NATO-Kampfjets (picture-alliance/AP Images/M. Kulbis)

Die Kampfjets "Eurofighter" sind am meisten im Verzug

Die 19 wichtigsten Rüstungsprojekte der Bundeswehr werden durchschnittlich mehr als fünf Jahre später fertig und zusammen 13,4 Milliarden Euro teurer als ursprünglich geplant. Das geht aus dem neuen Rüstungsbericht des Verteidigungsministeriums hervor.
Im Vergleich zum vorangegangenen Bericht vom März hat der Zeitverzug damit von 54 auf 62 Monate zugenommen. 

Die Kostensteigerung liegt mit 13,4 Milliarden Euro oder 31 Prozent im Vergleich zu 11,6 Milliarden im März ebenfalls deutlich höher. Das begründet das Ministerium vor allem mit Leistungsverbesserungen beim Transporthubschrauber NH90 und beim Schützenpanzer "Puma", die 1,4 Milliarden Euro gekostet haben.

"Geldhahn muss zugedreht werden"

Die Linke kritisierte die Mehrausgaben dennoch als "Verschwendung und Missmanagement". "Frau von der Leyen muss endlich der Geldhahn zugedreht werden", so der Verteidigungspolitiker Matthias Höhn. 13,4 Milliarden Euro brauche man für Schulen statt für Panzer. Dagegen beschloss die CDU auf ihrem Parteitag in Hamburg, die Bundeswehr personell und finanziell zu stärken. So soll das
Verteidigungsbudget bis 2024 auf 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen.

Von der Leyen besucht Nato-Manöver (picture alliance/dpa)

In der Kritik: Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (Archivbild)

Das Verteidigungsministerium erstellt die Rüstungsberichte seit 2015 jedes halbe Jahr. Im ersten Bericht war noch eine durchschnittliche Verzögerung von vier Jahren und eine Kostensteigerung von 12,9 Milliarden Euro festgestellt worden. Die Werte sind allerdings nicht eins zu eins vergleichbar, da immer wieder Projekte aus der Statistik genommen werden und neue hinzukommen.

Kampfjet "Eurofighter" ist Spitzenreiter bei Verspätung

Man kann allerdings sicher sagen, dass bei einigen der größten Problemfälle die Verspätung zugenommen hat: 2015 war das Transportflugzeug A400M acht Jahre und elf Monate im Verzug. Für 2021 rechnet das Ministerium mit elf Jahren und sieben Monaten. Der Kampfjet "Eurofighter" ist mit zwölf Jahren und neun Monaten noch unpünktlicher. 2015 waren es noch elf Jahre und vier Monate. Verbesserungen gab es hingegen beim Kampfhubschrauber "Tiger", der 2015 noch neun Jahre und zwei Monate zu spät war. Jetzt sind es nur noch sechs Jahre und acht Monate.

Deutschland Bundeswehr Truppenübungsplatz (picture alliance/dpa/H. Hollemann)

Schützenpanzer "Puma" auf einem Erprobungsgelände (Archivbild)

Projekte oft wegen Nachbesserungen teurer

Bei den Kostensteigerungen liegt der Schützenpanzer "Puma" mit 50 Prozent (1,6 Milliarden Euro) vor der Fregatte 125 mit 46 Prozent (eine Milliarde Euro) und dem "Eurofighter" mit 38 Prozent (6,7 Milliarden Euro). Die Ursachen für die Mehrkosten liegen nicht immer bei den Herstellern, sondern sind auch oft in Nachbesserungswünschen der Bundeswehr begründet. 

Ein Rüstungsprojekt, das im positiven Sinne heraussticht, wurde erst in diesem Jahr beschlossen und stammt vom US-Hersteller Lockheed Martin: Der Transportflieger C130-J "Hercules" soll nach jetzigem Stand im Jahr 2021 acht Monate früher als vertraglich festgelegt ausgeliefert werden.

ie/sti (dpa)

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