Bundesregierung ″erschüttert″ vom Tod George Floyds in den USA | Aktuell Europa | DW | 03.06.2020
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Europa

Bundesregierung "erschüttert" vom Tod George Floyds in den USA

Der Tod des Afroamerikaners George Floyd durch Polizeigewalt hat auch in europäischen Hauptstädten scharfe Reaktionen verursacht. Vielerorts kam es auch hier wieder zu Demos und Solidaritätskundgebungen gegen Rassismus.

Deutschland Berlin | Graffiti mit George Floyd im Mauerpark (picture-alliance/AP Photo/M:.Schreiber)

Graffiti mit George Floyd im Berliner Mauerpark

"Das ist ein vermeidbarer Tod, der aufrüttelt", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert vor Journalisten in Berlin. "Wir in der Bundesregierung verfolgen das, was sich jetzt in Amerika abspielt, aufmerksam. Wir verfolgen es auch mit innerer Anteilnahme, weil wir seit Jahrzehnten in Deutschland eine enge Verbindung zu den USA haben", führte der Sprecher von Kanzlerin Angela Merkel aus.

Die deutsche Bundesregierung hoffe auf ein baldiges Ende der Gewalt und dass sich kluge Stimmen durchsetzten, die für ein friedliches Zusammenleben und ein Ende des Rassismus einträte. Zugleich betonte er, auch in Deutschland könnten Menschen mit anderer Hautfarbe oder Familiennamen aus anderen Sprachen über Diskriminierung berichten. Ganz sicher sei Rassismus kein amerikanisches Problem, sondern eines in vielen Gesellschaften.

USA Washington Lincoln Memorial | nach Tod George Floyd durch Polizeigewalt in Minneapolis | National Guard (Getty Images/AFP/W. McNamee)

Um Ausschreitungen zu verhindern, wurden am Lincoln Memorial in Washington Soldaten der Nationalgarde postiert

Berlin vertraut in US-Demokratie

Auf Fragen, wie Deutschland zu dem von US-Präsident Donald Trump angekündigten Einsatz des Militärs stehe, antwortete Seibert: "Amerika ist eine starke Demokratie, in der es eine lebhafte Debatte gibt über alles, was jetzt passiert. Da braucht es nicht unsere Hinweise."

Die USA werden seit Tagen von Demonstrationen mit teils schweren Ausschreitungen in mehreren Städten erschüttert. Grund ist der Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in der Metropole Minneapolis am Montag vergangener Woche. Einer von vier beteiligten Polizisten hatte den 46-Jährigen minutenlang mit dem Knie auf dem Hals zu Boden gedrückt. Die Bitten des Afroamerikaners, ihn atmen zu lassen, ignorierte der Polizist. Inzwischen wurde Anklage gegen ihn erhoben.

London Premierminister Boris Johnson im Unterhaus (AFP/UK Parliament/J. Taylor)

Der britische Premierminister Boris Johnson hat Verständnis für den Protest in den USA

Johnson verurteilt tödlichen Polizeieinsatz

Entsetzt über die Ereignisse äußerte sich auch der britische Premierminister Boris Johnson. Der Tod von George Floyd sei nicht zu entschuldigen und er verstehe, dass Menschen protestierten, sagte Johnson im Parlament in London. Gleichwohl rief er die Demonstranten auf, sich "gesetzeskonform und vernünftig" zu verhalten. Auf die Fragen von Abgeordneten, ob er mit Präsident Trump über den Fall gesprochen habe, ging Johnson nicht ein.

Polizeichefs in Großbritannien zeigten sich derweil solidarisch mit der Empörung über den gewaltsamen Tod in Minneapolis. "Wir stehen an der Seite derer, die auf der ganzen Welt abgestoßen und entsetzt sind von der Art, wie George Floyd sein Leben verloren hat", heißt es in einer Mitteilung verschiedener britischer Polizeiorganisationen. Nun müsse Gerechtigkeit geübt und Rechenschaft abgelegt werden. Gleichzeitig verurteilten die Polizeichefs jedoch auch Gewalt und Zerstörung bei den Protesten in vielen US-Städten.

Tod George Floyd | London Hyde Park Proteste (Reuters/H. McKay)

Im Londoner Hyde Park kamen auch an diesem Mittwoch wieder Tausende zusammen, um gegen Rassismus zu protestieren

Papst wendet sich an US-Bürger

Bei einer Generalaudienz in Rom verurteilte auch Papst Franziskus jegliche Form von Fremdenhass: "Wir können keine Art von Rassismus oder Ausgrenzung tolerieren oder unsere Augen davor verschließen", sagte das Oberhaupt der Katholischen Kirche. Er verfolge die Unruhen in den USA "mit großer Besorgnis", sagte er auf Englisch in einer Botschaft an die Bürger der USA. Darin kritisierte er die Ausschreitungen bei den Protesten: "Mit Gewalt kann man nichts gewinnen, aber viel verlieren."

uh/ml (dpa, afp, rtr)

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