Bundesliga-Fanproteste meist im Rahmen | Sport | DW | 08.03.2020
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DFB

Bundesliga-Fanproteste meist im Rahmen

Fangruppen setzen auch an diesem Bundesliga-Spieltag ihre Proteste gegen den DFB fort. Einen Spielabbruch, wie von vielen befürchtet, gibt es jedoch nicht. Lediglich im Drittligaspiel in Jena liegt er in der Luft.

Thomas Weinmann brachte es auf den Punkt. "Am vergangenen Wochenende war die Stimmung zwischen Fans und DFB ganz schlecht", sagte der Fanbeauftragte von Borussia Mönchengladbach im Interview des TV-Senders "Sky" vor dem Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund. "Jetzt geht es wieder." Vor dem 25. Spieltag hatten viele den ersten Spielabbruch eines Bundesligaspiels wegen der Fanproteste gegen den Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp und den DFB für möglich gehalten. Doch er blieb aus. Die Ultras setzten zwar ihre Aktionen fort, sie konzentrierten sich aber eher auf den DFB als auf Hopp, direkte persönliche Beleidigungen gegen ihn wie am vergangenen Spieltag bleiben weitgehend aus. "Wir entschuldigen uns bei allen Huren, sie mit Herrn Hopp in Verbindung gebracht zu haben", hieß es allerdings auf einem Banner der Schalker Fans beim Spiel der Königsblauen gegen 1899 Hoffenheim.

Auch in den anderen Stadien gab es Aktionen auf den Rängen, die sich vor allem gegen Kollektivstrafen bei Fan-Vergehen richteten. DFB-Präsident Fritz Keller musste als Zuschauer bei der Partie des SC Freiburg gegen Union Berlin ein gegen den Verband gerichtetes Banner mit dem Wortlaut "Eure Dialoge mehr Schein als Sein" lesen. Auf einem anderen Plakat hieß es in Anspielung auf die heftigen Reaktionen nach den Attacken gegen Hopp: "DFB Dietmars Fußball-Bund".

Ein Banner im Fanblock des FC Bayern stellte in Anspielung auf die DFB-Klarstellung zur Anwendung der Drei-Stufen-Regel für
Spielabbrüche die Frage, bis zu welchem Einkommen "situativ" und "situationsbedingt" beleidigt werden dürfte, ein anderes kritisierte die eigene Vereinsführung wegen ihrer Geschäftsbeziehungen zu Katar. 

Die Fans des FSV Mainz 05 präsentierten ihren Protest in kreativer Versform: "Mit Bestechung arrangiert, WM als Märchen inszeniert, Sklaverei wird ignoriert, Rassismus wegdiskutiert, und nun wird völlig ungeniert der beleidigte Milliardär hofiert?", stand auf einem Banner im Mainzer Fanblock geschrieben. Und weiter: "Jeder Wert ist euch egal, wer das Geld hat, dem ist die Moral!" 

Sondersitzung brachte kaum Entspannung

Der Konflikt mit den Fans war am vergangenen Spieltag eskaliert. Das Spiel der Hoffenheimer gegen den FC Bayern hatte kurz vor dem Abbruch gestanden, nachdem Bayern-Fans Dietmar Hopp mit Schmähplakaten beleidigt hatten. Die DFB-Spitze und viele Klub-Funktionäre hatten das Verhalten der Anhänger scharf verurteilt. Auch eine Sondersitzung der AG Fankulturen mit Vertretern von DFB und Deutscher Fußball Liga (DFL) am Donnerstag hatte die Lage kaum entspannt. Der Zusammenschluss "Fanszenen in Deutschland" hatte weitere Proteste angekündigte, im schlimmsten Fall sogar Provokationen bis hin zum ersten Spielabbruch. Auslöser der Proteste war eine Entscheidung des DFB-Sportgerichts. Dieses hatte eine Bewährung für Fans von Borussia Dortmund wegen fortgesetzter Hassplakate gegen Hoffenheim-Mäzen Hopp aufgehoben und alle BVB-Anhänger für die nächsten zwei Jahre von Pflichtspielen ihres Clubs in Sinsheim ausgeschlossen.

Bundesliga Borussia Mönchengladbach - Borussia Dortmund Fanprotest (Getty Images/AFP/S. Schuermann)

Feindbilder mit Pappnase im BVB-Gästeblock in Mönchengladbach

Solche Kollektivstrafen, die vom DFB und dem damaligen Präsident Reinhard Grindel 2017 eigentlich als abgeschafft galten, stoßen in der Fanszene auf heftige Ablehnung. "Schmiergelder, Kollektivstrafen, Tote in Katar - Wer die hässliche Fratze im Fußball ist, ist klar", hieß es am Samstag auf einem Banner der Hertha-Ultras beim Spiel der Berliner gegen Werder Bremen. Im Block von Bayer 04 Leverkusen wurde beim Spiel gegen Eintracht Frankfurt ein Spruchband entrollt mit der Aufschrift "Spieltagszerstückelung, Kollektivstrafen, Lügen - Ihr seid die Feinde des Fußballs".

Fanexperte: Drei-Stufen-Plan "überhastet" angewendet

Auch bei den Spielen der 2. und 3. Liga machten die Fans ihrem Unmut Luft. Die Partie zwischen Carl Zeiss Jena und 1860 München stand sogar kurz vor dem Abbruch. Schiedsrichter Florian Exner unterbrach das Spiel zweimal, weil im Block der Heimfans kurz nach dem Anpfiff Schmähplakate gegen den DFB und Hopp gezeigt wurden. Nachdem er beide Teams kurzzeitig in die Kabinen beordert hatte und die Banner schließlich eingerollt wurden, setzte der Schiedsrichter das Spiel nach knapp 15 Minuten Unterbrechung fort. Offen blieb, ob die Unterbrechung der Partie in Jena zwingend notwendig war, nachdem der DFB am Freitag erklärt hatte, dass auch beleidigende und grob unsportliche Kritik im Fanblock durchaus möglich sei, ohne dass die Referees einschreiten müssten.

Bundesliga DFB Banner im Fadenkreuz Fans Hertha BSC Berlin (Imago Images/MaBoSport)

Im Zentrum der Kritik: der Deutsche Fußball-Bund

Volker Goll von der Koordinationsstelle Fanprojekte warnte vor einer überharten Anwendung des Drei-Stufen-Plans. "Wenn man künftig in völliger Überreaktion das Feld verlässt, gibt man ein Druckinstrumentarium in die falschen Hände", sagte Goll der Zeitung "Main-Echo". "Dann findet bald kein Fußball mehr statt." Beim Drei-Stufen-Plan des Weltverbandes FIFA gehe es "um internationale Spiele in Osteuropa, Russland, Serbien und anderswo, wo Leute die Fußballbühne zu rassistischen, diskriminierenden und neonazistischen Exzessen missbraucht haben", so Goll: "Für mich wurde das jetzt überhastet aus der Schublade geholt."

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