Britische Wirtschaft wächst schneller als Euro-Zone | Wirtschaft | DW | 10.08.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Konjunktur

Britische Wirtschaft wächst schneller als Euro-Zone

Trotz großer Unsicherheiten wegen des Brexit hat die britische Wirtschaft im vergangenen Quartal stärker zugelegt als die der Euro-Zone. Das gute Wetter und die Fußball-Nationalmannschaft haben geholfen.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von April bis Juni um 0,4 Prozent zu, wie das Statistikamt (ONS) am Freitag mitteilte. Einzelhandel, Bau und Dienstleister trugen dazu bei, während die Industrie nur ein bescheidenes Plus schaffte und der Außenhandel bremste. Das Ergebnis stellt eine Verbesserung da: Im ersten Quartal hatte die Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent zugelegt.

Im zweiten Quartal wuchs die britische Wirtschaft damit kräftiger als die der Euro-Zone. Die Euro-Wirtschaft brachte es einer ersten Schätzung zufolge im Frühjahr nur auf ein Plus von 0,3 Prozent zum Vorquartal. Großbritannien gehörte lange zu den am schnellsten wachsenden Industrieländern der Welt. Das änderte sich mit dem EU-Ausstiegsvotum der Briten im Sommer 2016, das zu einer Schwächung der Landeswährung Pfund führte und die Inflation anheizte.

Das Halbfinale hat geholfen

"Die Ergebnisse zeigen bis zu einem gewissen Grad, dass die Verbraucher das warme Wetter genützt haben, und auch die Feiern während der Weltmeisterschaft spielten eine Rolle", hieß es in einer Mitteilung des Statistikamts ONS. England brachte es bei der Fußball-WM ins Halbfinale.

Die Statistiker bleiben aber mit Blick auf den Brexit zurückhaltend: "Wenn man von den Bewegungen im Quartal absieht, so zeigt der Trend beim realen BIP ein verlangsamtes Wachstum", so das ONS.

Großbritannien Brexit - Theresa May (Reuters/T. Melville)

Noch kein Ausweg aus dem Brexit-Dillema - Premierministerin May in London

Ein zweites Referendum?

Die Bank von England hatte angesichts der zuletzt verbesserten Konjunktur in der vergangenen Woche den Leitzins angehoben - auf 0,75 Prozent. So hoch war er zuletzt zu Zeiten der weltweiten Finanzkrise im Jahr 2009. Sie signalisierte zugleich, wegen der Brexit-Unsicherheit werde sie weitere Zinsanhebungen nur sehr behutsam angehen.

Weniger als acht Monate vor dem geplanten EU-Austritt hat Premierministerin Theresa May noch keinen Vorschlag gefunden, der sowohl in ihrer Partei als auch von der EU akzeptiert wird. Deshalb könnte ein Brexit ohne Vertrag mit der EU drohen. Das britische Pfund war daher zuletzt stark unter Druck geraten.

Die Hälfte der Briten will einer Umfrage zufolge ein weiteres Brexit-Referendum, sollten die Austrittsverhandlungen mit der EU ohne Einigung bleiben. Regierungschefin May hat ein zweites Brexit-Referendum wiederholt abgelehnt.

ar/nm (dpa, rtr, afp)

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema