Britische Polizei verhört Nowitschok-Opfer | Aktuell Europa | DW | 11.07.2018
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Vergifteter Mann bei Bewusstsein

Britische Polizei verhört Nowitschok-Opfer

Noch keine Entwarnung, aber ein gutes Zeichen: Der mit Nowitschok vergiftete Brite ist auf dem Weg der Besserung. Doch in der Gegend könnte es weiter gefährlich sein.

Großbritannien Nowitschok-Fall in Amesbury (Foto: Reuters/H. Nicholls)

Kontaminierte Gegend? Scotland Yard untersucht die Wohngegend der beiden Nowitschok-Opfer (Archivbild)

Die britische Polizei versucht unter Hochdruck herauszufinden, wie ein Paar in Südengland mit dem Kampfstoff Nowitschok in Kontakt kam. Beamte haben dafür den Mann vernommen. Ermittler hätten kurz ihm sprechen können, teilte Scotland Yard mit. Die Vernehmung werde in den kommenden Tagen fortgesetzt. Der Mann befindet sich nach Angaben seiner Ärzte noch immer in einem kritischen Zustand, schwebt aber nicht mehr in Lebensgefahr. Der vergiftete Brite ist erst seit Dienstag wieder bei Bewusstsein.

Der 45-Jährige und seine am Sonntag verstorbene Lebensgefährtin waren demnach in Amesbury demselben Gift ausgesetzt wie der frühere russische Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Julia. Der Tod seiner 44-jährigen Lebensgefährtin, Mutter dreier Kinder, wird von der britischen Justiz als Mord eingestuft.

Verbindung zum Fall Skripal?

Die Polizei geht davon aus, dass die beiden einen Behälter mit dem Nervengift berührt haben müssen. Die Dosis des Kampfstoffes sei sehr hoch gewesen. Untersucht wird, ob es Verbindungen zum Fall Skripal gibt. 

Amesbury liegt elf Kilometer von Salisbury entfernt, wo die beiden Skripals Anfang März vergiftet wurden. Sie mussten wochenlang im Krankenhaus behandelt werden. Großbritannien macht Russland für den Vorfall verantwortlich. Die Regierung in Moskau bestreitet eine Verwicklung in den Fall. Westliche Staaten und Russland haben wegen der Vorwürfe gegenseitig Diplomaten ausgewiesen. Der Kampfstoff Nowitschok war in den 70er und 80er Jahren in der Sowjetunion entwickelt worden.

Scotland Yards Leiter der Anti-Terror-Einheit, Neil Basu, erklärte, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass es noch mehr Spuren von Nowitschok gebe. Auch sei weiterhin nicht sicher, dass die beiden Fälle miteinander zu tun hätten. Alles andere sei aber angesichts des seltenen Gifts wenig plausibel. So lange man nicht wisse, wie die beiden Briten mit dem Kampfstoff in Berührung kamen, könne er leider nicht versprechen, dass die Gegend nun absolut sicher sei.

sam/jmw (afp, dpa, rtr)

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