Brexit: Was Urlauber wissen müssen | DW Reise | DW | 31.01.2020
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Reise

Brexit: Was Urlauber wissen müssen

Bye, bye, Britain: Der Brexit verunsichert viele Reisende. Auf welche Veränderungen müssen sich Großbritannien-Urlauber einstellen? Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Nach jahrelangen Verhandlungen haben es die Briten geschafft - sie sind nicht mehr Teil der EU. Wer jetzt Panik bekommt, weil er schon seinen Flug nach England verfallen sieht, kann sich beruhigen. Zunächst ändert sich erstmal nichts. Es wird eine Übergangsphase bis Ende 2020 geben, während der Großbritannien und die Europäische Union alle Verträge aushandeln wollen. Die Grenzen sind eines der größten Probleme, vor allem zwischen der britischen Provinz Nordirland und dem EU-Mitglied Irland.

England Brexit-Vertrag Unterzeichung Boris Johnson (picture-alliance/dpa/A. Parsons)

Premierminister Boris Johnson unterzeichnet das Austrittsabkommen Großbritanniens aus der EU

Rund 27 Millionen EU-Bürger reisen jedes Jahr nach Großbritannien, das sind etwa zwei Drittel der Besucher aus dem Ausland. Europäische Touristen sind also sehr wichtig für Großbritannien, weshalb das Land auch weiterhin Wert darauf legt, die Einreise für EU-Bürger möglichst einfach zu gestalten. Während die Auswirkungen des Brexits auf die Wirtschaft und Politik noch weitgehend ungeregelt sind, gibt es für Reisende bereits mehr Klarheit. "Europa ist und bleibt ein bedeutender Markt für uns", betont Tracey Edginton von VisitBritain, Großbritanniens Tourismusbehörde, gegenüber der DW. "EU-Bürger können ohne Sorgen ihre Reisen buchen. Es wird sich 2020 nichts ändern."

Trotzdem, viele sind verunsichert. Deshalb hier alles, was Sie wissen müssen, wenn Sie künftig nach Großbritannien reisen wollen.

Was passiert während der Übergangsphase bis Ende 2020?

In den nächsten elf Monaten ändert sich tatsächlich erst einmal nichts, weder für die geschätzt 3,6 Millionen in Großbritannien lebenden EU-Bürger sowie für die 27 Millionen Reisenden. Sie können weiterhin mit ihrem Personalausweis und ohne Visum einreisen, müssen sich nicht anmelden und können kostenfrei zum Arzt gehen.

Hat der Brexit Einfluss auf den Flug-, Bahn- und Fährverkehr? 

Nein, zumindest nicht in der Übergangsphase. Es wird weiterhin Flüge von der EU nach Großbritannien und anders herum geben. Passagiere werden keine Auswirkungen merken. Hinter den Kulissen allerdings sieht es anders aus. Denn es müssen neue Start- und Landerechte sowie Sicherheitsfragen geklärt werden. Auch welchen Zugang britische Airlines zum europäischen Markt erhalten.

Bei Zügen, Reisebussen und Fähren soll es ebenfalls keine Einschränkungen geben. Die Fährhäfen sind eine wichtige Lebensader Großbritanniens. Rund 14 Millionen Menschen kommen jährlich über die Verbindung Calais - Dover auf die Insel. Auf der M20, der wichtigsten Verbindung vom Eurotunnel nach London, könnte es nach dem Brexit zu Warteschlangen aufgrund strengerer Zollkontrollen kommen.

Kreidefelsen in Dover (picture-alliance/dpa/PA/S. Parsons)

Wer mit dem Schiff nach Großbritannien reist, wird in Dover von den charakteristischen Kreidefelsen begrüßt

Brauchen EU-Bürger künftig ein Visum, um in Großbritannien einzureisen?

Nein. Ein gültiger Personalausweis oder Reisepass reichen nach wie vor für kurze Aufenthalte von bis zu drei Monaten aus. Auch vor dem Brexit wurde an den Grenzen kontrolliert, da Großbritannien nicht zur Schengenzone gehörte. "Was Sie für die Einreise nach Großbritannien an Dokumenten brauchen, wird sich bis 2021 nicht ändern", heißt es auf der Website "Visiting the UK after Brexit" der britischen Regierung.

Was passiert an der Grenze zwischen Nordirland und Irland, wenn man eine Rundreise macht?

"Es bleibt alles wie bisher", versichert Tracey Edginton von VisitBritain. Die Grenze wird nicht geschlossen. 

UK Nordirland Skulptur in der Grenzstadt Derry (picture-alliance/XinHua/H. Yan)

Die Skulptur "Hands Across the Divide" in der Grenzstadt Derry. Die Grenzen zwischen Nordirland und Irland bleiben offen

Kann man in Großbritannien weiterhin ohne britischen Führerschein Auto fahren?

Ja, EU-Bürger brauchen keinen internationalen Führerschein.

Wird der Urlaub durch den Brexit teurer?

Nein. Zunächst wird der Urlaub eher etwas günstiger, da das britische Pfund unter den Brexit-Verhandlungen gelitten hat. Seit dem Brexit-Referendum im Juni 2016 ist der Kurs im Vergleich zum Euro um rund zehn Prozent gefallen. Aber generell gilt: London ist und bleibt eine teure Stadt.

Wird es wieder Roaming-Gebühren geben?

Surfen und Telefonieren kostet in Großbritannien genauso viel wie in den EU-Staaten, seitdem die Roaming-Gebühren abgeschafft worden sind. Theoretisch könnten sie nach dem Brexit wieder eingeführt werden, aber danach sieht es derzeit nicht aus - zumindest bis Ende 2020. 

London Heathrow Airport British Airways Flugzeug (picture-alliance/empics/S. Parsons)

VisitBritain rechnet für 2020 mit einem neuen Besucher-Rekordjahr

Was ändert sich für die Briten selbst?

Auch für die Briten bleibt während der Übergangsphase alles wie bisher. 

Gibt es Auswirkungen für Nicht-EU-Bürger?

Nein. Seit Mai 2019 allerdings gibt es neue E-Gate-Zugänge an den Flughäfen. Sie vereinfachten, so Tracey Edginton, die Einreise für Besucher aus Australien, Kanada, Japan, Neuseeland, den USA, Singapur und Südkorea. VisitBritain rechnet 2020 sogar mit einem Besucher-Rekordjahr. "Es werden vermutlich fast 40 Millionen Menschen nach Großbritannien reisen, das ist die höchste jemals erreichte Zahl und ein Zuwachs von 2,9 Prozent zum Vorjahr", sagt Tracey Edginton gegenüber der DW.

Wie wird es nach der Übergangsphase weitergehen?

Viele Fragen müssen noch geklärt werden, dafür ist die Übergangsphase da. Es soll aber auch danach für Kurzzeit-Reisende Visa-Freiheit geben. Besondere Regelungen werden für Forschungs-, Studien- und Ausbildungsvorhaben sowie Jugendaustausch-Programme und Geschäftsreisende entwickelt. Mehr Änderungen gibt es vermutlich bei Langzeit-Aufenthalten. Die britische Regierung hat aber auch angekündigt, dass ab 2021 der Personalausweis für die Einreise nicht mehr ausreichen wird. Zukünftig müssen EU-Bürger ihren Reisepass dabei haben.

Wer nach mehr Details zu den neuen Reisebestimmungen sucht, kann sich auf der Website der britischen Regierung "Visiting the UK after Brexit" auf Englisch informieren. 

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