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Brettspiele faszinieren schon seit Jahrtausenden

22. August 2023

Spiele sind natürlich keine Erfindung des Computerzeitalters. Brettspiele etwa gab es schon vor ca. 3000 Jahren, und sie sind nach wie vor populär, weil sie Spaß machen und strategische Fähigkeiten trainieren.

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Wandmalerei mit dem Brettspiel Senet
Das altägyptische Brettspiel "Senet" gilt als Vorläufer von BackgammonBild: Ann Ronan Picture Library/Heritage Images/picture alliance

Spiele gehören zu den ältesten Kulturgütern der Menschheit. Sie haben Kriege, Katastrophen und Pandemien überlebt. Die meisten sind so beliebt wie eh und je. Das gilt vor allem für Brettspiele. Hier ein Überblick über die Geschichte der beliebtesten. 

Schach

Seinen Ursprung hat Schach vermutlich in Ostindien: Im 6. Jahrhundert wurde dort eine frühere Form des Spiels namens "Chaturanga" gespielt. Die ältesten gefundenen Figuren stammen aus dem Jahr 760 n. Chr., das älteste erhaltene Theorie-Buch wurde 1497 veröffentlicht.

Das "Buch der Könige" aus dem 11. Jahrhundert zeigt das Schachspiel von Shahnama
Das "Buch der Könige" aus dem 11. Jahrhundert zeigt das Schachspiel von Shahnama Bild: Heritage Images/picture alliance

Von Indien gelangte Schach über Persien nach Arabien und weiter nach Europa. Bekannt ist Schach auch als das "Spiel der Könige". Ziel ist es, den gegnerischen König zu schlagen oder ihn "schachmatt" zu setzen. Dieser Begriff soll vom Persischen "shāh māt" stammen, was "der König (Shah) ist gefallen/geschlagen“ bedeutet.

Mühle

Viel älter als das beliebte Schach ist das Mühlespiel. Der älteste bekannte Mühlespielplan von 1400 v. Chr. wurde auf einer Dachplatte des Tempels im ägyptischen Kurna entdeckt.

Auch die Römer liebten das Spiel in zwei Varianten: die “Mola“ (Große Mühle) und die “Mola rotunda“ (Kreismühle). Aus römischer Zeit sind zahlreiche Spielbretter aus Holz, Elfenbein, Marmor oder Ton erhalten.

Römisches Mühle-Spiel im Römisch-Germanischen Museum
Eine Mühlespiel war das ideale Geschenk für römische Kinder zu NeujahrBild: Oliver Berg/dpa/picture alliance

Wenn aber gerade kein Spielbrett zur Hand war, dann ritzten die Römer die Linien einfach in den Boden. Solche Zeugnisse finden sich etwa auf den Treppenstufen der Basilica Iulia am Forum Romanum in Rom. Die Linien eines antiken Mühlespiels kann man auch auf einer Marmorplatte erkennen, aus der der Thron Karls des Großen in der Aachener Pfalzkapelle errichtet wurde.

Thron Karls des Großen
Die rechte Marmorplatte des Throns mit dem Mühlespiel soll aus der Grabeskirche in Jerusalem stammenBild: akg-images/picture alliance

Jahrhunderte lang gehörte Mühle zu den beliebtesten Brettspielen. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde Mühle vom Schachspiel weitgehend abgelöst.

Dame

Deutlich älter noch ist das Damespiel, das etwa 3000 v. Chr. entstanden ist. Ein Spielbrett aus dieser Zeit wurde in den Königsgräbern der antiken mesopotamischen Stadt Ur im heutigen Irak gefunden.

Die Regeln entstanden vermutlich im 12. Jahrhundert in Spanien oder in Südfrankreich. Als Vorläufer gilt das Spiel Alquerque, das noch heute in Spanien und Portugal, aber auch in der Türkei und Italien beliebt ist.

Männer spielen Dame, historische Aufnahme von ca. 1920
Die Herren, schön den Überblick behalten! Beim Damespiel ca. 1920 im Park Bild: Rosseforp/imageBROKER/picture alliance

Das Spielbrett besteht aus 8×8 oder 10×10 Feldern, wobei nur die schwarzen Felder des Spielbretts genutzt werden. Ziel des Spiels ist es, die gegnerischen Figuren zu schlagen, indem man sie diagonal überspringt.

Backgammon

Aus der gleichen Zeit stammen auch die ältesten gefundenen Backgammon-Spielbretter, wie das im Iran gefundene Brett aus Ebenholz mit Türkis- und Achatstücken.

Buchseite mit einer Erklärung zum Spiel Backgammon (Nard)
Im "Buch der Könige" von ca. 1300 n.Chr. erklärt Buzurjmihr das Backgammon-Spiel Bild: Liszt Collection/picture alliance

Die Römer machten Backgammon dann in ihrem gesamten Einflussbereich bekannt. Zwar geriet es danach in Europa in Vergessenheit, aber mit den Kreuzzügen wurde auch Backgammon wiederentdeckt. Zuerst war es nur ein beliebter Zeitvertreib der Adeligen, aber mit der Zeit begeisterte sich auch das einfache Volk für das Spiel.

Im mittelalterlichen Frankreich war Backgammon dann so beliebt, dass König Ludwig IX. seinen Hofbeamten und Untertanen das Spiel 1254 verbot. Not macht aber bekanntlich erfinderisch, und so wurde auf kleinen, als Bücher getarnten Spielbrettern heimlich weitergespielt.

Zwei Männer spielen Backgammon auf der Straße in der Türkei
Beim Backgammon vergießt man schnell die Welt um einen herumBild: Rainer Hackenberg/dpa/picture alliance

Gewonnen hat dieses mit Würfeln gespielte Strategiespiel, wer als Erster alle seine 15 Steine vom Brett gezogen hat.

Senet

Zahlreiche Grabmalereien in Ägypten belegen, dass Senet seit mindestens 3000 v. Chr. gespielt wurde. Und nicht nur Pharaonen, sondern alle Bevölkerungsschichten liebten offenbar dieses Strategiespiel.

Ein ägyptisches Wandrelief, das das Spiel Senet zeigt
Zahlreiche Grabmalereien und Reliefe belegen, wie beliebt Senet im alten Ägypten warBild: World History Archive/United archives/picture alliance

Senet erinnert an das sogenannte "Königliche Spiel von Ur", ein Rennspiel für zwei Spieler, dessen ursprüngliche Regeln heute unbekannt sind. Der Name bedeutet "das Spiel des Vorbeigehens", und viele der Felder zeigen mögliche Gefahren auf der Reise ins Jenseits. Denn Senet diente nicht nur der Zerstreuung, sondern hatte auch eine mythologische Bedeutung mit zahlreichen Bezügen zum Lauf der Sonne.

Ägyptisches Spiel aus dem Tal der Könige
Für das jenseitige Leben wurden auch Pharao Tutenchamun vorsorglich gleich fünf Spielbretter mit ins Grab gegeben.Bild: Robert Harding Productions/picture alliance

Wie Senet auf einem 30 Felder zählenden Raster mit Bauern und Wurfstöcken gespielt wurde, ist nicht überliefert. Vermutlich hat derjenige gewonnen, der zuerst alle seine Spielfiguren vom Brett nehmen konnte. 

Mehen-Spiel abgebildet auf einem Sarg
Das Mehen-Spiel bezieht sich auf einen mythischen Weg ins Jenseits - hier auf einem Sarg dargestellt. Bild: Werner Forman Archiv/Heritage Images/picture alliance

Mehen

Neben Senet stand offenbar auch Mehen, das Schlangenspiel, sehr hoch in der Gunst der Ägypter. Entstanden ist es ca. 3000 v. Chr., ein Spielbrett wurde unter anderem im Grab des  Pharaos Seth-Peribsen entdeckt.

Mehen war ein Jenseitsgott, der in der Unterwelt den verstorbenen König in Empfang nahm und ihn dann auf seiner Reise durch die Unterwelt begleitete, indem er dessen Kopf oder den ganzen Körper umwickelte.

Bei Mehen wurde auf einem spiralförmigen Kreislauf gespielt, der wie eine Schlange geformt ist. Die Spielsteine waren Murmeln oder Spielsteine in Form eines Löwen.

Wie aber diese Spielsteine gesetzt wurden und was die Regeln waren, ist bis heute unklar.

Go

In China war das bis heute sehr beliebte Go-Spiel nicht nur willkommene Unterhaltung, sondern gar oberste Pflicht der Aristokratie. So galt das bereits im vierten Jahrhundert vor Christus entstandene Spiel neben der Kaligraphie, der Malerei und dem Spielen des Saiteninstruments Guin als eine der vier Künste, die ein Adeliger beherrschen musste.

Go fasziniert vor allem in China, Japan und Korea bis heute, und nicht nur die Alten. 

Kinder bei einem Go-Wettbewerb in Shandong
Früh übt sich: An dieser Meisterschaft im chinesischen Rizhao nahmen mehr als 10.000 Go-Fans teil.Bild: Li Shihuan/HPIC/picture alliance

Das Ziel von Go ist, mit seinen Spielsteinen mehr Felder als der Gegner zu umschließen. 

Xiangqi

Auch Xiangqi, das sogenannte chinesische Schach, entstand im vierten Jahrhundert v. Chr. und ist bis heute auch in Taiwan und Vietnam sehr beliebt. Bei diesem sogenannten "Elefantenspiel" wird eine Schlacht zwischen zwei Armeen darstellt.

Männer spielen chinesisches Schach
Bei Xiangqi stehen sich zwei verfeindete Truppen gegenüber, getrennt durch den Gelben Fluss.Bild: Ben Pipe/robertharding/picture alliance

Mit Schach hat Xianqi allerdings nicht wirklich etwas zu tun, auch wenn man mit seinen 16 Spielfiguren ebenfalls den gegnerischen König schlagen muss. 

Gespielt wird auf den Schnittpunkten der zehn waagerechten Reihen und neun senkrechten Linien - ähnlich wie bei Go. In der Mitte des Spielfeldes liegt der "Gelbe Fluss", der das Spielfeld in zwei Reiche, in den roten Norden und den schwarzen Süden teilt. Eines aber haben alle Spiele gemeinsam: Sie sind noch immer beliebt. 

Der Beitrag ist ursprünglich am 20.12.2020 erschienen und wurde am 22.08.2023 überarbeitet.

DW Mitarbeiterportrait | Alexander Freund
Alexander Freund Wissenschaftsredakteur mit Fokus auf Archäologie, Geschichte und Gesundheit@AlexxxFreund