Breiter Widerstand gegen Pegida-Jahrestag in Dresden | Aktuell Deutschland | DW | 21.10.2018
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Demonstrationen

Breiter Widerstand gegen Pegida-Jahrestag in Dresden

Vor vier Jahren rief das fremdenfeindliche Pegida-Bündnis montags erstmals zu seinen sogenannten Abendspaziergängen auf. Tausende haben sich in Dresden nun gegen die Ideale von Pegida positioniert.

Unter dem Slogan "Herz statt Hetze" sind in der sächsischen Landeshauptstadt zwei Protestzüge zusammengekommen, die sich gegen die vor vier Jahren ins Leben gerufene Pegida-Bewegung richteten. Gemeinsam bewegten sie sich durch die Innenstadt. Nach Angaben von Polizei und Veranstaltern kamen rund 10.000 Menschen zusammen. Die Dresdner Frauenkirche lud zu einem Friedensgebet ein.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) rief bei einer Kundgebung vor dem Hauptbahnhof dazu auf, sich politisch zu engagieren: "Wir haben es in der Hand, ob dieses Land weltoffen und freundlich ist." Zugleich forderte er dazu auf, sich gegen Alltagsrassismus zu wehren. "Es ist wichtig, dass wir uns engagieren und denen entgegentreten, die nur einfache Antworten haben." 

Deutschland Demonstration Herz statt Hetze in Dresden (picture-alliance/dpa/O. Killig)

Junge, Ältere und auch Kinder - der Anti-Pegida-Protestzug bestand aus einer Mischung aller Altersklassen

Kretschmer mahnte aber auch einen respektvolleren Umgang in der Gesellschaft an. Wenn Menschen sich Sorgen machten und Kritik übten, dürften sie nicht in eine Ecke gestellt werden, sagte er bei einer Demonstration. Er erinnerte an die tausenden Menschen, die vor 29 Jahren für Meinungsfreiheit und Demokratie auf die Straße gegangen sind.

"Pegida stärkt Rechte"

Sein Vize-Regierungschef Martin Dulig (SPD) forderte auf der Veranstaltung, für Menschlichkeit und Demokratie zu kämpfen. Das gelte vor allem auch angesichts von Hitlergrüßen und Judenwitzen im Alltag. Es brauche eine "Kultur des Widerspruchs im Land". Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) mahnte, Pegida bestehe nicht mehr nur aus Unzufriedenen, sondern ziehe auch Rechte an und mache diese stärker.

Deutschland Pegida in Dresden (picture-alliance/AP Photo/J. Meyer)

Die Plakate der Pegida-Anhänger und -Sympathisanten richteten sich auch gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel

Das Bündnis Pegida (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) hatte für seine Kundgebung zum Jahrestag vor der Frauenkirche 4000 Teilnehmer angemeldet. Sie stand unter dem Motto "4 Jahre Widerstand". Auch Pegida-Gründer Lutz Bachmann trat auf, der sich nach Bekanntwerden eines Fotos, das ihn in Hitlerverkleidung zeigte, im Januar 2015 von der Spitze des Vereins zurückgezogen hatte. Der Mitteldeutsche Rundfunk berichtete, dass auch Fahnen der Jugendorganisation der AfD und der vom Verfassungsschutz beobachteten rechten Identitären Bewegung zu sehen gewesen seien.

Zeit zu handeln

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) nannte den vierten Jahrestag des Bestehens von Pegida im Kurzbotschaftendienst Twitter einen "traurigen Tag für unser Land". Es sei aber kein Tag, "die Hände in den Schoß zu legen", so Maas. Er bezeichnete es als "super", dass es Gegendemonstrationen gegen den Jubiläumsaufmarsch in Dresden gebe.

ust/uh (dpa, epd, afp, mdr.de, Twitter)