Brave New Media: Jugendliche reden Klartext | Europa/Zentralasien | DW | 08.11.2018
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Europa/Zentralasien

Brave New Media: Jugendliche reden Klartext

In Belgrad haben Journalisten, Youtuber und Teenager aus zwölf Ländern Ende Oktober über innovative Digitalformate und ethische Fragen der neuen Medienwelt diskutiert – auf Augenhöhe. Ein Forum, das Brücken schlägt.

Youtuber-Panel beim Brave New Media Forum 2018 in Belgrad (DW/M. Erdelji )

Was ist ok und was nicht? Youtuber und Instagrammer diskutieren beim Brave New Media Forum über Freiheit und ethische Verantwortung

Schon die erste Leitfrage war bewusst gegen den Strich gebürstet: Was können ältere Medienmacher von Jungjournalisten lernen? Die 17-jährige Jovana Jovic, Mitbegründerin des Teenager-Portals Youthvibes, brachte es auf den Punkt: "Traditionelle Medien bieten uns Jugendlichen fast nichts. Deshalb haben wir mit Unterstützung der DW Akademie unser eigenes Portal aufgemacht, bei dem Teenager für Teenager über Themen schreiben, die uns auch wirklich interessieren." Auch das moldauische TV-Format Abraziv und das bosnische Jugendportal Karike werden von der DW Akademie unterstützt, weil dort junge Menschen selbst die Themen festlegen und berichten.

Genau damit haben noch viele etablierte Medien auf dem Westbalkan Probleme: Alle erkennen zwar, dass sie Jugendliche mit ihren Inhalten in Zeiten von Facebook, Instagram und Snapchat kaum noch erreichen. Doch zögern sie, jungen Menschen zu erlauben, selbst Programm zu machen.

Brave New Media Forum 2018 in Belgrad (DW/M. Erdelji )

Gerade 17 Jahre und schon Medienchefinnen: Jovana Jović (Mitte) und Vanja Joksimović (links) vom Teenager-Portal "Youthvibes" im Gespräch mit Jelena Đukić-Pejić (rechts) von der DW Akademie

Von Jugendlichen für Jugendliche

"Heutzutage müssen Medien mutig und innovativ sein – eben Brave New Media", erläutert Klaus Dahmann, der das Programm der DW Akademie für Serbien und den Westbalkan leitet.

Mutig und innovativ wie der montenegrinische öffentlich-rechtliche Rundfunk RTCG: Er bildet mit Unterstützung der DW Akademie Teenager zu Video-Bloggern, kurz "Vloggern" aus, hilft ihnen bei der Video-Produktion und veröffentlicht ihre Formate seit Oktober auf dem Youtube-Kanal Hexatorm. "Ich war am Anfang skeptisch, ob wir überhaupt talentierte Jugendliche finden und motivieren können", gab Projektleiterin Maja Djuretić-Mrdak zu. "Aber dann habe ich diese sechs Teenager gesehen – und war überwältigt!"

Brave New Media – eine Anspielung auf Aldous Huxley’s "Brave New World" – weist auch auf die negativen Seiten der digitalen Welt hin: "Wir müssen uns der Verantwortung bewusst sein, die wir als Medienmacher haben", sagt Dahmann.

Teenager kritisiert Chefredakteur

Für Furore sorgte eine Studie des serbischen Presserats, die auf dem Forum vorgestellt wurde: Er dokumentierte in den vergangenen zwei Monaten knapp 100 Fälle, bei denen vor allem Boulevard-Medien gegen Kinderrechte verstoßen haben. Besonders häufig wurde über minderjährige Opfer sexueller Gewalt so berichtet, dass diese leicht zu identifizieren waren.

Bei der anschließenden Diskussion empörte sich der Chefredakteur einer der größten serbischen Boulevard-Zeitungen darüber, dass sein Blatt ständig kritisiert werde, während sich doch in anderen Ländern – seinen Worten zufolge – niemand über so eine Berichterstattung aufrege. Hier fand ein 17-Jähriger die deutlichsten Worte: "Sollen also wir Jugendlichen von erfahrenen älteren Journalisten wie Ihnen lernen, dass man die eigenen Fehler am besten durch Fehler anderer rechtfertigt?" Stehender Applaus im Saal.

Grauzone Soziale Medien

Eine spannende Diskussion entwickelte sich auch zwischen Youtubern, Instagrammern und dem Publikum rund um die Frage, wie verantwortungsvoll "Influencer" agieren. Darf man zum Beispiel vor laufender Kamera Drogen nehmen und die Folgen zeigen? Das hat Rens Polman auf dem Youtube-Kanal "DrugsLab" getan, der übrigens von der niederländischen Regierung finanziert wird.

Auch der in Serbien besonders virulente "Youtuber-Krieg" kam zur Sprache: Wie lassen sich Hate Speech und Cyberbullying auf Sozialen Medien eindämmen? Welche Verantwortung tragen Youtube & Co.? Müssen die Sponsoren solcher Kanäle einschreiten? Oder liegt es letztlich doch bei den Eltern, zu kontrollieren, was ihre Kinder schauen?

Brave New Media Forum 2018 in Belgrad (DW/M. Erdelji )

Beim Speed Dating Event konnten Jugendliche Medienmacher und Youtuber kennen lernen

Brücken schlagen

Das Brave New Media Forum, das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert wird, fand bereits zum zweiten Mal in Kooperation mit der OSZE statt. Mit mehr als 300 Teilnehmern aus den Ländern Südosteuropas, Deutschland, den Niederlanden, Moldawien und Georgien hat es sich als eine Veranstaltung etabliert, die Brücken schlägt. Teenager diskutierten mit Erwachsenen. Produzenten von Kinder- und Jugendmedien aus verschiedenen Ländern tauschten sich aus und loteten Kooperationsmöglichkeiten aus.

Im Nebenprogramm konnten sich Jugendliche zudem als Medienmacher ausprobieren: als Fotograf, als Video-Journalist und als TV-Moderator. Die besten Arbeiten wurden zum Abschluss des Forums ausgezeichnet. Höhepunkt im Nebenprogramm bildete das Speed Dating, bei dem Teenager Redakteure und Social-Media-Aktivisten kennen lernen konnten. Fünf Minuten hatte jedes Paar Zeit, dann ging es weiter zum nächsten Gesprächspartner.

Das nächste Brave New Media Forum ist Ende Oktober 2019 geplant – ebenfalls zweitägig und erneut in Serbien.

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