Brasilien lehnt Amazonas-Soforthilfe der G7 ab | Aktuell Amerika | DW | 27.08.2019
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Feuer im Regenwald

Brasilien lehnt Amazonas-Soforthilfe der G7 ab

Wegen der Waldbrände am Amazonas hat der G7-Gipfel 18 Millionen Euro Soforthilfe für Brasilien in Aussicht gestellt. Die Regierung in Brasilia bedankt sich höflich und weist das Angebot im gleichen Atemzug brüsk zurück.

Brasilien Waldbrände Löschflugzeug (picture-alliance/AP Photo/Brazil Ministry of Defense)

Ein brasilianisches Löschflugzeug vom Typ C-130 Hercules im Einsatz gegen Waldbrände

Der Kabinettschef des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro, Onyx Lorenzoni, sagte dem Nachrichtenportal "G1", die zugesagten Millionenhilfen der sieben großen westlichen Industriestaaten sollten vielmehr dazu verwendet werden, die Wälder in Europa wieder aufzuforsten. Das Präsidentenbüro bestätigte der Nachrichtenagentur AFP die Ablehnung der Soforthilfe.

Die G7-Staaten hatten Brasilien angesichts der verheerenden Feuer im Regenwald des Amazonas-Gebiets 20 Millionen Dollar (umgerechnet 18 Millionen Euro) an Soforthilfen bereitgestellt. Damit sollten vor allem Löschflugzeuge finanziert werden, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Montag beim Gipfeltreffen der führenden Industrieländer im südfranzösischen Seebad Biarritz. Zudem sollen Wiederaufforstungsprojekte angeschoben werden. Gespräche darüber sind im Rahmen der UN-Vollversammlung im September vorgesehen.

Der brasilianische Umweltminister Ricardo Salles begrüßte zunächst die Unterstützung durch die G7, machte aber zugleich deutlich, dass die Regierung selbst über die Verwendung der Hilfsgelder bestimmen wolle. "Das brasilianische Volk und die brasilianische Regierung entscheiden, wie die Mittel eingesetzt werden", sagte Salles in São Paulo.

Deutliche Absage

Dann erteilte Bolsonaros Kabinettschef Lorenzoni dem Vorschlag der G7 aber eine klare Absage: Brasilien danke für die angebotene Hilfe, sagte er zu "G1". "Aber vielleicht wäre es wichtiger, mit den Mitteln Europa wieder aufzuforsten." Zugleich rief er Macron auf, dieser solle sich lieber um die Probleme bei sich "zu Hause" und in den französischen "Kolonien" kümmern.

Die brasilianische Regierung hat Macron in den vergangenen Tagen wiederholt scharf angegriffen, weil der französische Präsident die Amazonas-Waldbrände auf die Agenda des G7-Gipfels gesetzt hatte. Bolsonaro warf Macron eine "kolonialistische Mentalität", eine "Instrumentalisierung" der Amazonas-Waldbrände sowie einen "sensationsgierigen Ton" vor. Der ultrarechte Politiker schreckte selbst vor einer sexistischen Attacke gegen Macrons Ehefrau Brigitte nicht zurück.

Bitte keine Einmischung

Bolsonaro empörte sich zudem darüber, dass die G7-Staaten sich nach seiner Ansicht in die inneren Angelegenheiten Brasiliens einmischten. "Wir können nicht hinnehmen, dass Präsident Macron unangebrachte Angriffe auf das Amazonasgebiet fährt und seine Absichten hinter einer 'Allianz' der G7-Staaten zur 'Rettung' des Amazonasgebiets versteckt, als ob wir eine Kolonie oder Niemandsland wären", schrieb der Staatschef auf Twitter.

Mit Kolumbiens Präsident Ivan Duque habe er sich abgesprochen, gemeinsam bei der Brandbekämpfung zu handeln, um "unsere Souveränität" und "unsere Reichtümer" zu garantieren, so Bolsonaro. Er steht auch den UN-Klimakonferenzen sowie dem Pariser Klimapakt skeptisch gegenüber. Dagegen bezeichnete Macron das Amazonasgebiet in Biarritz als "Gemeingut" und beschwor die Verantwortung der internationalen Gemeinschaft für die Region.

Immer mehr Brände

Weil der Amazonasregenwald große Mengen an CO2 binden kann, ist er für das globale Klima von entscheidender Bedeutung. In Brasilien wüten die schwersten Waldbrände seit Jahren. Seit Januar stieg die Zahl der Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach den jüngsten Angaben der brasilianischen Weltraumagentur INPE um 78 Prozent auf mehr als 80.000 Brände. Betroffen waren meist Flächen in Privatbesitz, aber auch in Naturschutzgebieten und Ländereien der indigenen Bevölkerung brechen immer wieder Feuer aus.

Umweltschützer und indigene Gruppen werfen dem Präsidenten Bolsonaro vor, ein gesellschaftliches Klima geschaffen zu haben, in dem sich Farmer, Holzfäller und Goldgräber zu immer weiteren Rodungen ermutigt fühlen. So sollen Medienberichten zufolge Bauern im Bundesstaat Pará sich zu einem "Tag des Feuers" verabredet und große Waldflächen in Brand gesteckt haben. "Es besteht der Verdacht auf eine orchestrierte Aktion. Es gibt den Verdacht, dass das von langer Hand geplant wurde", sagte Generalstaatsanwältin Raquel Dodge. Sie leitete strafrechtliche Ermittlungen gegen die mutmaßlichen Brandstifter ein. Der örtliche Bauernverband bestritt eine koordinierte Brandrodung in der Region unterdessen ab. "Niemand will Brände, die außer Kontrolle geraten könnten. Das schadet allen", sagte der Präsident des Verbands in Novo Progresso, Agamenon da Silva Menezes.

kle/hk (afp, dpa, kna, G1.globo.com)

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