Brände auf griechischer Insel Euböa wüten weiter | Aktuell Europa | DW | 08.08.2021
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Mittelmeerregion

Brände auf griechischer Insel Euböa wüten weiter

Die Lage in den Waldbrandgebieten in Griechenland bleibt dramatisch. Große Teile der Insel Euböa und der Halbinsel Peloponnes stehen in Flammen. Knochentrockenes Wetter macht nicht nur der Mittelmeerregion zu schaffen.

Video ansehen 02:09

Keine Entwarnung bei Waldbränden im Mittelmeerraum

Die griechische Feuerwehr kämpft mit ausländischer Unterstützung den zwölften Tag in Folge gegen enorme Wald- und Buschbrände, besonders in vielen Gebieten der Insel Euböa, Hunderte Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. Mehrere Hundert Häuser waren dort in den vergangenen Tagen bereits zerstört worden.

Nun bedrohen die Flammen auch die Ortschaften Ellinika, Vasilika und Psaropouli. Am Sonntagmorgen wurden erneut Bewohner von einem Strand der nördlich von Athen gelegenen zweitgrößten griechischen Insel gerettet. Die Menschen waren dort von Flammen eingekesselt worden, wie die Nachrichtenagentur ANA berichtete. An der Küste sind Militär- und Fährboote in Alarmbereitschaft, sollten weitere Evakuierungen notwendig werden.

Griechenland | Waldbrände in Athen

Erschöpfte Helfer bei Athen

Im Norden Euböas spielten sich in der Nacht zum Montag apokalyptische Szenen ab. Der Nordteil ist mittlerweile durch die unzähligen Großfeuer fast vollständig vom Rest der Insel abgeschnitten, wie Satellitenbilder zeigen. Rettungskräfte, Freiwillige und Einwohner konnten die Flammen nicht in Schach halten, sondern wurden von ihnen Richtung Küste getrieben. Boote standen bereit, um Anwohner zu evakuieren - Tausende mussten die Insel bereits verlassen. Die Rauchwolken und der Feuerschein waren noch über 100 Kilometer weit auf dem Festland zu sehen. 

Auf der südwestlichen Halbinsel Peloponnes brennt es weiterhin in den Bezirken Elis und Messenien und in der Gemeinde Anatoliki Mani. Die Brände nördlich der Hauptstadt Athen konnten hingegen gelöscht werden. Das Feuer, das dort seit Dienstag in mehreren Ortschaften gewütet hatte, ist nach Angaben der Feuerwehr nicht mehr aktiv.

Feuerwehren aus mindestens zehn Ländern löschen mit

Zunehmend erreichen Helfer aus dem Ausland die Brandgebiete in Griechenland. Mehr als 200 ukrainische und rumänische Feuerwehrleute sind bereits vor Ort im Einsatz. Samstagabend kamen zwei Hubschrauber samt Besatzung aus Ägypten an. Deutschland will 200 Feuerwehrleute und Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks schicken. Knapp 60 Helfer aus Nordrhein-Westfalen sind mit einem Konvoi aus 19 Fahrzeugen auf dem Weg. Hilfe wurde auch aus Polen, der Slowakei, Tschechien, Großbritannien, Katar und Kuwait zugesagt.

Griechenland | Waldbrände: Löscharbeiten in auf dem Peloponnes

Löscharbeiten nahe der antiken Stätten von Mykene auf dem Peloponnes

Mit Temperaturen zwischen 40 und 45 Grad Celsius erleben Griechenland und die benachbarte Türkei derzeit eine außergewöhnliche Hitzewelle. In der Türkei hat sich die Lage in der besonders betroffenen Provinz Antalya nach starken Regenfällen deutlich entspannt. Zuletzt waren noch sechs Brände außer Kontrolle. Die Einsatzkräfte konzentrieren sich derzeit hauptsächlich auf die westtürkische Provinz Mugla, wo heftiger Wind die Löscharbeiten behindert.

Ausmaß der Brände weltweit größer als in der Vergangenheit

Aus Italien melden die Einsatzkräfte landesweit rund 800 Einsätze wegen Waldbränden. Landwirtschaft und Naturschutzgebiete seien zunehmend betroffen, heißt es in einer Erklärung des Präsidenten des Verbands für Parks und Naturreservate. Besonders die geschützten Areale des Aspromonte Nationalparks im süditalienischen Kalabrien und des Parco delle Madonie östlich der sizilianischen Hauptstadt Palermo seien "im Klammergriff verheerender Brände", sagte Giampiero Sammuri.

Am Sonntagabend wurden wegen Bränden rund um die italienische Adria-Gemeinde Campomarino mehr als 400 Menschen aus ihren Unterkünften geholt. Die Behörden evakuierten Hotels, Campingplätze und Wohnhäuser im Ortsteil Campomarino Lido am Meer. Auf einem Video der Feuerwehr war zu sehen, wie dichter Qualm durch die Straßen zog und sich Flammen durch Büsche bis zu einem Café durchfraßen.

Der Agrarverband Coldiretti warnte vor den Schäden für die Landwirtschaft durch die Feuer und die anhaltende Dürre, vor allem im Süden des Mittelmeerlandes. Der Ertrag beim Weizen könnte um zehn Prozent zurückgehen, während Experten bei Obstsorten wie Kirschen, Pfirsichen und Nektarinen mit einem Rückgang um teilweise bis zu 50 Prozent rechnen, verglichen mit einem normalen Vegetationsjahr.

WS USA Dixie Fire brennt weiter

"Dixie Fire" in Kalifornien - auf der anderen Seite der Erdkugel, aber genauso verheerend

Knochentrockenes und brütend heißes Wetter macht auch anderen Weltregionen zu schaffen. In Sibirien im Norden Russlands stehen seit Wochen riesige Flächen in Flammen. Insgesamt haben die Waldbrände in diesem Jahr in Russland fast 15 Millionen Hektar Land verbrannt. Auch der Westen der USA und Kanadas ist betroffen. Bis Ende Juli wurden im US-Bundesstaat Kalifornien bereits 250 Prozent mehr Fläche durch Brände zerstört als im gesamten Jahr 2020. Im Zusammenhang mit dem "Dixie Fire" genannten Großbrand, der seit Mitte Juli im Norden Kalifornien wütet, werden derzeit mindestens fünf Menschen vermisst. Es handelt sich um Bewohner der ausgebrannten früheren Goldgräber-Stadt Greenville. Die massiven Rauchwolken des "Dixie Fire" sind sogar auf Satellitenbildern aus dem Weltraum aus zu sehen.

qu/mak/kle (dpa, afp)

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