Botschaft der Nachfahren der NS-Widerstandskämpfer | Kultur | DW | 20.07.2018
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Gedenken an Hitler-Attentat

Botschaft der Nachfahren der NS-Widerstandskämpfer

Am 20. Juli 1944 versuchte Graf von Stauffenberg Hitler zu töten - mit einer Bombe in seiner Aktentasche. 74 Jahre später melden sich 400 Nachfahren von Widerständlern mit einem Appell für ein vereintes Europa zu Wort.

"Wo stünde Europa heute, wenn der Tag einen anderen Verlauf genommen hätte? Wenn das Attentat Stauffenbergs geglückt, Hitler getötet worden, Deutschlands Diktatur bereits 1944 beendet worden wäre?", fragen die Nachkommen der Hitler-Attentäter vom 20. Juli und anderer Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus in einem Gastbeitrag der Berliner Zeitung "Der Tagesspiegel".

Am 20. Juli 1944 hatte eine Gruppe um Claus Graf Schenk von Stauffenberg versucht, Hitler mit einer Bombe in einer Aktentasche zu töten, die die Verschwörer zuvor in den Kartenraum des Führerhauptquartiers "Wolfsschanze" unter den Tisch geschmuggelt hatten. Kurz vor der Detonation schob jemand die Tasche auf die andere Seite des Tischsockels im Besprechungssaal; Hitler wurde lediglich leicht verletzt. Claus Graf Schenk von Stauffenberg und vier Mitverschwörer wurden noch in der Nacht hingerichtet, weitere 140 Mitwisser in den folgenden Tagen.

Botschaft in Zeiten von Populismus und nationaler Abschottung

Die Nachfahren der Widerstandskämpfer appellieren nun in Zeiten des Populismus und der nationalen Abschottung für ein starkes und vereintes Europa:

"Vom Kreisauer Kreis und vielen nach dem 20. Juli zum Tode verurteilten Widerstandskämpfern wissen wir, dass es den Verschwörern wichtig war, ein geeintes Europa der Völker zu errichten, in dem der Mensch und nicht die Nation im Vordergrund steht, in dem das Gemeinsame höher gewichtet wird als das Trennende", heißt es in dem Beitrag. Mit dieser Vorstellung seien sie nicht allein gewesen. Auch andere Widerstandsgruppen wie die Weiße Rose, eine studentische Widerstandsgruppe, die Flugblätter gegen den Krieg und nationalsozialistische Ideologien verteilte, hätten von einem vereinten Europa geträumt. "Denn nur in einem geeinten Europa kann es Frieden geben", so die Unterzeichner.

Appell für Solidarität und Humanität

Der europäische Staatenverbund stehe heute vor einer Zerreißprobe. Die Grundsätze von Humanität, Solidarität und Gerechtigkeit, die in der Aufklärung und durch die Erfahrungen zweier Weltkriege erarbeitet worden, "scheinen immer weniger wert zu sein", schreiben die Autoren. Das sei aber nicht das Vermächtnis, das die Männer und Frauen des 20. Juli im Sinn gehabt hätten. "Wir möchten an diesem Tag an den Mut und die visionäre Kraft unserer Eltern, (Ur-)Großeltern, Onkel und Tanten erinnern und hoffen, dass nationale Alleingänge nicht das geeinte, starke, friedliche Europa gefährden, das sie für sich, uns und unsere Kinder erhofft hatten."

ld/suc (tagesspiegel.de, kna, epd)

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