Bootsflüchtlinge vor Lampedusa ertrunken | Aktuell Welt | DW | 07.10.2019
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Seenotrettung

Bootsflüchtlinge vor Lampedusa ertrunken

Im Mittelmeer ist erneut ein Flüchtlingsboot gekentert. An Bord waren rund 50 Menschen, darunter mehrere Kinder. Das Unglück ereignet sich einen Tag bevor die EU-Innenminister über die Flüchtlingspolitik beraten wollen.

Vor der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa sind eine noch unbekannte Zahl von Bootsflüchtlinge nach einem Schiffbruch ums Leben gekommen. Nach Angaben der italienischen Küstenwache seien bislang 13 Frauen tot geborgen worden, einige von ihnen sollen schwanger gewesen sein. Nach bis zu 20 Menschen werden noch gesucht, unter ihnen seien Kinder und weitere Schwangere. 22 Menschen wurden gerettet und in den Hafen von Lampedusa gebracht.

Die Küstenwache war nach eigenen Angaben kurz nach Mitternacht zur Rettung des Bootes ausgelaufen. Demnach sei das Flüchtlingsboot wegen "der widrigen Wetterbedingungen und ausbrechender Panik unter den Migranten" gekentert, als sich die Rettungsschiffe nährten.

Die Suche nach Vermissten wurde mit Hilfe eines Hubschraubers und eines Motorbootes fortgesetzt. Die Küstenwache hatte am späten Sonntagabend den Notruf des Boots erhalten, auf dem sich insgesamt rund 50 Flüchtlinge befunden haben sollen. Überlebende berichteten laut Nachrichtenagentur Ansa, dass unter den Vermissten acht Kinder seien. Ein Sprecher der Internationalen Organisation für Migration (IOM) teilte mit, dass das Boot in Tunesein in See gestochen sei und Tunesier sowie westafrikanische Migranten an Bord hatte.

Rettungsschiff «Open Arms» (picture-alliance/dpa/Sea Watch/F. Bungert)

Die NGO "Ärzte ohne Grenzen" wurde nach eigenen Angaben angefragt, mit ihrem Schiff nach Überlebenden zu suchen

Die für Lampedusa zuständige Staatsanwaltschaft Agrigent nahm wegen des Bootsunglücks Ermittlungen auf. Staatsanwalt Luigi Patronaggio, der auch die Ermittlungen gegen die deutsche Kapitänin Carola Rackete geleitet hatte, schickte einen Vertreter auf die südlich von Sizilien gelegene Insel. Die Ermittlungen richteten sich zunächst gegen Unbekannt. "Es kann nicht sein, dass weiterhin wenige Meilen von der Insel entfernt gestorben wird", sagte der Bürgermeister von Lampedusa, Totò Martello. Er forderte die Wiederaufnahme einer systematischen staatlichen Seenotrettung im südlichen Mittelmeer. 

Die lange Suche nach einer Lösung

Diese neue Tragödie unterstreiche, wie wichtig es sei, beim Thema Migration Fortschritte zu erzielen, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. "Der Seenotrettungsmechanismus beendet ein unwürdiges Geschacher", sagte Unionsfraktionsvize Thorsten Frei. Sollte die geplante Verteilung zu einem Anstieg der Zahl von Bootsmigranten auf der zentralen Mittelmeerroute führen, müsse dieses Übergangsverfahren aber sofort wieder beendet werden. Langfristiges Ziel seien ohnehin "rasche Asylverfahren an sicheren Orten in Drittstaaten". Die neue EU-Kommission müsse alles daran setzen,  um das bereits im Sommer 2018 beschlossene Konzept der "Ausschiffungsplattformen" voranzubringen. "Für einen geballten europäischen Willen wird es auch einen Weg geben", sagte Frei.

Am Dienstag befassen sich die EU-Innenminister mit dem Thema Migration. Dann dürfte sich entscheiden, wie viele EU-Staaten sich dem Verteilmechanismus anschließen, auf den sich Deutschland, Frankreich, Italien und Malta im September geeinigt hatten. Er sieht feste Aufnahmequoten einzelner EU-Staaten für aus Seenot gerettete Migranten vor. Der deutsche Innenminister Horst Seehofer dämpfte jedoch vor Beginn des Treffens die Erwartungen. Er rechne noch nicht mit konkreten Beschlüssen. 

Video ansehen 01:34

Carola Rackete: Flüchtlingshilfe ist kein Verbrechen

lh/ww (dpa, epd, ap)

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