Booker Prize 2020 für ″Shuggie Bain″ von Douglas Stuart | Bücher | DW | 19.11.2020
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Literaturpreis

Booker Prize 2020 für "Shuggie Bain" von Douglas Stuart

Die Presse hatte die Diversität der Nominierten gefeiert. Mit "Shuggie Bain" gewann nun eine Geschichte im Glasgow der 1980er Jahre den Booker Prize 2020.

Der Preisträger zeigte sich von der Ehrung überwältigt. "Damit habe ich nicht gerechnet", sagte Douglas Stuart, der wie die anderen Finalisten von Zuhause aus der Online-Zeremonie in London zugeschaltet war. Douglas Stuart ist erst der zweite Schotte, der mit dem Booker Prize geehrt wird. "Shuggie Bain" ist sein Debütroman. 

In seinem Roman kämpft eine Familie im verarmten Glasgow der 1980er Jahre mit der Alkoholsucht der Mutter und gegen die totale Perspektivlosigkeit. Der Protagonist Shuggie trägt autobiografische Züge des Schriftstellers in sich: Dessen Mutter starb an den Folgen ihrer Abhängigkeit, als Douglas Stuart noch ein Kind war. "Meine Mutter befindet sich auf jeder Seite dieses Buches", sagte der Preisträger, "ohne sie wäre ich nicht hier und ohne sie wäre dieses Buch nicht hier."

Diversität als Normalität

Die Jury-Vorsitzende Margaret Busby ging vor der Verkündung des Preisträgers auf die im Vorfeld viel beachtete Diversität der Finalisten und ihrer Geschichten ein: "Es gibt keinen Grund, das zu kommentieren", sagte Busby, denn Diversität sei inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Sie verwies darauf, dass in der Jury des 1969 gegründeten Booker Prize erst 2015 zum ersten Mal ein schwarzer Juror saß.

Alle Beiträge auf der Short List beschäftigen sich mit den großen Herausforderungen der Gegenwart – vom Klimawandel bis zur Armut. Sie verhandeln Geschlechterfragen ebenso wie Ethnizität, Rassismus, Klassenzugehörigkeit und Homophobie.

Für den zugeschalteten Nobelpreisträger Kazuo Ishiguro, 1989 für "Was vom Tage übrig blieb" mit dem Booker Prize ausgezeichnet, reflektiert die Pandemie was mit diesem Preis gefeiert wird: "Wir sitzen lange allein in einem Raum und schreiben, und dann lesen es Menschen, die allein in einem Raum sitzen."

Wichtigster Literaturpreis Großbritanniens

Der Booker Prize gilt als wichtigste Literaturauszeichnung Großbritanniens. Er ist mit 50.000 Pfund (rund 57.000 Euro) dotiert. Ausgezeichnet werden Autoren, die auf Englisch schreiben und deren Werke in Großbritannien erscheinen. Bis 2019 firmierte die Auszeichnung unter "Man Booker Prize".

Der Preis wird seit 1969 vergeben und war bis 2013 Autoren aus dem britischen Commonwealth und Irland vorbehalten, deren Romane in Großbritannien veröffentlicht wurden. Seit 2014 sind auch Autoren aus anderen englischsprachigen Ländern zugelassen. Neben dem Booker Prize gibt es noch den Booker International Prize. Ausgezeichnet werden damit Romane aus der ganzen Welt, die ins Englische übersetzt wurden.

National Book Award für Roman im Drehbuch-Stil
Der Schriftsteller Charles Yu (Foto: Matt Winkelmeyer/Getty Images)

Charles Yu gewann den National Book Award für "Interior Chinatown".

Bereits einige Stunden vor dem Booker Prize war einer der renommiertesten US-Literaturpreise vergeben worden. Charles Yu erhielt für seinen Roman "Interior Chinatown" über rassistische Stereotype den National Book Award. Der in Form eines Drehbuchs geschriebene Roman begleitet die Hauptfigur Willis Wu, einen aufstrebenden asiatischen Schauspieler in Hollywood, der in kleinen Klischeerollen besetzt wird. Die Preisrichter lobten den Roman dafür, dass er "abwechselnd urkomisch und herzzerreißend" sei und "einen hellen, kühnen, herzzerreißenden Schlag" abgeliefert habe.

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