Bolsonaro fordert Entschuldigung Macrons | Aktuell Welt | DW | 27.08.2019
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Brasilien

Bolsonaro fordert Entschuldigung Macrons

Erst hat Brasiliens Präsident die von den G7 angebotene Soforthilfe für die Löscharbeiten am Amazonas brüsk zurückgewiesen. Jetzt stellt Jair Bolsonaro dem französischen Präsidenten Bedingungen für Gespräche darüber.

Im Falle einer Entschuldigung Emmanuel Macrons für dessen Beleidigungen sei er bereit zu Gesprächen über die von den G7-Staaten zugesagten Amazonas-Hilfen, sagte Brasiliens ultrarechter Präsident Jair Bolsonaro vor Journalisten in Brasília: "Zuerst muss Herr Macron seine gegen meine Person gerichteten Beleidigungen zurücknehmen." Der französische Präsident habe ihn einen "Lügner" genannt und behauptet, die Souveränität Brasiliens über den Amazonas sei "eine offene Frage", klagte Bolsonaro. Diese Worte müssten widerrufen werden, bevor "irgendetwas von Frankreich angenommen" oder miteinander gesprochen werden könne.

Bolsonaros Kabinettschef legt nach

Ein Mitglied der brasilianischen Regierung legte mit einer Verbalattacke gegen den französischen Präsidenten nach. Bolsonaros Kabinettschef Onyx Lorenzoni sagte: "Macron schafft es nicht mal, einen vorhersehbaren Brand in einer Kirche zu verhindern, die Teil des Welterbes ist, und er will uns Lektionen für unser Land erteilen?", sagte Lorenzoni am Montag in Anspielung auf das Feuer in der Pariser Kathedrale Notre-Dame im April. "Brasilien ist eine demokratische und freie Nation und hatte niemals koloniale und imperialistische Verhaltensweisen, wie es vielleicht das Ziel des Franzosen Macron ist."

Der Élysée-Palast wollte die jüngsten Äußerungen aus Brasília nicht kommentieren.

Brasilien Waldbrände (picture-alliance/AP/E. Peres)

Brand in der Nähe von Porto Velho, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Rondônia

Die G7-Staaten hatten Brasilien angesichts der verheerenden Amazonas-Waldbrände 20 Millionen US-Dollar (rund 18 Millionen Euro) an Soforthilfen zugesagt. Damit sollten vor allem Löschflugzeuge finanziert werden, sagte Macron beim Gipfeltreffen der sieben wichtigsten Industrieländer im französischen Biarritz. Die brasilianische Regierung lehnte die Hilfen aber umgehend ab. Das Geld solle vielmehr dazu verwendet werden, die Wälder in Europa wieder aufzuforsten, hieß es.

Bolsonaro hatte Macron in den vergangenen Tagen wiederholt scharf angegriffen, weil der französische Präsident die Amazonas-Waldbrände auf die Tagesordnung des G7-Gipfels gesetzt und die Amazonasregion wegen deren Bedeutung für den globalen Klimaschutz als "Gemeingut" bezeichnet hatte. Bolsonaro warf Macron eine "kolonialistische Mentalität", eine "Instrumentalisierung" der Amazonas-Waldbrände sowie einen "sensationsgierigen Ton" vor. Dabei schreckte er selbst vor einer sexistischen Attacke gegen Macrons Ehefrau Brigitte nicht zurück.

Handelt Brasília nur auf Druck von außen?

Der brasilianische Präsident hatte Ende vergangener Woche den Einsatz von Soldaten zum Kampf gegen die Waldbrände angeordnet. Dies geschah allerdings erst, nachdem Brasilien wegen der Feuer unter starken internationalen Druck geraten war.

Brasilien Waldbrände (AFP/C. de Souza)

Nach dem Feuer - es bleibt verbrannte Erde

Zuvor hatte Bolsonaro das Ausmaß der Brände noch zu relativieren versucht. Er ist eng mit der brasilianischen Agrarlobby verbündet und hält - ähnlich wie US-Präsident Donald Trump - nichts von den Warnungen vor dem menschengemachten Klimawandel.

In dem ökologisch für die ganze Welt wichtigen Gebiet am Amazonas lodern derzeit tausende große Brände. Nach jüngsten Angaben des brasilianischen Forschungsinstituts Inpe gab es in Brasilien seit Jahresbeginn mehr als 80.000 Feuer, davon mehr als die Hälfte im Amazonasbecken.

qu/ww (afp, dpa)

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