Blutiger Anschlag auf Frauenklinik in Kabul | Aktuell Welt | DW | 12.05.2020
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Afghanistan

Blutiger Anschlag auf Frauenklinik in Kabul

Bewaffnete Männer haben auf der Entbindungsstation eines Krankenhauses in der afghanischen Hauptstadt um sich geschossen. Unter den Toten sind auch Neugeborene. Im Osten des Landes ereignete sich ein Selbstmordattentat.

Afghanistan Anschlag auf Krankenhaus in Kabul

Die Klinik im Westen von Kabul wird von der Organisation Ärzte ohne Grenzen unterstützt

Afghanistan ist von zwei schweren Anschlägen erschüttert worden: Bei einem Angriff auf eine Entbindungsklinik in der Hauptstadt Kabul wurden mindestens 14 Menschen getötet, darunter zwei Babys. Unter den Toten seien auch Mütter und Krankenschwestern, sagte ein Sprecher des Innenministeriums.

Fast zeitgleich sprengte sich im Osten des kriegsgeplagten Landes ein Selbstmordattentäter bei einer Beerdigung in die Luft. Bei dem Anschlag in der Provinz Nangarhar wurden mindestens 24 Menschen getötet.

Afghanistan Anschlag auf Klinik von Ärzte ohne Grenzen in Kabul

Mütter, die sich mit ihren Babys in Sicherheit bringen konnten

Nach Angaben des Innenministeriums hatten drei bewaffnete Männer am frühen Morgen das Bartschi-National-Krankenhaus in Kabul gestürmt, das von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen unterstützt wird. Nach einem stundenlangen Feuergefecht wurden die Angreifer von Sicherheitskräften erschossen.  Mindestens 15 Menschen erlitten Verletzungen. Ein Kinderarzt, der aus dem Krankenhaus entkam, sagte der Nachrichtenagentur AFP, er habe am Eingang des Gebäudes eine Explosion gehört. "Das Krankenhaus war voll von Patienten und Ärzten, es herrschte totale Panik", sagte er und bat darum, anonym zu bleiben.

Afghanistan Anschlag auf Klinik von Ärzte ohne Grenzen in Kabul

Nach einem mehrstündigen Einsatz konnten afghanische Sicherheitskräfte die Angreifer erschießen

Das Krankenhaus befindet sich im Westen der Hauptstadt, wo die schiitische Minderheit der Hasara lebt. Die Hasara sind häufiger Zielscheibe von Angriffen sunnitischer Kämpfer, die für die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) kämpfen.

Verletzte Teilnehmer der Begräbnisfeier werden nach dem Anschlag nahe der Stadt Dschalalabad in Sicherheit gebracht (Foto: Reuters/Parwiz)

Verletzte Teilnehmer der Begräbnisfeier werden nach dem Anschlag nahe Dschalalabad in Sicherheit gebracht

Etwa eine Stunde nach dem Angriff in Kabul tötete ein Selbstmordattentäter mindestens 24 Menschen bei einer Beerdigung in der östlichen Provinz Nangarhar. Der Angreifer habe während der Zeremonie mit rund tausend Teilnehmern seinen Sprengstoff gezündet, sagte der Sprecher der Provinz. 68 Menschen seien verletzt worden.

Afghanistans Präsident Aschraf Ghani hat nach den beiden Anschlägen die Wiederaufnahme der militärischen Offensive gegen die Taliban und andere aufständische Gruppen angeordnet. "Ich befehle allen Sicherheitskräften, ihre aktive Verteidigungsposition zu beenden und ihre Operationen gegen den Feind wieder aufzunehmen", sagte Ghani in einer Fernsehansprache.

Die radikal-islamischen Taliban wiesen jede Verantwortung für die Gewaltaten zurück. Tatsächlich gilt die nahe der pakistanischen Grenze gelegene Provinz Nangarhar eher als Einsatzgebiet der Terrormiliz "Islamischer Staat".

uh/qu (afp, ap, dpa)

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Afghanistan: Frauen fürchten die Rückkehr der Taliban (12.05.2020)

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