Bittere Rückkehr für Lukas Hradecky | Sport | DW | 16.12.2018
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Enttäuschender Abend

Bittere Rückkehr für Lukas Hradecky

Beim Gastspiel bei Ex-Klub Eintracht Frankfurt kann Leverkusens Torwart die Niederlage seines neuen Vereins nicht verhindern. Er steht exemplarisch dafür, wie sehr die Werkself den eigenen Ansprüchen hinterherhinkt.

Hat sich Lukas Hradecky während des Spiel wohl gefragt, ob er mit seinem Wechsel zu Bayer 04 Leverkusen im vergangenen Sommer alles richtig gemacht hat? Eigentlich sollte es ein Schritt nach oben auf der Karriereleiter sein, doch das erste direkte Duell mit dem alten Klub zeigte, dass sich Hradecky - zumindest was diese Saison angeht - wohl verzockt hat. Nicht unverdient besiegte die Eintracht Bayer Leverkusen mit 2:1 (1:0). Es war bereits die siebte Saisonniederlage für Hradecky und die Leverkusener.

Hradeckys Rückkehr in die Frankfurter Arena begann mit einem Lacher, denn erstmal lief er in die falsche Richtung. Macht der Gewohnheit: Als er zum Warmmachen auf den Platz trabte, bog der Gästetorwart zum rechten Tor ab, dann aber fiel ihm auf, dass er diesmal ja ein Auswärtsspiel bei der Eintracht hatte und änderte die Richtung. Drei Jahre lang hütete der Finne das Frankfurter Tor - krönender Abschluss war der Pokalsieg gegen die Bayern im Sommer. "Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, es wäre ein Spiel wie jedes andere", hatte Hradecky vorher in einem Interview mit dem Online-Fanzine "SGE4ever" gesagt.

Herzlicher Umgang mit den Ex-Kollegen

Dass er von seinen alten Kumpels nicht geschont wurde, musste Hradecky nach einer guten Viertelstunde erfahren: Nach einer Rückgabe von Jonathan Tah rutschte Ante Rebic dem Ball hinterher und räumte den Bayer-Torwart in dessen Fünfmeterraum rustikal ab. Hradecky lag wie ein Käfer auf dem Rücken, nahm aber es sportlich. Er lachte gemeinsam mit Rebic über die unsanfte Begrüßung und umarmte den bulligen Kroaten freundschaftlich.

Auch in der zweiten Halbzeit gab es eine Szene, die zeigte: Es passt noch zwischen Hradecky und den ehemaligen Kollegen: Nach 75 Minuten stand der Torwart etwas zu weit vor seinem Tor. Eintracht-Verteidiger Carlos Salcedo wagte einen Heber aus weiter Distanz und zwang Hradecky dazu, sich zu strecken, um den Ball noch über die Latte zu lenken. Die Reaktion: ein breites Grinsen auf Hradeckys Gesicht. Er winkte Salcedo zu, der strahlte über beide Backen und winkte zurück.

Ratlos und bescheiden

Bei den Toren der Eintracht war Hradecky dagegen so gut wie ohne Chance. Zweimal kam der letzte Pass so perfekt, dass zunächst Danny Da Costa (28. Minute) und dann Filip Kostic (57.) nur noch einschieben mussten. Kostics Abstauber zum 2:0 hätte der Schlussmann fast noch pariert, doch der Schuss aus kurzer Distanz rutschte ihm durch die "Hosenträger".

Fußball Bundesliga Eintracht Frankfurt - Bayer Leverkusen (picture-alliance/dpa/H. Bratic)

Noch dran, aber nicht entscheidend: Filip Kostic überwindet Lukas Hradecky und macht das 2:0

"Stark, was die geleistet haben. Es ist ein Genuss, ihnen zuzusehen", lobte Hradecky sein ehemaliges Team und seufzte: "Jetzt muss ich mir bis zum nächsten Spiel einige Scherze anhören." Außerdem gab er kleinlaut zu. "Leider hat uns der letzte Druck gefehlt, vielleicht war ein Punkt drin." Vielleicht ein Punkt - diese Aussage zeigt, wie sehr sich bei Bayer 04 zurzeit die Perspektive verschoben hat.

Starke Leistung

Dabei lag es ausdrücklich nicht am Torwart, dass in Frankfurt nicht mehr heraussprang. Gleich mehrfach rettete er für sein Team in höchster Not: Nach 35 Minuten prüfte Willems ihn aus kurzer Distanz. Auch gegen Sebastien Haller war Hradecky kurze Zeit später auf dem Posten. In der Schlussphase verhinderte er mit blitzschneller Reaktion ein Kontertor von Rebic. Insgesamt eine starke Leistung Hradeckys an alter Wirkungsstätte, aber keine, die ihn glücklich machte.

Frankfurt kehrte durch den Sieg wieder in die Erfolgsspur zurück und liegt als Fünfter nur zwei Zähler hinter den Champions-League-Rängen. Die hatte Bayer eigentlich auch als Saisonziel ausgegeben, auch deswegen hatte sich Hradecky entschieden, die Klub-Farben zu wechseln. Doch die Werkself steckt im Niemandsland der Tabelle fest - 18 Punkte, Elfter. Man braucht daher nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass Lukas Hradecky heute wohl viel lieber bei der Eintracht im Tor gestanden hätte.

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