Bischöfe selbstkritisch im Missbrauchsskandal | Aktuell Deutschland | DW | 25.12.2018
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Kirche

Bischöfe selbstkritisch im Missbrauchsskandal

In ihren Weihnachtspredigten haben viele deutsche Bischöfe den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche thematisiert. Im Fokus stand die Schuld der Geistlichen. Auch der Ruf nach Konsequenzen wurde laut.

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker beklagte mit Blick auf den Umgang mit den Missbrauchsfällen einen Vertrauensverlust. Selbst bei der Feier der Christmette könne nicht so getan werden, als ob es die Erfahrungen mit dem Thema nicht gäbe. 

Die Kirche müsse nun lernen, sich zu ihrer Fehlbarkeit zu bekennen, forderte der Würzburger Bischof Franz Jung. "Das heißt für mich nicht, dass man einfach alles über Bord werfen muss, was bisher gegolten hat." Aber die Selbstverständlichkeit, mit der man davon ausgegangen sei, gut zu sein, müsse einer gesunden Skepsis weichen.

Ohne den Missbrauchsskandal direkt zu erwähnen, sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf: "Wir stehen heute vor der erschreckenden Tatsache, dass es eine dunkle Seite dieser Kirche gibt." Dies nehme er als Bischof so deutlich wahr "wie nie zuvor in meinem Leben als Christ und Priester".

Substanz der Kirche bedroht

Der Bischof von Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, sagte, das Ausmaß sexueller Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen gehe "an die Substanz von Glauben und Kirche". Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr äußerte die Hoffnung, "dass Gott auch in dieser Zeit seine Kirche nicht verlässt, in der wir so viel Schreckliches über den Missbrauch an Kindern und Jugendlichen im Raum der Kirche erfahren müssen".

Nach den Worten von Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck geht für die Kirche eine alte Zeit zu Ende. Nach dem "unglaublichen Skandal des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen durch Geistliche" stünden Veränderungen an, sagte er.

Bitte um Vergebung

Der Bischof von Osnabrück, Franz-Josef Bode, sprach in seinem Weihnachtsgottesdienst die vor kurzem bekanntgewordenen Missbrauchsfälle in dem Bistum an. "In diesem Jahr erleben wir die tiefe Finsternis in besonderer Weise", sagte Bode im Osnabrücker Dom. Ein inzwischen 85-jähriger Priester hatte in den 1960er bis 1990er Jahren nach den bisherigen Erkenntnissen mehrere Kinder sexuell missbraucht.

Deutschland Osnabrück 2016 | Bischof Franz-Josef Bode (DW/H.U. Rashid Swapan)

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode bekennt sich zu seiner Verantwortung (Archivbild)

Erneut räumte Bode auch Versäumnisse und Fehler des Bistums ein. Nach seiner Pensionierung sei der Priester sogar zum zeitweiligen Leiter der Pfarrei und zum unterstützenden Priester ernannt worden. Dies habe er als Bischof selbst unterschrieben. "Dessen bin ich mir schmerzhaft bewusst, und ich bitte dafür um Vergebung und Entschuldigung." Das Bistum werde Konsequenzen ziehen, den Dingen an der Seite der Opfer weiter nachgehen und Hilfen suchen.

"Gebälk der Kirche erschüttert"

Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer rief zu einem grundlegenden Umdenken in der katholischen Kirche auf. Die Missbrauchsfälle seien aus seiner Sicht ein Thema, "das so massiv das Gebälk der Kirche erschüttert wie nur selten große historische Ereignisse", meinte er in einem Interview zu Weihnachten auf NDR Info.

 "Ich finde, dass die Situation, die wir in diesen Jahren erleben, dazu führen muss, dass wir sie nicht nur organisatorisch behandeln", betonte Wilmer. Vielmehr müsse ernsthaft gefragt werden, was dies für das Nachdenken über Gott, die Bibel, die christliche Botschaft, die Kirche und ihre Liturgie bedeute. Zugleich sei die Frage nach einer veränderten Struktur zu stellen: "Inwieweit müssen wir uns neu aufstellen, inwieweit brauchen wir eine Gewaltenteilung?"

Im September hatte die Deutsche Bischofskonferenz eine Studie über sexuellen Missbrauch katholischer Kleriker an Kindern und Jugendlichen vorgestellt. Dabei wurden Personalakten zwischen 1946 und 2014 untersucht: Im Ergebnis sollen mindestens 1670 katholische Geistliche 3677 meist männliche Minderjährige missbraucht haben. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. 

gri/rb (kna, epd, dpa)

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