Bildungsbericht: Enorme Investitionen nötig | Aktuell Deutschland | DW | 22.06.2018
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Bildung

Bildungsbericht: Enorme Investitionen nötig

17,1 Millionen Menschen nahmen 2016 in Deutschland an Bildungsangeboten teil - mehr als je zuvor. Für den wachsenden Zulauf müsse an Kitas und Schulen massiv nachgerüstet werden, heißt es im diesjährigen Bildungsbericht.

Symbolbild | Schule Unterricht Schulklasse Schüler (imago/photothek/M. Gottschalk)

Die soziale Herkunft spielt in Deutschland eine große Rolle für den Bildungserfolg (Archivbild)

Wegen steigender Geburtenzahlen und der Zuwanderung nach Deutschland kämen immer mehr Kinder und Jugendliche in die Kitas und Schulen, so die Forscher bei der Vorstellung des Bildungsberichts in Berlin. Auch weil Mütter immer häufiger arbeiten, steigt demnach der Bedarf an Betreuung. So seien von den Drei- bis Sechsjährigen mittlerweile etwa 94 Prozent in Kitas oder anderen Bildungseinrichtungen. Das Fazit der unabhängigen Forschergruppe, die von Bund und Ländern mit dem Bericht beauftragt wurde: Es braucht mehr Investitionen, mehr Personal, mehr Plätze.

Kinder und Jugendliche werden nach Angaben der Fachleute in Deutschlands Kitas und Schulen heutzutage nicht immer optimal gefördert. So verließen 2016 mit sechs Prozent der Schulabgänger wieder mehr Jugendliche als in den Vorjahren die Schule ohne mindestens einen Hauptschulabschluss. In Zukunft würden die heute vorhandenen Probleme noch drängender.

Kluft zwischen Bildungsgewinnern und -verlierern

Besonders gefördert werden müssen demnach etwa Kinder aus zugewanderten Familien - der Anstieg der Schulabgänger ohne Abschluss gehe fast ausschließlich auf diese Gruppe zurück. Geeignete Maßnahmen seien unter anderem mehr Integrations-, Sprach- und Vorbereitungsleistungen.

Der Bericht zeigt insgesamt eine verfestigte Spaltung zwischen Bildungsgewinnern und -verlierern an den oberen und unteren Rändern. Fast jeder zehnte Jugendliche in Stufe 9 verfehlte 2016 den Mindeststandard beim Lesen. Dagegen stieg der Anteil der Schulabsolventen mit Abitur binnen zehn Jahren von 34 auf 43 Prozent 2016.

Ob man zur Gewinner- oder Verliererseite gehört, hängt zudem immer noch stark von der sozialen Herkunft ab. Laut dem Bericht studiert nur knapp ein Viertel der Kinder von Eltern mit einer beruflichen Ausbildung ohne Abitur, bei Akademikerkindern liegt der Anteil bei mehr als drei Vierteln. Trotz vieler Reformprojekte sei es nicht gelungen, "Bildungsungleichheiten entscheidend zu verringern".

Lehrer- und Erziehermangel verschärft sich

Unterschiede wurden auch zwischen den weiterführenden und den Grundschulen festgestellt. So haben die 15-Jährigen in Deutschland im internationalen Vergleich aufgeholt: Ihre Leistungen lägen nicht mehr, wie noch im Jahr 2000, unter OECD-Durchschnitt. Bei den Grundschülern dagegen sei der Abstand zur Spitzengruppe im OECD-Vergleich sogar größer geworden.

Deutschland Vorstellung des Berichts „Bildung in Deutschland 2018“ (picture-alliance/dpa/C. Soeder)

Bildungsministerin Karliczek (3. v. l.) und Wissenschaftler Kai Maaz (2. v. r.) zusammen mit anderen Vertretern bei der Vorstellung des Berichts

Dem Problem des Lehrermangels werde in den Bundesländern auf verschiedene Weise versucht beizukommen. Bei Neueinstellungen schwanke der Anteil der Seiteneinsteiger zwischen 0 bis 35 Prozent, so der Berliner Bildungsforscher Kai Maaz, der Sprecher der Autorengruppe. Viele Stellen müssten auch wegen älter werdender Lehrer absehbar neu besetzt werden. Holter mahnte, allein in Ostdeutschland sei jeder zweite Lehrer älter als 50 Jahre.

In den Kitas konnte der enorm gewachsene Personalbedarf laut dem Bericht bisher größtenteils über neu Ausgebildete gedeckt werden. Bis 2025 entstehe aber auch hier eine Lücke, vor allem, wenn die Kitas in Zukunft grundlegend mehr Bildungs- und Erziehungsaufgaben übernehmen sollen.

Ländliche Regionen bluten aus

Ein Problem liegt dem Bildungsbericht zufolge in großen regionalen Unterschieden: "In einem Teil der ländlichen Regionen gibt es bereits jetzt nicht mehr ausreichend wohnortnahe Bildungsangebote." Das betreffe vor allem Schulen, aber auch Berufsschulen und Hochschulen.

Maaz forderte angesichts der Entwicklungen einen weiteren Ausbau und Umbau des deutschen Bildungssystems. Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke), sprach von einem "Weckruf an die Politik". Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) betonte, dass Bildung in der Verantwortung der gesamten Gesellschaft liege. Viele Akteure seien gefordert.

ie/hf (afp, dpa, kna)

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