Biathlon: Martin Fourcade gewinnt letztes Rennen | Sport | DW | 14.03.2020
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Biathlon

Biathlon: Martin Fourcade gewinnt letztes Rennen

Martin Fourcade verabschiedet sich mit einem Sieg vom Biathlon-Weltcup. Bevor die Saison wegen Corona abgebrochen wird, gewinnt er den Sprint in Kontiolahti schließt damit sine beeindruckende Sportler-Karriere ab.

Fast wäre es kurz nach dem Ende seiner aktiven Karriere doch noch einmal kritisch geworden für Martin Fourcade. Als der Ausnahme-Biathlet nach seinem letzten Rennen, der Verfolgung im finnischen Kontiolahti, von Betreuern und Teamkollegen immer wieder in die Höhe geworfen wurde, misslang einer der Versuche, den Jubilar auch sicher wieder aufzufangen. Fourcade krachte mit dem Rücken in den Schnee. Zum Glück war der Boden weich, die dicke Winterjacke des Franzosen auch - und vielleicht war ja auch noch ein bisschen von dem Adrenalin im Blut, das Fourcades Athletenkörper auf den letzten Karrieremetern ausgeschüttet hatte.

Schließlich hatte Fourcade seinen finalen Wettkampf nicht irgendwie beendet, sondern standesgemäß als Sieger. Mit drei Schießfehlern setzte er sich vor seinen französischen Teamkollegen Quentin Fillon Maillet (2 Strafrunden/+2,9 Sekunden) und Verfolgungs-Weltmeister Emilien Jacquelin (4/+4,5) durch.

Martin Fourcade: "Stolz auf meine Reise"

"Es ist sehr emotional. Ich bin den Tränen nah. Es ist ein Traum wahr geworden, und ich bin stolz auf meine Reise", sagte Fourcade im Interview mit der ARD. Sein Entschluss zum Rücktritt war über eine längere Zeit gereift. "Ich habe seit Beginn der Saison darüber nachgedacht. Aber entschieden habe ich es nach der WM in Antholz, als ich die Goldmedaille mit der Staffel gewonnen hatte. Da wusste ich, dass es der richtige Zeitpunkt war."

Vierter wurde der Norweger Johannes Thingnes Bö, dem diese Platzierung aber reichte, um den Gesamtweltcup zu gewinnen. Die Saison ist damit beendet: Aufgrund der Corona-Pandemie waren die abschließenden Staffel-Rennen in Finnland vom Weltverband IBU abgesagt worden. Das geplante Weltcup-Finale am Holmenkollen in Oslo/Norwegen war bereits am Donnerstag ersatzlos gestrichen worden.

Fourcade hatte am Freitag auf Twitter seinen Abschied angekündigt. "Thank you for the journey! Time to say goodbye!", war dort zu lesen. 24 Stunden später ging der 31-Jährige an dem Ort, wo er vor zehn Jahren den ersten seiner insgesamt 79 Weltcupsiege holte, ein wenig still in die Sportrente, weil das Rennen wegen der Coronakrise ohne Zuschauer stattfand. Fourcade, der Vater zweier Töchter ist, möchte nun in die Sportpolitik wechseln.

Gelbes Trikot als zweite Haut

Sein Name wird auch künftig mit sportlicher Besessenheit, einmaligen Erfolgen und dem Kampf gegen Doping verbunden sein. Neben seinen 79 Weltcupsiegen holte er fünf Goldmedaillen bei Olympischen Spielen. 13-mal war er Weltmeister, und siebenmal gewann er den Gesamt-Weltcup - und das sogar in Serie.

Die Erfolge haben "meine schönsten Träume bei weitem übertroffen", so Fourcade, der schon als Kind schlecht verlieren konnte und Niederlagen hasste. "Wenn ich mal nicht gewonnen habe, dann halt am Tag drauf", sagte Fourcade. Das Gelbe Trikot wurde dank dieses Ehrgeizes zu seiner zweiten Haut, fast schon zur Selbstverständlichkeit.

Norwegen Biathlon IBU World Cupin Oslo (Reuters)

Das gelbe Trikot mit der Nummer eins wurde meist von Martin Fourcade durch die Loipe getragen

Fourcade war außergewöhnlich gut, wirkte aber oft arrogant und provozierte gerne, zum Beispiel, wenn er nach einem letzten Schießen schon mit geballter Faust am Schießstand jubelte oder mit abgeschnallten Ski ins Ziel lief.

Doch davon war zuletzt nichts mehr zu sehen. Nach den Olympischen Spielen 2018, wo er dreimal Gold gewann, ließ er sich zu sehr einspannen, nahm zu viele öffentliche Termine wahr und wurde von allen in Beschlag genommen: als Botschafter für Olympia 2024 in Paris, als Promoter seiner Autobiografie, als Experte für ein Biathlon-Computer-Spiel und Mitgestalter eines Biathlon-Holzgewehrs für Kinder. Dadurch litt die Regeneration. Fourcade stürzte im nachfolgenden Winter ab und hatte mit den vorderen Plätzen meist nichts zu tun.

Doch in dieser Saison kämpfte er sich eindrucksvoll zurück, wurde in Antholz Weltmeister im Einzel und in der Staffel, außerdem Dritter im Sprint. "Ich bin so stolz, dass es mir gelungen ist, meine Zweifel und meine Albträume zu besiegen, wieder zurück zu sein", sagte Fourcade, der sich ausdrücklich bei den Fans für die jahrelange Unterstützung bedankte und einen Wunsch hat: "Ich möchte als guter Mensch in Erinnerung bleiben."

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