Bewohner einer Stadt nahe Fukushima dürfen zurück | Aktuell Asien | DW | 05.09.2015
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Aktuell Asien

Bewohner einer Stadt nahe Fukushima dürfen zurück

Viereinhalb Jahre sind seit der Atomkatastrophe in Fukushima vergangen. Jetzt hat Japans Regierung die Evakuierung der Kleinstadt Naraha aufgehoben.

Mehr als vier Jahre nach der Massenumsiedlung von Bewohnern im Umkreis der havarierten japanischen Atomanlage Fukushima hat die Regierung erstmals eine Evakuierungsanordnung für einen der Orte aufgehoben. Die Ortschaft Naraha ist die erste, in die alle Bewohner dauerhaft zurückkehren dürfen. Damit könnten rund 7400 Menschen, die nach dem Gau am 11. März 2011 fliehen mussten, in die Stadt nahe der Atomruine zurückkehren.

Wiederöffnungszeremonie in der Stadt Naraha (Foto: imago)

Wiederöffnungszeremonie in Naraha

"Der eigentliche Wiederaufbau unserer Stadt beginnt jetzt", sagte der Bürgermeister Yukiei Matsumoto in einer Fernsehansprache. "Lasst uns zusammenarbeiten für die Schaffung eines neuen Naraha." Im Oktober soll eine Klinik wiedereröffnet werden.

Junge Leute haben bereits das Weite gesucht

Die Rückkehr nach Naraha wird als Pilotprojekt für andere Gegenden in der Nähe von Fukushima angesehen. Die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe will bis März 2017 eine Reihe von Evakuierungsanordnungen aufheben. Angesichts verbreiteter Ängste vor einer noch bestehenden radioaktiven Verseuchung besteht die Sorge, dass nicht genügend Bürger zurückkehren könnten, um die Gemeinde wieder aufzubauen. Nur etwa zehn Prozent der ehemals 7368 Einwohner von Naraha werden zurückerwartet. Viele junge Menschen haben an anderen, weit entfernten Orten neue Jobs gefunden. Die Zukunft Narahas ist somit ungewiss.

Zuvor hatte die Regierung bereits ein Ende der Evakuierung für zwei kleinere Gebiete in der Provinz Fukushima aufgehoben. Allerdings ist Naraha die erste Stadt, aus der alle Einwohner geflohen waren. Die Evakuierungsverfügung für sieben weitere Ortschaften, aus denen ebenfalls alle Bürger vor der Strahlung fliehen mussten, bleibt vorerst bestehen.

Kritiker: Immer noch hohe Strahlenwerte

Die Regierung hat in den vergangenen Jahren in einer beispiellosen Aktion versucht, die Region um Fukushima zu dekontaminieren. Der Versuch sei jedoch "gescheitert", so die Umweltschutzorganisation Greenpeace. So sei der 30 Kilometer von Fukushima entfernte Bezirk Iitate noch immer stark radioaktiv verstrahlt, erklärte Greenpeace kürzlich auf Basis eigener Messungen. Eine Rückkehr der Bewohner sei "nicht zu verantworten".

Im Atomkraftwerk von Fukushima war infolge des schweren Erdbebens und Tsunamis am 11. März 2011 das Kühlsystem ausgefallen, woraufhin es in mehreren Reaktoren zur Kernschmelze kam. Drei der sechs Reaktoren wurden bei der Katastrophe zerstört, das Gebiet im Umfeld wurde radioaktiv verseucht. Durch das Erdbeben und den Tsunami kamen rund 18.000 Menschen ums Leben.

chr/qu (dpa, afp)