Benfica Lissabon und der Europapokalfluch | Fußball | DW | 13.05.2014
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Fußball

Benfica Lissabon und der Europapokalfluch

Benfica Lissabon steht in Turin zum zweiten Mal in Folge im Europa-League-Finale. Der portugiesische Rekordmeister kämpft dabei nicht nur gegen den FC Sevilla, sondern auch an gegen einen über 50 Jahre alten Fluch.

Es war eine Sternstunde des europäischen Fußballs: Benfica Lissabon gewann am 2. Mai 1962 in Amsterdam zum zweiten Mal in Folge den Pokal der Landesmeister mit dem denkwürdigen 5:3-Erfolg gegen Real Madrid. Der erst 20-jährige Himmelstürmer Eusebio mit seinen zwei Treffern und Trainerfuchs Béla Guttmann mit seiner Taktik zwangen die Königlichen aus Madrid mit in die Knie, Wenig später wurde Guttmann gefeuert – der gebürtige Ungar soll sich beim Prämienpoker verzockt haben. Tief getroffen und höchst geladen formulierte der Erfolgscoach drastische Abschiedsworte: "In den nächsten 100 Jahren wird Benfica nie wieder einen Europacup gewinnen."

Ob das wirklich seine Worte waren, ist bis heute umstritten, unumstritten indes ist die weitreichende Wirkung des Fluchs: Der portugiesische Rekordmeister gewann seitdem in der Tat kein europäisches Finale mehr, obwohl es immerhin sieben Gelegenheiten dazu gab. Noch in den 60er Jahren verlor Benfica dreimal ein Landesmeister-Finale. 1990 in Wien half es auch nicht, dass abergläubische Benfica-Anhänger die Blumen vom nahegelegenen Grab Guttmanns entfernten - der AC Mailand holte die Trophäe mit 1:0 durch ein Tor von Frank Rijkaard. Bitter schließlich auch die Endspielniederlage von vergangenem Jahr: Da bedeutete das Kopfball-Tor von Branislav Ivanovic in der dritten Nachspielminute das 2:1 und den Europa-League-Gewinn für Chelsea.

"Ich bin nicht abergläubisch"

Guttmanns böser Geist begleitet Benfica damit noch immer. "Ich bin nicht abergläubisch. Nun kommt das zehnte Finale für Benfica. Wir sind dran. Spieler und Trainer leben für einen Moment wie diesen", äußerte Trainer Jorge Jesus vor der Partie gegen den FC Sevilla. "Wir müssen diesem Fluch ein Ende setzen."

Trainer Jorge Jesus am Spielfeldrand (Foto: Valerio Pennicino/Getty Images)

Benfica-Trainer Jorge Jesus will den 100-jährigen Fluch bezwingen

Selbstvertrauen gibt ihm und seinem Team ein weiteres Fußball-Drama, das Halbfinal-Rückspiel bei Juventus Turin: Da rettete Benfica mit neun Spielern nach acht Nachspielminuten ein 0:0 über die Zeit und vermasselte damit dem italienischen Meister das ersehnte Endspiel im eigenen Stadion. Benficas Final-Gegner FC Sevilla, der sich unter anderem gegen den FC Valencia und den FC Porto durchgesetzt hatte, hat sich als Tabellenfünfter einen Spieltag vor Saisonende bereits erneut für die Europa League qualifiziert, wird aber wohl Kapitän Ivan Rakitic verlieren: Der Ex-Schalker steht vor dem Absprung zu Real Madrid.

Und auch Benfica, der mitgliederstärkste Verein der Welt (235.000 Klubangehörige), muss selbst bei einem Titelgewinn am Mittwochabend mit einem schmerzvollen Verlust rechnen: Trainer Jesus wird wahrscheinlich den Verein verlassen. Im Gegensatz zu Guttmann allerdings auf eigenen Wunsch: Der 59-Jährige soll beim AS Monaco die Nachfolge von Claudio Ranieri antreten.

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