Beethovens Fidelio: Eine kurze Geschichte der DW-Erkennungsmelodie | Musik | DW | 03.05.2018
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Musik

Beethovens Fidelio: Eine kurze Geschichte der DW-Erkennungsmelodie

Mit der Gründung der DW vor 65 Jahren fiel die Wahl der Erkennungsmelodie des Senders auf ein Stück aus "Fidelio". In Ludwig van Beethovens Oper geht es um einen Befreiungsakt.

Ein politischer Gefangener wird ausgehungert und fast bis zum Tode gefoltert, weil der Gefängniswärter kompromittierende Enthüllungen von ihm fürchtet. Die Ehefrau des Gefangenen verkleidet sich als Junge und dringt zu ihm in den Kerker vor. Als der Gefängniswärter versucht, den Gefangenen zu erdolchen, wirft sich die Frau dazwischen, zieht eine Pistole und rettet ihren Mann. Just in diesem Augenblick ertönen Trompeten, der Minister kommt an. Es handelt sich um einen Freund des Gefangenen. Das böse Spiel des Gefängniswärters fliegt auf. Der Minister lässt die politischen Gefangenen frei.

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"Es sucht der Bruder..." Ausschnitt aus "Fidelio"

Bei diesem Happy End der Oper "Fidelio" von Ludwig van Beethoven singt Minister Fernando die Zeile "Es sucht der Bruder seine Brüder". Und weiter: "Und kann er helfen, hilft er gern." 

Die Melodie dazu ist alles andere als eingängig, sie ist sogar geradezu sperrig. Dennoch wählte sie die Deutsche Welle zur Erkennungsmelodie, als der deutsche Auslandssender am 3. Mai 1953 auf Sendung ging.

Die Wahl war nicht nur im musikalischen Motiv begründet, sondern lag auch an der Symbolik der Textzeile. Es ging darum, internationale Partnerschaften aufzubauen. Nur acht Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs war das zum Teil keine leichte Aufgabe. "Brüderlich" wollte die neue Bundesrepublik Deutschland und ihr Auslandssender vorgehen: auf Augenhöhe mit Hörern und internationalen Partnern, gleichberechtigt und verbunden mit ihnen, in freundlichem und vertrauensvollem Austausch. 

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Historisches DW-Pausenzeichen, auf Celeste gespielt

Stärker als die Störgeräusche

Viele Jahre lang erklang die Melodie, auf Celeste gespielt, durch die von den für Kurzwelle typischen Störgeräuschen begleitet. Sie tönte dann aus den Lautsprechern des Empfängers - oft in Endlosschleifen bis zur vollen Stunde und den Nachrichten.

Damals war der Sender in Köln beheimatet, und das Beethovenfest fand nur unregelmäßig 30 Kilometer rheinaufwärts in Bonn statt. Der Umzug nach Bonn und die Medienpartnerschaft mit dem neuen, viel größeren Beethovenfest kamen beide erst im neuen Jahrtausend zustande. Dabei schien es nur passend, dass die Deutsche Welle erneut und auf diese Weise mit Beethoven Verbindung aufnahm.

Bearbeitungen und Adaptionen

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Vorspann für die Sendung "Bunte Noten" 2001

Nach der ersten Sendung sollte es ungefähr vier Jahrzehnte dauern, bis der Sender die Melodie wirklich "ausschlachtete". Die DW war inzwischen auf rund 40 Sprachredaktionen angewachsen, und jede suchte sich je nach Gusto ihre eigenen "Jingles" für ihre unterschiedlichen Formate aus, ob Nachrichten, Politik, Wissenschaft, Sport oder Musik. Beim "Ausschlachten" ging es darum, die ursprüngliche Erkennungsmelodie als "Audiodesign" den DW-Sprachredaktionen in verschiedenen Bearbeitungen und Arrangements anzubieten und sie verbindlich für den Sendegebrauch festzulegen.

Ständige Weiterentwicklung

Mitte der 1990er Jahre wurde das neue Jinglepaket vom Schlagzeuger Yogi Tautz und dem Saxofonisten Frank Loef produziert. Dabei ging es um Bearbeitungen der Beethoven-Melodie "Es sucht der Bruder seine Brüder", jedoch auf den Stil der Zeit gebracht. Profis nannten diese neuen Aufnahmen allerdings nur "Funktionstöne".

Ende der 1990er Jahre war der bekannte deutsche Jazztrompeter Manfred Schoof an der Reihe, der als "großer Romantiker unter den Jazz-Avantgardisten" auch als Komponist hervorgetreten ist. Seine Version klingt anders, eben jazziger. 

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DW-Audiodesign-Collage mit Sprachenvielfalt

2002, 2008 und 2012 war es Ulrich Weichler, Inhaber der Firma Audiowerk in Berlin, der die DW-Erkennungsmelodie weiteren Bearbeitungen unterzog. In einem Mix bekommt man einen Eindruck von der Vielfalt der DW-Sprachen.

2010 wurde dem Paket der Preis in der Kategorie "Bestes sender-, programm-, film- bzw. contentbezogenes Audio Design" bei den International Eyes & Ears Awards " in München zuerkannt.

Ab- oder aufsteigend?

Dabei hat sich die DW längst vom Radio- zum Multimedia-Sender entwickelt, und nach und nach wurden für Fernsehen- und Online-Formate die passenden Jingles produziert. Inzwischen sind beim DW-Audiodesign nur noch Bruchteile vom Beethoven-Original zu erkennen, dennoch spürt man immer noch seinen Einfluss.

Am Deutlichsten fällt in der letzten Version von 2012 die Umkehr der letzten drei Töne der Melodie auf. War sie einmal absteigend, was musikalisch-motivisch gesetzt, ruhend und solide wirkte, so ist sie in der letzten Version aufsteigend, was eher anregend und vorwärtsdrängend erscheint.

Neuauflage

2018 läutet eine neue Phase der Audiodesign-Produktion ein. Bald wird entschieden, wer als Komponist den Zuschlag bekommt. Man darf erneut gespannt sein, wie es sich anhören wird, wenn die versteckten Schätze in Beethovens belastbarer Melodie noch einmal zutage gefördert werden und "der Bruder seine Brüder" sucht.

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