Beethoven-Jubiläum 2020: ″Pastorale″ als Signal gegen Umweltzerstörung | Musik | DW | 05.11.2019
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250. Geburtstag Beethoven

Beethoven-Jubiläum 2020: "Pastorale" als Signal gegen Umweltzerstörung

2020 wird Beethoven 250 Jahre alt. In seiner Sinfonie Nr. 6 hat der Komponist sein romantisches Naturverständnis vertont. Jetzt ist die "Pastorale" Ausgangspunkt für ein weltweites Kunstprojekt gegen Umweltzerstörung.

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Künstler für den Klimaschutz

Paul Barton sitzt mitten in der freien Natur und spielt auf seinem Klavier. Seine Zuhörer sind sehr groß und wackeln mit ihren riesigen Ohren. Der Pianist aus Großbritannien spielt in der "Elephants World", einem Naturpark mit frei lebenden Elefanten im Westen Thailands, Musik aus Beethovens 6. Sinfonie vor, auch als "Pastorale" weltweit bekannt. Das ungewöhnliche Konzert ist Teil des weltweiten "Beethoven Pastoral Projects", bei dem Künstler für den Klimaschutz musizieren.

Künstler auf der ganzen Welt spielen aus Anlass des Beethovenjahres ihre Version der "Pastorale", die als Beethovens musikalische Verehrung der Natur gilt. Paul Barton ist einer dieser Künstler. Für den Briten, der seit 1996 in Thailand lebt, hat Beethovens "Pastorale" eine klare Botschaft: "Sie inspiriert uns, die Kraft zu finden, die wir gemeinsam für den Erhalt unseres Planeten benötigen - nicht morgen, sondern jetzt sofort."

Paul Barton spielt Beethoven vor Elefanten (Paul Barton)

Paul Barton spielt vor ungewöhnlichem Publikum in der "Elephants World"

Weltweit engagieren sich Musiker für die Umwelt

Der Konzertpianist ist nicht allein mit seiner Mission. Weltweit setzen sich im Rahmen des "Beethoven Pastoral Project" Musiker und Künstler mit der 6. Sinfonie auseinander: Eine bildende Künstlerin illustriert Beethovens Natur-Sinfonie am Computer. Ein DJ sampelt Motive aus der "Pastorale" und setzt diese zu neuen Tracks zusammen. Ein Tänzer bewegt sich kraftvoll zum vierten Satz, den Beethoven "Donner, Sturm" betitelt hat. Ein Sextett verwandelt das Orchesterwerk in Kammermusik. Ein Jazzklarinettist interpretiert das Stück - zusammen mit Nachtigallen, Zikaden und Buckelwalen. Ein Filmemacher lässt sich für einen Kurzfilm inspirieren. Sie alle sind Teil des "Beethoven Pastoral Project". Was sie eint, ist die Faszination für Beethovens Sinfonie Nr. 6, und der Wunsch, ein Signal zum Erhalt der Natur zu setzen.

Mit Beethoven gegen den Klimawandel

Die Idee für das Projekt ist im Vorfeld des Beethovenjubiläums entstanden. 2020 wäre der große deutsche Komponist 250 Jahre alt geworden. Die Initiatoren - die Beethoven Jubiläums Gesellschaft, das Weltklimasekretariat der Vereinten Nationen und die Umweltbewegung Earth Day Network - wollen mit dem "Beethoven Pastoral Project" Aufmerksamkeit für die Verbindung von Mensch und Natur wecken. Ausgehend von Beethovens Sinfonie Nr. 6 rufen sie Menschen weltweit dazu auf, sich mit den Fragen des Umweltschutzes und den Zielen des Pariser Klimaabkommens auseinanderzusetzen.

Andrea E. Sroka illustriert Beethovens Natur-Symphonie mit grafischen Mitteln am Computer (Andreas E. Skora)

Andrea E. Sroka illustriert die "Pastorale" mit grafischen Mitteln

Malte Boecker hat das Projekt mit entwickelt. Der Chef des Beethoven-Hauses Bonn und künstlerischer Geschäftsführer der eigens für den Beethoven-Geburtstag gegründeten Jubiläums GmbH verfolgt einen Plan, der weit über die Musik hinaus geht: "Menschen weltweit beschäftigt die Frage, wie wir das Zusammenleben von bald neun Milliarden Menschen auf diesem Globus sicherstellen können und das hat soziale und ökologische Folgen."

Was ist so besonders an der "Pastorale"?

Beethoven liebte die Natur. Für den Komponisten war sie Ort der Erholung und Inspirationsquelle zugleich. Schon als Jugendlicher unternahm er von seiner deutschen Geburtsstadt Bonn aus Wanderungen in die Umgebung. Die Sehnsucht nach dem Landleben sollte ihn ein Leben lang begleiten. Auch nach seinem Umzug ins österreichische Wien suchte er stets den Kontakt zur Natur. Im Sommer fuhr er regelmäßig aufs Land, um Ruhe zum Komponieren zu finden – unter anderem die "Pastorale". Die 6. Sinfonie entstand in den Jahren 1807 und 1808. Während der Kompositionsarbeit trug sie zunächst die Namen "Sinfonia characteristica" oder "Sinfonia pastorella". Erst bei Drucklegung ließ Beethoven das Werk "Sinfonie pastorale" überschreiben. "Pastorale" bedeutet "ländlich" oder "dem Landleben zugewandt". In Klammern fügte er den Zusatz hinzu: "Mehr Ausdruck der Empfindung als Malerei".

Ludwig van Beethoven (1770-1827) (picture-alliance/Leemage/L. Ricciarini)

Ludwig van Beethoven, gemalt von Karl Joseph Stieler

Es ging Beethoven also weniger um Naturschilderungen als um die wechselseitige Beziehung zwischen Mensch und Natur. Denn die war schon zu Beethovens Zeiten bestimmt von Umwelterfahrungen. Die Trinkwasserversorgung war Anfang des 19. Jahrhunderts sehr schlecht, was dazu führte, dass man nicht selten lieber Wein oder Bier trank als dreckiges Wasser. Auch die Luft war damals schon verschmutzt. In einem Brief beklagte sich Beethoven über die "schlechtere Luft in der Stadt". Und der Gestank in den Gassen und Kanälen trug damals erheblich dazu bei, dass viele, die es sich leisten konnten, in den Sommermonaten Wien verließen. 

Teilnehmer gesucht für das "Pastoral Project"

Beim "Beethoven Pastoral Project" kann jede und jeder weltweit mitmachen - egal ob Orchester, Ensemble, Solist, Rockmusiker, Jazzer. DJ, Profi oder Amateur. Das wichtigste Ziel ist aber, dass sich die Teilnehmer nicht nur durch ihr Statement auf der Website mitteilen, sondern eben auch durch ein neues Kunstwerk, das sie für das Projekt schaffen. Dabei gibt es keine formalen Grenzen. Musiker können über Motive aus der "Pastorale" improvisieren oder ein neues Musikstück komponieren. Andere Kreative können eine Fotoserie erstellen, einen Film drehen oder einen Tanz einstudieren. Es steht allen Teilnehmern frei, auf welche Art sie sich kreativ mit dem großen Thema Natur auseinandersetzen. Das Wichtigste sei, so die Macher des Projekts, dass sich die Kreativen im Spannungsfeld zwischen Mensch und Natur bewegen und sich von Beethoven inspirieren lassen. Das fertige Werk, das neue Produkt, die zeitgemäße Interpretation sollte dann dokumentiert und auf die Projektseite geladen werden. Ob als Videodatei, Fotoserie, Audioaufnahme oder Grafik – was auch immer. So wird man Teil des "Beethoven Pastoral Project".

Beethoven-Skulptur in Bonn (picture-alliance/imageBROKER/C. Knijff)

Beethoven-Skulptur in Bonn

Teil einer stetig wachsenden "Pastorale"-Gemeinschaft werden

Zwischen dem "Earth Day" am 22. April 2020 und dem Weltumwelttag der UN am 5. Juni 2020 sollen möglichst viele Aufführungen der "Pastorale"-Sinfonie weltweit stattfinden. Und auch die Werke anderer Kunstgattungen im Rahmen des "Beethoven Pastoral Project" - von Foto bis Video, von Malerei bis Grafik - werden in diesem Zeitraum veröffentlicht. Wer dabei sein will, hat nach Auskunft der Organisatoren jetzt noch die Gelegenheit. Informationen und Teilnahmebedingungen finden sich auf den Seiten des "Beethoven Pastoral Project". 

Der erste Schritt ist die Online-Anmeldung mit einem persönlichen Statement. So wird man Teil des stetig wachsenden internationalen Teilnehmernetzwerks. In den Statements machen alle, die mitmachen wollen, deutlich, warum für sie eine nachhaltige Entwicklung und ein größeres Umweltbewusstsein wichtig sind. Mancher Kreative schickt auch eine Botschaft zur eigenen Vision für ein Leben in Harmonie von Mensch und Natur.

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