Bayreuther Festspiele: Die Höhepunkte 2018 | Musik | DW | 24.07.2018
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Festspiele Bayreuth

Bayreuther Festspiele: Die Höhepunkte 2018

2019 wird Superstar Anna Netrebko in Bayreuth singen. Im Vorfeld der Festspiele freut sich das Publikum erst einmal auf eine Neuinszenierung von Wagners "Lohengrin". Das Bühnenbild ist von Neo Rauch und Rosa Loy.

Am Mittwoch geht das alljährliche Ritual wieder los: Auffahrt und Schaulaufen der Prominenz, Fanfaren, dann die Oper. Diesmal wird es "Lohengrin" mit Christian Thielemann am Pult sein, der die Bayreuther Festspiele eröffnet. Yuval Sharon führt Regie, Neo Rauch und seine Ehefrau Rosa Loy schufen Kostüme und Bühnenbild.

Nach drei Akten und zwei Pausen, die jeweils eine Stunde dauern, werden die geladenen Gäste zum Staatsempfang der Bayerischen Staatsregierung strömen. Am 29. August werden die Festspiele mit einer Aufführung von "Die Walküre" zu Ende gehen. In den fünf Wochen dazwischen: 32 Aufführungen, alles Richard Wagner.

Genau so läuft es - mit nur wenigen Ausnahmen - seit den ersten Bayreuther Festspielen im Jahr 1876 ab. Dass ein Komponist seine eigenen Festspiele gründet, gigantische Werke schafft, die seiner Vision entsprechen, sowie ein eigenes Theater für ihre Aufführung entwirft, war damals unerhört und ereignete sich in ähnlicher Weise nie wieder.

Angela Merkel und Ehemann Joachim Sauer bei den Festspielen Bayreuth 2017. (picture alliance/dpa/T. Hase)

Angela Merkel und Ehemann Joachim Sauer bei den Festspielen 2017

Als Premierengäste des Glamour-Events haben sich Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der FDP-Vorsitzende Christian Lindner, die Kulturstaatsministerin Monika Grütters und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder angekündigt. Zu der Politprominenz gesellen sich außerdem Adelige wie Herzog Franz von Bayern oder Fürstin Gloria von Thurn und Taxis.

Wagnerianer unter sich

Bereits am zweiten Tag der Festspiele sind die Promis in der Regel abgereist; dann sind Wagnerianer und Wagner-Neugierige unter sich. Auf dem Spielplan stehen neben "Lohengrin" weitere Opern in bereits bekannten Produktionen: "Parsifal", dirigiert von Semyon Bychkov und inszeniert von Uwe Eric Laufenberg; "Tristan und Isolde" unter der Leitung von Christian Thielemann und unter der Regie von Katharina Wagner; "Die Meistersinger von Nürnberg" mit Dirigent Philippe Jordan und einer Inszenierung von Barrie Kosky; "Der Fliegende Holländer", inszeniert von Jan Philipp Gloger und mit Axel Kober am Dirigentenpult; und schließlich auch "Die Walküre", die zum ersten Mal in der Festspielgeschichte aus dem Vieropern-Zyklus des "Ring des Nibelungen" ausgekoppelt wird. 

Sopranistin Anja Harteros. (picture-alliance/dpa/J. Kalaene)

Anja Harteros singt die Rolle der Elsa

Ein Tag vor Beginn der Festspiele schlug eine Nachricht ein, die für einen Augenblick alles andere überschattete: Die russische Starsopranistin Anna Netrebko wird 2019 für zwei Vorstellungen die Rolle der Elsa in "Lohengrin" übernehmen. 

Auch am Premierentag der diesjährigen Festspiele tritt eine starke Besetzung auf. Dazu gehören Georg Zeppenfeld als König Heinrich, Anja Harteros als Elsa und - in der Rolle der Ortrud - Waltraud Meier. Die deutsche Mezzosopranistin hat in Bayreuth fast legendären Status, war jedoch seit 18 Jahren nicht mehr dabei. Zwei Sänger sind Bayreuth-Debütanten: Tomasz Konieczny als Telramund und Piotr Beczala in der Titelrolle. Sie beide kommen aus Polen.

Die Besetzung mit Beczala kam äußerst kurzfristig zustande: Etwa drei Wochen vor der Premiere gab der vorgesehene Solist Roberto Alagna die Rolle ab. Beczala sagte in der Folge alle anderen Termine ab. "Künstlerisch kann einem nichts Besseres passieren", erklärte er. "Es ist eine Festspiel-Eröffnung und eine Hauptrolle, eigentlich eine Titelrolle in einem Stück, das ich schon mehr oder weniger drauf habe." Eingesprungen ist Beczala auf Drängen des Dirigenten Christian Thielemann, der ihn bereits in Dresden in der Rolle erlebt hatte. "Letztendlich bin ich hier, weil Christian an mich geglaubt hat", erklärt Beczala.

Harmonisches Gesamtkunstwerk

Porträt von Piotr Beczala. (DW/H.C. von Bock)

Als Bayreuth rief, ließ Piotr Beczala alles stehen und liegen

Besonders harmonisch wirkte der Auftritt des Produktionsteams am Vortag der Eröffnung. Christian Thielemann, der nun mit "Lohengrin" alle zehn Festspielopern Richard Wagners in Bayreuth dirigiert hat, ließ sich nach eigener Aussage von Neo Rauchs Bühnenbildern inspirieren. Der deutsche Künstler, der zu den gefragtesten weltweit gehört, zog seine Inspiration wiederum aus der Wagner-Musik: "Seit sechs Jahren ist Lohengrin Dauergast in meinem Atelier", sagte Rauch. "Er hat dort die akustische Lufthoheit errungen. Es hat zu den Bildern geführt, die wir auf der Bühne sehen."

Im Vorfeld verriet Rauch, dass die Szenerie in Blau gehüllt sei. Zu den Bildmotiven gehöre ein altes Kraftwerk und die "Lichtgestalt Lohengrin" trete "in der Montur eines Elektrikers, wie er uns in den 30er Jahren hätte entgegentreten können" auf. Auf die Frage, wie es war, bei den Bayreuther Festspielen vor dem Hintergrund ihrer unrühmlichen Rolle im Dritten Reich zu arbeiten, sagte Rauch: "Es ist ja das erstaunliche, dass sich diese positive Energie auf einem kontaminierten Feld entfaltet. Wir betreiben eine Art Exorzismus wenn man so will."

Porträt von Neo Rauch. (ZDF)

Für Neo Rauch war es das erste Bühnenbild für eine Oper

Vom amerikanischen Regisseur Yuval Sharon ist keine starke politische Aussage, sondern allenfalls leise Gesellschaftskritik und eine Sicht auf "Lohengrin" als Märchen zu erwarten: "Während der Aufführung lassen wir Träume sich entwickeln", sagte Sharon, "aber nicht in eine bestimmte Richtung. Es ist eher ein Schwebezustand, wo man nicht so richtig Realität und Traum auseinander halten kann."

 

Neues im Sinne Richard Wagners

Vervollständigt wird das Festspiel-Programm durch eine "Nibelungen"-Version für Kinder. Die Kinderoper gebe es bereits seit zehn Jahren, betonte Festspielintendantin Katharina Wagner stolz. Außerdem findet erneut der "Diskurs Bayreuth" statt - in diesem Jahr unter dem Motto "Verbote (in) der Kunst".

In Diskussionen und Vorträgen soll es um Zensur, Tabus und Gesinnungsdiktatur gehen - auch um politische Korrektheit - sowie um immanente Gesetze und Grenzen der Kunst und die Frage nach der künstlerischen Freiheit.

Anlässlich ihres 100. Geburtstags (29.03.2018) geht es in einem der Vorträge um Wagners Enkelin Friedelind Wagner, die aus Protest gegen die Verstrickung der Bayreuther Festspiele mit den Nationalsozialisten als einziges Familienmitglied Bayreuth und Deutschland verließ.

Ebenfalls zum Rahmenprogramm gehört - ganz im Sinne Richard Wagners, der stets Neues forderte - die Uraufführung eines neuen Werks. "der verschwundene hochzeiter" des österreichischen Komponisten Klaus Lang basiert auf einer alten Sage und ist der erste Kompositionsauftrag der Bayreuther Festspiele. Die neue Oper wird allerdings nicht im Festspielhaus, sondern in einem alten Stummfilmkino in der Bayreuther Innenstadt gespielt.

In insgesamt 130 Kinos können Wagner-Fans auch dieses Jahr die Premiere im Festpielhaus am 25. Juli verfolgen.

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