Bayern München: Die dünne Personaldecke des Meisters | Sport | DW | 12.08.2019
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Fußball

Bayern München: Die dünne Personaldecke des Meisters

Sie haben das Double gewonnen. Dennoch war die Sommerpause bei Bayern München geprägt von öffentlichen Diskussionen über den Kader. Nach der Niederlage im Supercup sind die kritischen Stimmen nicht leiser geworden.

"Man kann in dieser Situation nicht mehr erwarten", sagte Bayern-München-Trainer Niko Kovac nach der Niederlage im Supercup gegen Borussia Dortmund. "Man hat gesehen, dass wir Probleme haben", erklärte dagegen Bayern-Stürmer Robert Lewandowski nach demselben Spiel.

Eine Woche zuvor hatte sich Kovac noch zufrieden über die Art und Weise geäußert, wie das Team sich vorbereitet habe, während zugleich ein Leistungsträger wie Joshua Kimmich Sorge über die Quantität und Qualität im Kader zu Protokoll gab.

Ist das Team groß genug? Wenn die Bayern in der Champions League gut abschneiden wollen, könnten sie durchaus ein paar Spieler mehr gebrauchen, so der immer lauter werdende Chor der Skeptiker.

"Transfers? Das ist Brazzos Aufgabe", verwies Coach Kovac Mitte Juli auf den Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Schon länger galt da Nationalspieler Leroy Sané als Wunschkandidat, und Kovac zeigte sich sehr zuversichtlich, dass der Wechsel Sanés von Manchester City zu den Bayern klappen würde. Wenige Tage später wurde er für diese offenherzige Erklärung vom Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge gerügt; Kovac gab sich in der Folge einsilbiger, was die Personalien anging.

Doch ein Coach, der Meisterschaft und Pokal gewonnen hat, kann schwerlich mit einer solch schwachen Basis in die Saison starten. Sein wichtigster Verbündeter in dieser Frage, Vereinspräsident Uli Hoeneß, scheint seinen Posten bald zu räumen. Und nun verletzt sich Sané auch noch im englischen Supercup-Spiel zwischen Manchester City und dem FC Liverpool. Und so scheint es, als könnten Borussia Dortmund und möglicherweise auch RB Leipzig die Vorherrschaft der Bayern in der Meisterschaft gefährden.

Die Erwartungen bleiben

Abseits der Spekulationen und Gerüchteküche hat Bayern München erst einmal gute Chancen, den Titel zu verteidigen. Zwar haben die Abgänge ihrer langjährigen Leistungsträger Arjen Robben und Franck Ribery spürbare Lücken in der Offensivabteilung hinterlassen, aber für's Erste tröstet sich der Klub mit den Verpflichtungen von Lucas Hernandez, der sich allerdings gerade von einer langwierigen Verletzung erholt, und Benjamin Pavard darüber hinweg. Die Defensive sieht damit besser aus denn je, zumal man Jerome Boateng wohl offenbar auch noch behalten wird.

Fußball Lucas HERNANDEZ FC Bayern München (picture-alliance/SvenSimon/F. Hoermann)

Neuzugang Lucas Hernandez war nun sechs Monate verletzt

Die Vielseitigkeit der beiden Neuzugänge gibt Kovac eine neue Flexibilität in der Abwehrreihe, die er in der vergangenen Saison nicht hatte. Sollten sich zum Beispiel Kingsley Coman oder Serge Gnabry ernsthaft verletzen, wie das in der Vergangenheit ja durchaus der Fall war, könnte der Trainer leichter von den - letzte Saison ja favorisierten - 4-2-3-1 und 4-3-3 Formationen umsteigen. Denn Kovac hat nun auch zusätzliche Optionen im zentralen Mittelfeld.

Keine Frage: Lewandowski ist weiter die zentrale Figur

Der Mann, den Bayern auf keinen Fall verlieren darf, ist weiterhin Robert Lewandowski. Der polnische Stürmer hat den goldenen Schuh für den erfolgreichsten Torschützen in vier der zurückliegenden sechs Spielzeiten gewonnen. Und zum ersten Mal seit dem Abgang von Sandro Wagner nach China im Januar findet Lewandowski in der Person von Jann Fiete-Arp nur einen ähnlich orientierten Stürmer im Kader vor. Doch der 19-jährige Bayern-Neuling hat die vergangene Saison mit dem Hamburger SV in der 2. Bundesliga verbracht und muss sich seine Chancen auf der Stürmerposition bei Bayern erst noch erarbeiten - auch gegen Lewandowski.

"Sicher, die jungen Spieler auf der Bank haben Potential, das ist richtig. Aber manchmal könnten wir direkte Verstärkung gebrauchen, dass jemand hineinkommt und dem Team hilft", sagt Lewandowski.

Ein guter Saisonstart könnte den Bayern und auch ihrem Trainer etwas mehr Luft zum Atmen verschaffen. Ihr Anfangsprogramm lautet: Schalke, Hertha und Mainz, also sämtlich Mannschaften, die sich in der letzten Spielzeit in der unteren Tabellenhälfte wiederfanden.

Der europäische Standard zählt

Der Rekordmeister hat sich lange auf eine Reihe älterer Spieler verlassen. Aber neben Robben und Ribery hat auch Mats Hummels den Verein verlassen. Boatengs Zukunft ist unklar, die Tor-Ausbeute von Thomas Müller hat sich dramatisch verschlechtert, und Lewandowski sowie Torhüter Manuel Neuer sind beide auch schon jenseits der 30. Fazit: Die Saisonplanung könnte besser sein.

Die Bayern haben seit der Verpflichtung von Niko Kovac ohnehin nur für vier neue Spieler Geld ausgegeben. Zwei von ihnen waren Teenager. Und so muss der kroatische Trainer darauf hoffen, noch einige neue Gesichter auf dem Trainingsgelände an der Säbener Straße vorzufinden - vor allem vor dem Beginn der neuen Champions-League-Saison im September.

Zwar wollen Kovac und die Bayern in der Champions League um den Titel mitspielen, aber sie sind hinter den Spitzenteams aus England und Spanien zurückgefallen.  Wenn die Bayern nicht aufpassen, drohen sie auch in der Allianz Arena ihre Machtposition zu verlieren.

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