Bayern gegen Bremen - ein Duell, das Geschichte schrieb | Sport | DW | 20.11.2020
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Bundesliga-Klassiker

Bayern gegen Bremen - ein Duell, das Geschichte schrieb

Werder Bremen war einst der hartnäckigste Konkurrent von Bayern München in der Bundesliga. Die Teams lieferten sich besondere Duelle mit historischem Wert, ehe die Wege begannen, vollkommen gegensätzlich zu verlaufen.

Die eingefleischten Fans von Werder Bremen dürften immer noch feuchte Augen bekommen, wenn sie daran zurückdenken: Es war der 8. Mai 2004, der Tag, an dem Ailton den Traum einer ganzen Stadt, einer großen Anhängerschaft wahr machte. Der blitzschnelle Brasilianer, der als Torjäger und einzigartige Bundesliga-Figur Kultstatus erlangte, erzielt das 3:0 für die Hanseaten im Münchener Olympiastadion. Nach den Treffern von Ivan Klasnic und Johan Micoud beseitigt der "Kugelblitz", wie die Werder-Fans ihn liebevoll nennen, nach nur 35 Minuten die letzten Zweifel am Bremer Meistertitel. Es ist ein grandioser Triumph für die Hanseaten, die später auch noch mit dem Gewinn des DFB-Pokals das Double holen sollten. Bis heute eine der schlimmsten Demütigungen für den FC Bayern. Denn die Hanseaten setzten sich damit letztmalig in der großen Ära des Duells auch im Titelkampf durch. 

Fußball Bundesliga Ailton Werder Bremen mit Meisterschale und Pokal

28 Bundesliga 2003/04: Werder-Ikone Ailton nach dem Double-Gewinn 2004

Historische Duelle

Diese Zeiten sind lange vorbei. In der Folge bewegten sich beide Klubs geradezu diametral auseinander. Den Bremern gelang zwar noch ein weiterer DFB-Pokalsieg (2009), aber der Trend ging von da an langsam aber stetig abwärts. Die Münchner dagegen haben seit diesem Tag im Mai 2004 zwölf Meisterschaften, neunmal den DFB-Pokal und zweimal die Champions League gewonnen. Bremen war letztmals 2010/11 in der europäischen Königsklasse vertreten. Die Millioneneinnahmen, die es dort zu verdienen gibt, fehlen den den Norddeutschen seitdem. Den Status eines Spitzenspiels hat das Duell zwischen Werder und dem FC Bayern längst verloren. 

Duelle wie das in der Saison 1994/95, als die Bremer schon einmal nach München reisten und mit einem Sieg die Meisterschaft hätten klarmachen können. Doch der Tabellensechste aus München machte den Bremern in einem furiosen Spiel (3:1) einen Strich durch die Rechnung, Borussia Dortmund ging am Ende als Sieger über die Bundesliga-Ziellinie und feierte den Titel.  

Der ominöse Kutzop-Elfmeter

Oder der 33. Spieltag in der Saison 1985/86, in der die Bremer bis zum Aufeinandertreffen mit den Bayern an lediglich zwei Spieltagen nicht an der Tabellenspitze gestanden hatten. Zwei Minuten vor Ende der Partie bekamen die Bremer einen Elfmeter zugesprochen, Michael Kutzop trat an - und traf nur den Pfosten. Sein einziger vergebener Elfmeter - alle anderen 15 Elfmeter konnte Kutzop verwandeln - war vielleicht der wichtigste. Die Partie endete torlos. Am letzten Spieltag zogen die Münchner noch an Bremen vorbei, standen erstmals in der Saison auf Platz eins und feierten die Meisterschaft. 

Fußball Bundesliga Michael Kutzop SV Werder Bremen Elfmeter gegen FC Bayern München

Bayern-Keeper Jean-Marie Pfaff wäre chancenlos gewesen, doch Bremens Michael Kutzop trifft vom Elfmeterpunkt aus nur den Pfosten

Eine Überraschung gelang den Bremern noch in der Saison 2008/09. Werder siegte mit 5:2 in München. Allerdings hatte man von den vorigen 20 Spiele gegen den Rekordmeister keines gewonnen. Es war vielmehr ein sportlicher Ausrutscher der Bayern, der die Erinnerung an die großen alten Zeiten noch einmal aufleuchten ließ, ehe sie mehr und mehr verblassten. Die Bremer waren eine gewisse Zeit der ärgste Gegenspieler der Münchner, so wie es zuvor Borussia Mönchengladbach oder der Hamburger SV gewesen waren und in jüngerer Vergangenheit Borussia Dortmund. Seit einem 0:0, datiert vom 11. September 2010, holten die Bremer in 19 Bundesliga-Partien keinen einzigen Punkt mehr gegen den die Bayern. Selbst gegen den in der Liga übermächtigen Rekordmeister ist das eine Horror-Bilanz. 

Wer traut den Bremern was zu?

Während die Bayern in der abgelaufenen Saison schier unschlagbar schienen, wollten die Bremer eigentlich mal wieder in die internationalen Ränge vordringen. Doch die Realität war wie so oft in den letzten Jahren in Bremen eine völlig andere. Trainer Florian Kohfeldt und sein Team verhinderten erst in der Relegation gegen Heidenheim den Bundesliga-Abstieg. Das ehemalige Top-Duell der Bundesliga hätte es dann zumindest in dieser Saison nicht gegeben, doch an jetzt treffen die ehemaligen Rivalen erneut aufeinander.

Werder hat sich in dieser Saison wieder ein wenig stabilisiert und steht nach sieben Spielen mit zehn Punkten auf Tabellenplatz neun. "Wir reden über die Bayern, wir reden über die Serie. Wer traut uns eigentlich etwas zu?“, fragt der langjährige Werder-Kapitän Clemens Fritz vor der Partie. Allzuviele Optimisten dürfte der Sportliche Leiter der Bremer vor dem Duell der mittlerweile so gegensätzlichen Klubs nicht ausgemacht haben. Dafür sind die großen Zeiten dieses Klassikers schon zu lange vorbei.