Barbie-Puppen: Vom Spielzeug zum Sammlerstück | Kultur | DW | 13.02.2019
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Jubiläum

Barbie-Puppen: Vom Spielzeug zum Sammlerstück

Vor 60 Jahren kam in den USA die erste Barbie-Puppe auf den Markt. Die größte Barbie-Sammlung der Welt befindet sich allerdings in Deutschland. Ein Besuch bei der stolzen Besitzerin von 18.000 Exemplaren.

Ihre erste Barbie-Puppe bekam Bettina Dorfmann als Sechsjährige von ihren Eltern geschenkt. Das war im Jahr 1967. "Damals hatte ich nicht nur eine Barbie-Puppe bekommen, sondern eine Freundin. Wie sich herausgestellt hat - für ein ganzes Leben lang", sagt sie im Gespräch mit der DW. Heute besitzt die Düsseldorferin die größte Barbie-Sammlung der Welt: 18.000 Puppen! Mit ihnen hat sie es sogar ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft.

Wie ein Hobby zum Beruf wurde

Als Kind hatte die Sammlerin schon fast drei Dutzend Barbies beisammen. Doch irgendwann hörte sie auf, sich mit ihnen zu beschäftigen. Sie landeten auf dem Dachboden. Erst als ihre eigene Tochter begann, mit Puppen zu spielen, erinnerte sie sich an die Barbies zurück und kramte sie wieder hervor.

Bettina Dorfmann Barbie-Puppen-Sammlerin aus Düsseldorf (Privat)

Bettina Dorfmann repariert und restauriert Barbie-Puppen

Mitte der 1980er Jahre eröffnete Bettina Dorfmann ein Geschäft für Damenmode. Ihre Barbie-Puppen schmückten das Schaufenster. Weil ihre Kundinnen sich aber mehr für die Puppen als für die Kleidung interessierten, musste der Laden schließen. Und so wanderten ausgesuchte Exemplare zunächst in die Regale im Wohnzimmer. Später kamen die Barbies in einem eigens für sie hergerichteten Zimmer unter. Weitere Puppen stapelte Bettina Dorfmann in Kisten und verstaute sie in der Abstellkammer. 

Eröffnung der "Barbie-Klinik"

In dieser Zeit wurde Bettina Dorfmann unter Sammlern immer bekannter. Doch sie hortete die Barbies nicht nur, sie reparierte sie auch und eröffnete die einzige Barbie-Werkstatt in Deutschland: die "Barbie-Klinik".

Dann begann sie, thematische Ausstellungen zu organisieren, die nicht nur in Deutschland sehr erfolgreich waren. Neun Jahre lang ging sie mit ihren Puppen auf Tour. Sie reiste zweieinhalb Jahre durch China und danach quer durch Europa.

Heute arbeitet sie für das Puppen- und Spielzeugmuseum der Stadt Ratingen und vermietet seltene Barbie-Exemplare für verschiedene Veranstaltungen. Mittlerweile hat sie fünf Bücher und diverse Artikel in Fachzeitschriften über Barbie-Puppen geschrieben. Zudem ist sie als Sachverständige tätig.

Barbie im Wandel der Zeit

Doch am liebsten organisiert Bettina Dorfmann Ausstellungen. Die nächste startet am 23. Februar im Ratinger Museum. "Busy Girl - Barbie macht Karriere" zeigt, wie sich die Puppe im Laufe ihrer 60-jährigen Geschichte gewandelt hat. "Der Kleidungsstil der Puppe hat sich verändert. Sie trägt heute eine Jeans, eine Military-Jacke und ein graues T-Shirt. Sie hat keine traditionellen High Heels, sondern stilvolle weiße Sneakers. Das Bild wird organisch mit einer Brille mit dickem Rand ergänzt", sagt Bettina Dorfmann.

Bettina Dorfmann Barbie-Puppen-Sammlerin aus Düsseldorf (DW/V. Weitz)

Bettina Dorfmann sammelt weiter

Dennoch: Viele Feministinnen kritisieren das Frauenbild, das Barbie-Puppen vermitteln: Sie sei zu dünn, habe zu lange Beine, eine zu schmale Taille und zu große Brüste. Bettina Dorfmann widerspricht. Sie meint, dass Barbie schon immer eine emanzipierte Frau gewesen sei. Sie habe nicht nur die Mode verschiedener Epochen, sondern auch die Träume vieler Kinder verkörpert - als Ärztin, Archäologin, Flugbegleiterin, Pilotin, Astronautin und US-Präsidentschaftskandidatin. "Als im letzten Sommer Umweltorganisationen Alarm schlugen, dass Wildbienen vom Aussterben bedroht seien, erschien sofort eine Imker-Barbie auf dem Markt."

Kostbare Sammlerstücke

Besonders beliebt unter Sammlern sind Barbie-Puppen, die Stars wie Marilyn Monroe, Audrey Hepburn, Twiggy oder Whitney Houston darstellen. Die Firma Mattel hat schon viele unterschiedliche Barbies auf den Markt gebracht, darunter eine Sonderserie mit mehr als 20 Barbies in Trachten verschiedener Länder.

In einigen muslimischen Ländern - zum Beispiel im Iran und in Saudi-Arabien - ist die Barbie-Puppe verboten. Sie verstoße gegen die Traditionen und Regeln des Islams, argumentieren die religösen Führer. Im November 2017 kam in den USA eine Barbie auf den Markt, die einen Hidschab trägt. Vorbild für die Puppe war die amerikanische Säbelfechterin Ibtihaj Muhammad, die muslimischen Glaubens ist und bei allen Wettkämpfen einen Hidschab trägt.

Das Sammeln geht weiter

In diesem Jahr feiert Barbie ihren 60. Geburtstag und die Sammlung von Bettina Dorfmann wird ein Vierteljahrhundert alt. Ihre 18.000 Puppen mit Kleidung und Accessoires werden heute an verschiedenen Orten aufbewahrt. 1500 sind Teil der Ausstellung im Ratinger Puppen- und Spielzeugmuseum. Weitere befinden sich in anderen deutschen und internationalen Museen. Die übrigen bewahrt die Sammlerin, die alle Puppen sorgfältig katalogisiert hat, in ihrem eigenen Haus auf. 

Viele Barbie-Exemplare hat sie doppelt. Eines dient als Ausstellungsobjekt und das andere bleibt im Lager. Bettina Dorfmann besitzt auch seltene Puppen, die für Sammler von besonderem Wert sind. Die ganze Sammlung ist versichert. Wie hoch die Summe ist, will sie nicht verraten. Eines aber ist sicher: Die 58-Jährige wird weiterhin neue Barbie-Modelle kaufen. "Das ist mein Leben."

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