Bahn-Chef Grube warnt vor alten Brücken | Aktuell Deutschland | DW | 23.11.2013
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Aktuell Deutschland

Bahn-Chef Grube warnt vor alten Brücken

Im deutschen Schienennetz drohen Brücken-Sperrungen. Viele der Bauwerke seien veraltet, wenn nicht rechtzeitig saniert werde, könne es massenhaft Verspätungen geben, warnt Bahnchef Grube.

Im Schnitt halte eine Brücke hundert Jahre lang, fast jede dritte der 25.000 Eisenbahnbrücken in Deutschland sei aber älter, sagte Bahnchef Rüdiger Grube der "Wirtschaftswoche". Bei 1400 Brücken bestehe dringender Sanierungsbedarf. Mit der derzeitigen Finanzausstattung sei aber nur die Sanierung von 125 Brücken pro Jahr möglich. "Das Geld reicht nicht. Und die Folgen einer Sperrung wären dramatisch."

Das Szenario durchgespielt

Die Bahn habe das Szenario am Beispiel einer wichtigen Brücke im Frankfurter Hauptbahnhof berechnet und verheerende Folgen für den Bahnverkehr ermittelt, sagte Grube. "Dadurch wäre das gesamte Netz in Deutschland betroffen, weil Züge aus Hamburg, Berlin und Dresden umgeleitet werden müssten. Wir würden auf einen Schlag pro Tag 33.000 Verspätungsminuten ansammeln. Das wären rund 130 Prozent mehr als an einem durchschnittlichen Tag."

Den Sanierungsstau bei der Bahn bezifferte Grube auf inzwischen 30 Milliarden Euro. "Allein ein Drittel unserer 3397 Stellwerke stammt noch aus Kaiserzeiten. Das Durchschnittsalter liegt bei 47 Jahren", sagte der Bahn-Chef. Grube hatte bereits vor einigen Wochen zusätzliche Mittel vom Bund gefordert. Die Bahn brauche 1,2 Milliarden Euro mehr pro Jahr für das bestehende Schienennetz. Derzeit investieren Bund und Bahn rund drei Milliarden Euro ins Netz.

Die Müngstener Brücke, mit 107 Metern Höhe die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands, Foto: dpa

Die Müngstener Brücke: Mit 107 Metern ist sie die höchste Eisenbahnbrücke in Deutschland

Grube nahm auch Stellung zu den aktuellen Geschäftszahlen der Deutschen Bahn. Der Konzern wird demnach sein zuletzt genanntes Gewinnziel von 2,6 Milliarden Euro deutlich verfehlen. "2012 hatten wir ein Spitzenjahr. Das werden wir 2013 nicht erreichen", räumte Grube in der "Wirtschaftswoche" ein. "Beim Umsatz liegen wir zwar auf Vorjahresniveau, aber im Ergebnis zeigen sich Spuren". Zum Jahresende erwarte der Konzern aber immer noch ein Ergebnis von über zwei Milliarden Euro.

Unwetter trüben die Geschäftsbilanz

Das Ergebnis werde besonders durch höhere Personal- und Energiekosten sowie eine schärfere Regulierung belastet. Zudem seien die Folgen der Unwetter dieses Jahres erheblich. Laut Grube lagen die witterungsbedingten Schäden in diesem Jahr ohne Hochwasser bei mehr als hundert Millionen Euro. Dies sei ein "trauriger Rekord". Auch das Elbehochwasser habe durch Infrastrukturschäden und Umsatzausfall einen dreistelligen Millionenbetrag gekostet.

haz/cw (afp, dpa)

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