Bagdad macht Tempo nach Mord an Terror-Experten | Aktuell Nahost | DW | 07.07.2020
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Irak

Bagdad macht Tempo nach Mord an Terror-Experten

Nach dem Mord an einem der bekanntesten irakischen Terror-Experten hat die Regierung eine Ermittlungskommission eingesetzt. Die Täter müssten gefasst werden. Dafür werde man sorgen, versprach Premier Mustafa Al-Kadhimi.

Irak Hisham al-Hashimi Beerdigung (picture-alliance/AP Photo/K. Mohammed)

In Bagdad ist die Trauer über den Tod des Terror-Experten al-Hashimi groß

Unbekannte hatten am Montagabend den auch international anerkannten politischen Analysten Hischam al-Haschimi in der Nähe seiner Wohnung in der Hauptstadt Bagdad erschossen. Der 47 Jahre alte Al-Haschimi galt weltweit als einer der besten Kenner extremistischer Gruppen im Irak.

Nur Stunden nach der Ermordung entließen die Behörden - auf Anordnung von Regierungschef Mustafa Al-Kadhimi - den Polizeichef für den Bagdader Stadtteil Zeyouneh und leiteten eine Untersuchung ein. In Zeyouneh geschah die Gewalttat. Zudem wurde die Ermittlungskommission eingesetzt.

Bekannt in der irakischen Öffentlichkeit

Al-Haschimi hatte sich immer wieder kritisch zu den proiranischen Milizen im Irak, aber auch zur weit verbreiteten Korruption in der irakischen Elite geäußert. Der Analyst war als Berater der irakischen Regierung tätig, vielen Menschen im Irak war er aus dem Fernsehen bekannt, wo er regelmäßig auftrat.

Hisham Alhashimi, ermordeter irakischer Historiker (privat)

Wenn es um terroristische Gefahren ging, war die Analyse von Hisham al-Haschimi stets gefragt

Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. In den irakischen Medien richtet sich der Verdacht vor allem gegen die Iran-treue schiitische Miliz Kataib Hisbollah und die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS).

Kataib Hisbollah hat großen Einfluss

Zellen der IS-Terrormiliz sind im Irak weiter aktiv, ihr Einfluss in Bagdad ist jedoch geschwunden. Kataib Hisbollah gehört zu den stärksten proiranischen Milizen, die im Irak auch großen politischen Einfluss besitzen. Die USA machen Kataib Hisbollah verantwortlich für den Raketenbeschuss auf Einrichtungen und Militärbasen im Irak, die auch von den Vereinigten Staaten genutzt werden. Ende Juni ordnete die irakische Regierung eine Razzia gegen die Miliz an, bei der vorübergehend 14 Mitglieder der Gruppe festgenommen wurden.

Die USA und die irantreuen Milizen ringen im Irak um Einfluss. Teherans Verbündete verlangen einen Abzug aller US-Truppen. Die Spannungen waren eskaliert, nachdem die USA im Januar bei einem Raketenangriff in Bagdad Irans Top-General Ghassem Soleimani und den Anführer von Kataib Hisbollah, Abu Mahdi al-Muhandis, getötet hatten.

haz/sti (dpa, ap)

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