B & B: Zwischen Lichtblick und Scheitern | Aktuell Europa | DW | 11.10.2019
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Brexit-Countdown

B & B: Zwischen Lichtblick und Scheitern

Der Chefverhandler der EU und der britische Brexit-Minister loten auf den letzten Metern noch aus, was geht. Viel war das zumindest bei diesem Gespräch in Brüssel nicht - aber das Signal ist: "Wir bleiben in Kontakt."

Brüssel britische Brexit-Sekretär Barclay mit EU-Chefunterhändler Barnier (AFP/F. Seco)

Halt, noch nicht weggehen ...

"Konstruktiv": Sobald Diplomaten dieses Wort hören, wissen sie, wie eine Begegnung verlaufen ist - nämlich: im Sande. "Konstruktiv", sagt denn auch der Brexit-Chefverhandler der Europäischen Union, sei die Begegnung mit seinem Gegenüber aus London gewesen. Der Franzose Michel Barnier und Großbritanniens Brexit-Minister Stephen Barclay hatten sich in Brüssel zu neuen Beratungen über den geplanten Ausstieg des Königreichs aus der EU getroffen.

Brüssel britische Brexit-Sekretär Barclay mit EU-Chefunterhändler Barnier (AFP/F. Seco)

... wir (Michel Barnier, rechts, und Stephen Barclay) müssen noch in die Kameras lächeln ...

Wer würde schon nach so einer Begegnung gern sagen, es sei nichts dabei herumgekommen? Genau hierfür besitzt die Diplomatensprache das wichtige Wort "konstruktiv". Wer in die Gesichter beider Politiker schaut, als sie vor die Journalisten treten, wird auch die mimische Entsprechung dafür finden. Denn Spitzenpolitiker müssen unbedingt die Kunst des skalierten Lächelns beherrschen - je nachdem, welches Signal sie an die Öffentlichkeit senden wollen: euphorisch, begeistert, erfreut, freundlich, gerade noch höflich oder pflichtgemäß-verbissen.

Brüssel britische Brexit-Sekretär Barclay mit EU-Chefunterhändler Barnier (Reuters/F.Seco)

... was offenbar ein wenig schwerfällt ...

Und so lächeln Barnier und Barclay noch vor ihrem Treffen: nicht euphorisch, doch immerhin erfreut, dann freundlich bis höflich und schließlich mit gewisser Muskelanstrengung. Die Journalisten haben also für jeden erwartbaren Ausgang des Gesprächs das richtige Bild im Kasten. Das höfliche, "konstruktive" Bild wird jetzt am ehesten gebraucht.

Tusks Ultimatum

EU-Ratspräsident Donald Tusk übernimmt derweil die Rolle des energischen Mahners. Er erinnert daran, dass die Uhr tickt, und fordert von Großbritannien im Brexit-Streit ultimativ einen tragbaren Kompromissvorschlag. Wenn im Tagesverlauf keine praktikable Lösung aus London komme, werde er noch an diesem Freitag erklären, dass eine Einigung beim EU-Gipfel in der nächsten Woche praktisch unmöglich sei, sagt Tusk bei einem Besuch in Nikosia. Dies habe er dem britischen Premierminister Boris Johnson mitgeteilt.

Brüssel britische Brexit-Sekretär Barclay mit EU-Chefunterhändler Barnier (Reuters/F. Seco)

... aber zwischendurch doch ziemlich freundlich wirkt

Aber hatte es nicht noch am Donnerstag Lichtblicke gegeben? Tusk relativiert: Zwar habe er vom irischen Ministerpräsidenten Leo Varadkar nach dessen Treffen mit Johnson am Donnerstag Signale erhalten - Signale, wonach eine Einigung auf einen Ausstiegsvertrag noch möglich sei. Allerdings gebe es "keine Erfolgsgarantie" - und die Zeit sei praktisch abgelaufen. Dem wird niemand widersprechen wollen. "Aber auch die geringste Chance muss genutzt werden", so Tusk. Gut, dass wir darüber geredet haben. Konstruktiv.

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