Autobombenanschläge im Nordirak | Aktuell Nahost | DW | 29.09.2013
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Aktuell Nahost

Autobombenanschläge im Nordirak

Jahrelang war es im Norden Iraks verhältnismäßig friedlich. Nun erschüttert eine Anschlagsserie die kurdische Autonomieregion. Kurz zuvor waren die Ergebnisse der Parlamentswahlen bekannt gegeben worden.

Nach Polizeiangaben explodierten mehrere Autobomben vor Gebäuden der Sicherheitsbehörden in Erbil, der Hauptstadt der kurdischen Autonomieregion. Mindestens sechs Menschen kamen demnach ums Leben, 40 weitere wurden verletzt. Die Opfer sollen kurdische Sicherheitskräfte sein.

Der genaue Ablauf des Attentats ist ebenso wenig bekannt wie die Identität der Attentäter. Das irakische Fernsehen zeigte Bilder von mindestens zwei Autowracks, in denen offensichtlich Bomben versteckt waren. Auf der Internetseite der regionalen Regierung wurden Augenzeugen zitiert, die berichteten, die fünf Attentäter seien getötet worden, bevor sie sich selbst hatten anzünden können.

Bisher war es ruhig

Im Kurdengebiet war es seit dem Sturz von Machthaber Saddam Hussein im Jahr 2003 vergleichsweise friedlich. Eine der wohl heftigsten Terrorattacken gab es dort im Februar 2004. Damals rissen zwei Selbstmordattentäter in den Hauptquartieren der Kurden-Parteien KDP und PUK in Erbil 117 Menschen mit in den Tod.

Zwischen den Kurden und der Zentralregierung in Bagdad gibt immer wieder Konflikte - wegen kurdischer Gebietsansprüche sowie der Förderung von Öl und Gas in umstrittenen Regionen.

Eine kurdische Sicherheitskraft inspiziert die Reste, die auf dem Boden liegen (Foto: REUTERS)

Sicherheitskräfte suchen nach Spuren

Ergebnisse der Parlamentswahl

Die Terrorserie ereignete sich gut eine Woche nach der Parlamentswahl und kurz nachdem die offiziellen Ergebnisse der Abstimmung verkündet wurden. Demnach ging die Partei von Autonomiepräsident Massud Barsani als klarer Sieger aus der Abstimmung hervor. Die Kurdische Demokratische Partei (KDP) erhielt mit Abstand die meisten Stimmen, wie die oberste Wahlkommission mitteilte. Zweitstärkste politische Kraft wurde erstmals die Gorran-Partei, die den Kampf gegen Korruption zum Wahlkampfthema gemacht hatte. Eine bittere Niederlage musste die Patriotische Union Kurdistans (PUK) hinnehmen, die bislang gemeinsam mit der KDP regiert hat.

Der ehemalige kurdische Regierungschef Barham Salih (PUK) bedauerte im Kurznachrichtendienst Twitter die "schmerzlichen Verluste" für seine Partei. Nach Salihs Angaben kommt die KDP im 111-köpfigen Parlament nun auf 38 Sitze, die Gorran-Partei auf 24 und die PUK auf 17 Mandate. Auch zwei islamistische Parteien konnten Sitze erringen.

Autonomer Norden

Seit 1991 ist der kurdische Norden des Iraks weitgehend autonom. Nach dem Sturz von Saddam Hussein 2003 wurde offiziell der Zusammenschluss der drei Nordprovinzen zum Autonomiegebiet "Kurdistan des Iraks" erklärt. Die kurdische Regierung hat ihren Sitz in der Stadt Erbil.

Zweiter Anschlag: 24 Tote

Ein weiterer Anschlag ereignete sich im Süden der irakischen Hauptstadt Bagdad. Ein Selbstmordattentäter sprengte sich während einer Trauerfeier in Mussajib rund 50 Kilometer südlich der Hauptstadt Bagdad in die Luft. Er tötete nach Angaben von Polizei und Ärzten mindestens 25 Menschen, 27 weitere wurden verletzt.

nem/kle (dpa, rtr, afp, afpe)

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