Autobauer mit heftigen Einbrüchen - und etwas Hoffnung | Wirtschaft | DW | 29.04.2020
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Volkswagen und Daimler

Autobauer mit heftigen Einbrüchen - und etwas Hoffnung

Lange standen die Bänder still, Lieferketten waren unterbrochen, Autohäuser geschlossen. Die Quartalszahlen der Autokonzerne Volkswagen und Daimler zeigen, wie stark die Corona-Krise die Bilanzen belastet.

Der weltgrößte Autobauer Volkswagen hat zwischen Januar und Ende März 2020 weltweit zwei Millionen Fahrzeuge ausgeliefert, das ist rund ein Viertel weniger als im Vorjahreszeitraum. Im März lag das Minus sogar bei 38 Prozent, so dass nur noch 623.000 Fahrzeuge einen Abnehmer fanden.

Der Nettogewinn brach im ersten Quartal um 86 Prozent auf 405 Millionen Euro ein. Der Umsatz sank um 8,3 Prozent auf 55,1 Milliarden Euro.

"Die weltweite Covid-19-Pandemie hat unser Geschäft im ersten Quartal erheblich beeinträchtigt", sagte Finanzvorstand Frank Witter. Der Konzern erlebe eine "beispiellose Krise".

Die Konzerntochter Audi schrammt nur knapp an den roten Zahlen vorbei: Das operative Ergebnis (also vor Zinsen und Steuern) fiel auf nur noch 15 Millionen Euro, nach 1,1 Milliarden Euro im Vorjahresquartal.

Bei der Hauptmarke VW halbierte sich das Ergebnis im operativen Geschäft auf 481 Millionen Euro, bei Porsche lag es mit 529 Millionen Euro um ein Drittel niedriger als im Vorjahreszeitraum.

Die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge fiel konzernübergreifend um ein Viertel auf rund zwei Millionen Wagen, nur die Luxusmarke Bentley konnte leicht zulegen.

Immerhin: Kein Verlust

Auch im Gesamtjahr 2020 werde der Konzern deutlich weniger Autos verkaufen als 2019 und deshalb auch deutlich weniger Geld verdienen, teilte der Konzern mit. Doch Volkswagen traut sich zu, das Jahr mit einem operativen Gewinn abzuschließen. Damit wagt Volkswagen als einer der wenigen in der Branche eine konkrete Prognose für 2020.

"Wir haben zahlreiche Gegenmaßnahmen ergriffen, um die Kosten zu senken sowie die Liquidität zu sichern und sind finanziell weiter robust aufgestellt", erklärte Finanzchef Witter und fügte hinzu: "Der Volkswagen-Konzern steuert fokussiert und entschlossen durch diese beispiellose Krise."

Auch Frank Schwope, Analyst der Nord-LB, erwartet für da Gesamtjahr noch "deutlich schwarze Zahlen". Gewinne wie im Vorjahr werde Volkswagen "allerdings frühestens wieder 2022 erreichen".

Rückgang auf bei Daimer

Auch der Stuttgarter Autobauer Daimler gab am Mittwoch Quartalszahlen bekannt. Bis Ende März lieferte der Konzern 644.300 Fahrzeuge aus (Pkw und Lkw), das waren 17 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Der Umsatz sank leicht um sechs Prozent auf 37,2 Milliarden Euro, doch davon blieb kaum etwas übrig. Der Gewinn lag bei 168 Millionen Euro, ein Rückgang von 92 Prozent.

Daimler-Chef Ola Källenius war immerhin froh, keinen Verlust eingefahren zu haben. Man habe sich sehr schnell bemüht, die Liquidität zu sichern und die Kosten zu reduzieren. "Daimler hat daher das erste Quartal mit einem positiven Ergebnis und einer robusten Liquidität abgeschlossen."

Der Konzern investieren weiterhin in Elektromobilität und Digitalisierung, sagte der Daimler-Chef. "Diese Schlüsseltechnologien für die Zukunft stehen nicht zur Disposition."

Produktion beginnt wieder

Volkswagen, Daimler und andere Autobauer haben nach knapp sechswöchiger Zwangspause damit begonnen, ihre Werke wieder zu starten. Bevor die Produktion wieder rund läuft, dürften aber noch einige Wochen vergehen. Denn bisher ist nicht absehbar, wann wieder so viele Autos verkauft werden, dass die Produktion ausgelastet werden kann.

Analyst Schwope von der Nord-LB rechnet für das laufende Jahr mit einem weltweiten Rückgang von Autoproduktion und -absatz um zehn bis 20 Prozent.

Die großen deutschen Autobauer VW, BMW und Daimler hoffen daher auf staatliche Kaufanreize nicht nur für Elektroautos.

bea/hb (dpa, rtr, Nord-LB, Unternehmenszahlen)

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema