Auto-Experte Schwope: ″Kann Elon Musk auch Geld verdienen?″ | Wirtschaft | DW | 13.11.2019
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Automobilindustrie

Auto-Experte Schwope: "Kann Elon Musk auch Geld verdienen?"

Der US-amerikanische E-Auto-Hersteller Tesla will ein Werk in Deutschland errichten - ausgerechnet im Hochlohnland Deutschland. Frank Schwope, Analyst und Autoexperte, zeigt sich im DW-Interview verhalten skeptisch.

DW: Herr Schwope , wie beurteilen Sie die Pläne von Tesla, eine neue Fabrik in Brandenburg zu bauen?

Frank Schwope: Das ist für die Region Berlin-Brandenburg natürlich ein absoluter Glückstreffer. Bis zu 10.000 Jobs entstehen - auch durch Zulieferer. Das ist eine wichtige Entscheidung, man produziert ja bisher eigentlich nur in Nordamerika. Es gibt eine neue Fabrik, die gegen Ende des Jahres die Produktion in China aufnehmen wird. Und als dritter Kontinent Europa mit Deutschland - das hat sich im letzten Monat schon angedeutet. Wobei man eher an Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen gedacht hätte. Ich glaube auch, dass das keine haltlosen Versprechen sind, wie es das in der Vergangenheit häufig gegeben hat, sondern dass in den nächsten zwei bis vier Jahren wirklich eine Fabrik entstehen wird.

Und was bedeutet das aus Ihrer Sicht für Tesla selbst? Sie waren ja immer skeptisch wegen des Börsenwertes von Tesla.

Ich bin durchaus skeptisch Tesla gegenüber, auch was die Börsenbewertung betrifft. Elon Musk hat noch nicht nachgewiesen, dass er mit seinen Autos auch Geld verdienen kann. Er hat viel Geld - und nicht nur sein eigenes Geld - in die Hand genommen und hat viel Geld verbrannt. Er ist auf Jahressicht noch nicht profitabel und wird auch dieses Jahr wahrscheinlich Verluste schreiben. Er kann den Turnaround schaffen, wenn es in China in den nächsten Jahren deutliche Steigerungen gibt, wenn die Produktion dort funktioniert und zu keinen extrem hohen Zusatzkosten führt.

Frank Schwope (NordLB)

Frank Schwope: "Elon Musk kann Geld verbrennen - dass er es auch verdienen kann, das hat er noch nicht bewiesen.

Und er muss ja sukzessive die Produktion steigern. Dafür ist das neue Werk in Deutschland geplant mit der Produktion von 100.000 bis 300.000 Fahrzeugen pro Jahr. Das Modell 3 ist ein sogenanntes Volumenmodell, von dem deutlich mehr verkauft werden als von größeren Modellen. Dafür hat er nicht genug Produktionskapazitäten, sondern er muss neue bauen. Zum einen in China, zum anderen in Europa - ganz einfach, um die Nachfrage zu bedienen.

Verschieben sich denn jetzt die Kräfte hier in Deutschland? Ist der Platzhirsch VW ernsthaft in Gefahr?

VW ist noch kein Massenhersteller bei E-Autos. Volkswagen beginnt ja erst nächstes Jahr mit der Produktion eines Elektroautos, von dem wahrscheinlich zunächst 100.000 Stück Jahr gebaut werden - dann erst wird sukzessive die Produktion hochgefahren. Das sind keine direkten Konkurrenten. VW verlangt ab 30.000 Euro für das E-Auto in der Grundversion, das dürfte in den nächsten Jahren noch deutlich günstiger werden. Tesla ist weniger ein VW-Konkurrent, als ein Konkurrent von Mercedes, Audi oder BMW. Dort wird man sich sicherlich ein hartes Duell liefern.

Aber ich würde mal sagen: Konkurrenz belebt das Geschäft. Wenn sie in einer Straße eine Kneipe haben, ist das langweilig. Wenn sie aber drei oder vier Kneipen haben, kommen deutlich mehr Leute - auch in die einzelne Kneipe. Das ist auch für die deutschen Ingenieure und für die deutschen Premiumhersteller insgesamt eine interessante Geschichte und natürlich auch für den Standort Deutschland an sich.

China Teslas Riesenfabrik in Shanghai (picture-alliance/dpa/Imaginechina/Ji Haixin)

Die "Gigafactory" in Shanghai: Teslas Riesenfabrik in China soll nun ein Pendant in Deutschland bekommen.

Herr Musk hätte ja eigentlich auch in jedes andere europäische Land gehen können, oder?

Er hätte natürlich in Rumänien billiger produzieren können oder in einem anderen Land in Osteuropa. Deutschland ist natürlich einer der teuersten Produktionsstandorte in Europa. Aber ich denke, er hat das bewusst gemacht. Er hat den Standort Deutschland gewählt, um seinen "Premium"-Anspruch stärker auszudrücken. Und möglicherweise auch, um den einen oder anderen Ingenieur von den deutschen Premiumherstellern leichter abwerben zu können. 

Es ist auch ein Symbol, das zeigt, dass man, wenn man das richtige Produkt im Angebot hat, auch im Automobilbereich durchaus noch Werke in Deutschland eröffnen kann. Wobei ich einschränkend sagen muss, was ich vorhin schon gesagt habe: Elon Musk hat noch nicht gezeigt, dass er Geld verdienen kann Er kann Geld verbrennen - dass er es auch verdienen kann, das hat er noch nicht bewiesen.

Frank Schwope ist Automobil-Experte und Analyst bei der NordLB.

Die Fragen stellte Klaus Ulrich

Video ansehen 02:19

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