Auswärtiges Amt verschärft Reisehinweise für die Türkei | Aktuell Europa | DW | 09.03.2019
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Türkei

Auswärtiges Amt verschärft Reisehinweise für die Türkei

Das Auswärtige Amt hat die Reisehinweise für die Türkei verschärft und deutsche Besucher vor Verhaftungen gewarnt. Außenminister Maas geißelte derweil die Einschränkungen der Pressefreiheit am Bosporus.

Für die Türkei gelten ab sofort verschärfte Reisehinweise. Dies bestätigte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes gegenüber der DW. "Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die türkische Regierung weitere Maßnahmen gegen Vertreter deutscher Medien sowie zivilgesellschaftlicher Einrichtungen ergreift", heißt es jetzt in den Reisehinweisen. "Äußerungen, die nach deutschem Rechtsverständnis von der Meinungsfreiheit gedeckt sind, können in der Türkei zu berufsbeschränkenden Maßnahmen und Strafverfahren führen", wird gewarnt. "Es ist weiterhin von einem erhöhten Festnahmerisiko auszugehen."

"Unsere Reise- und Sicherheitshinweise werden fortlaufend überprüft, um gegebenenfalls aktuelle Entwicklungen aufnehmen zu können", so die Sprecherin. In den Reise- und Sicherheitshinweisen wird jetzt darauf verwiesen, dass mehreren europäischen, darunter deutschen Journalisten, die Akkreditierung in der Türkei ohne Angabe von Gründen verweigert wurde.

Der deutsche Jouranlist Deniz Yücel war ein Jahr lang ohne Anklageschrift inhaftiert (Getty Images/AFP/O. Kose)

Der deutsche Jouranlist Deniz Yücel war ein Jahr lang ohne Anklageschrift inhaftiert

Zudem seien in den letzten beiden Jahren vermehrt auch deutsche Staatsangehörige willkürlich inhaftiert worden. Grund sei teilweise der Verdacht auf Kontakte zu der in der Türkei als terroristisch eingestuften Gülen-Organisation. Das Auswärtige Amt verweist aber auch auf Aussagen des türkischen Innenministers, dass Urlauber festgenommen werden könnten, die im Ausland an Versammlungen von in der Türkei verbotenen Organisationen teilgenommen haben.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bei einer Kundgebung

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bei einer Kundgebung

In den Reisehinweisen wird weiterhin betont, dass die Türkei ein beliebtes Reiseziel sei, "das Touristen grundsätzlich herzlich und offen empfängt". Zugleich warnt das Auswärtige Amt aber davor, dass deutsche Staatsangehörige schon wegen regierungskritischer Stellungnahmen in sozialen Medien festgenommen worden seien. Dabei reiche schon das Teilen oder "Liken" eines fremden Beitrags. "Es muss davon ausgegangen werden, dass auch nichtöffentliche Kommentare in sozialen Medien etwa durch anonyme Denunziation an die türkischen Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet werden." 

Betroffen sein könnten etwa deutsche Staatsangehörige mit engen privaten und persönlichen Bindungen in die Türkei sowie Personen, die neben der deutschen auch die türkische Staatsangehörigkeit besitzen, warnt das Auswärtige Amt.

Außenminister Heiko Maas rügte derweil die Entscheidung der türkischen Behörden, mehreren deutschen Korrespondenten keine neuen Akkreditierungen auszustellen. Es sei nicht akzeptabel, wenn deutsche und europäische Korrespondenten ihrer Arbeit in dem Land nicht frei nachgehen könnten, sagte er dem "Tagesspiegel am Sonntag". "Wenn Journalisten an der Arbeit gehindert werden, ist das mit unserem Verständnis von Pressefreiheit nicht vereinbar." 

Die Bundesregierung werde weiter dafür eintreten, dass Journalisten in der Türkei ohne Beschränkungen arbeiten können. Das wisse auch sein türkischer Kollege Mevlüt Cavusoglu. Aus Regierungskreisen berichtete das Blatt überdies, Deutschland betrachte es als Affront, dass mehrere deutsche Journalisten faktisch außer Landes gezwungen werden. Man werde die Angelegenheit nicht auf sich beruhen lassen, sondern immer wieder zur Sprache bringen. Die Pressekarten ausländischer Korrespondenten laufen jedes Jahr Ende Dezember ab und müssen dann neu beantragt werden. Mehrere Journalistenorganisationen hatten das Vorgehen der türkischen Behörden kritisiert. 

stu/cgn (rtr, dpa, DW)
 

Die Redaktion empfiehlt