Ausschreitungen im Flüchtlingslager auf Lesbos | Aktuell Europa | DW | 04.09.2019
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Griechenland

Ausschreitungen im Flüchtlingslager auf Lesbos

Das völlig überfüllte Migrantenlager von Moria macht wieder von sich reden: Die Polizei setzte Tränengas ein, als einige Migranten Steine auf Polizisten und Mitarbeiter schleuderten. Die EU-Kommission will sich kümmern.

Griechenland | Flüchtlingscamp Moria (Getty Images/AFP/A. Tzortzinis)

Das Flüchtlingscamp Moria

Es waren gewalttätige Proteste gegen die Polizei: Wie die Polizei mitteilte, setzten die Beamten Tränengas ein, als einige Migranten Steine auf Polizisten und Mitarbeiter des Registrierzentrums schleuderten. Informationen über schwere Verletzungen lagen zunächst nicht vor. Die Lage habe sich anschließend beruhigt, teilte die Polizei weiter mit.

Die Ausschreitungen hatten begonnen, als rund 50 Minderjährige lautstark forderten, dass sie aufs griechische Festland gebracht werden. Im Registrierlager von Moria mit einer Aufnahmekapazität für 3000 Menschen sind zurzeit mehr als 9000 Migranten. Auch alle anderen Lager auf den Inseln Chis, Samos, Leros und Kos sind restlos überfüllt.

EU-Kommission ist besorgt 

Auch die EU-Kommission ist besorgt über die steigende Zahl ankommender Migranten und Flüchtlinge auf den griechischen Inseln. "Das hat natürlich nur dazu beigetragen, ein bereits belastetes System zusätzlich unter Druck zu setzen", sagte die Sprecherin der EU-Kommission, Natasha Bertaud, in Brüssel. EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos sei in Kontakt mit griechischen und türkischen Vertretern. Zusammen mit den griechischen Behörden werde daran gearbeitet, die Situation auf den Inseln zu verbessern.

Griechenland Proteste auf Lesbos (picture-alliance/dpa/P. Giannakouris)

"SOS Moria - Lösung jetzt!" - bereits im Mai 2018 protestierten Bewohner Lesbos' gegen die Zustände im Lager

Zuletzt wurden 1500 Migranten und Flüchtlinge von der griechischen Insel Lesbos aufs Festland gebracht, darunter überwiegend Minderjährige, Frauen, Familien und kranke Menschen. In den Lagern auf den Inseln sind derzeit insgesamt etwa 25.000 Menschen untergebracht, die zumeist aus der nahen Türkei übergesetzt sind. Vergangene Woche waren 1000 Flüchtlinge und Migranten auf der Insel Lesbos angekommen. Durchschnittlich kommen laut UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR derzeit 250 Menschen pro Tag auf allen vier ägäischen Inseln an.

Im Frühjahr 2016 war das sogenannte EU-Türkei-Abkommen ins Leben gerufen worden. Die EU unterstützt syrische Flüchtlinge in der Türkei mit mehreren Milliarden Euro, im Gegenzug muss die Türkei Flüchtlinge von den griechischen Inseln zurücknehmen. Dem UNHCR zufolge sind in diesem Rahmen etwa 1900 Flüchtlinge zurück in die Türkei geschickt worden. Darunter 38 Syrer deren Asylantrag abgelehnt wurde.

nob/qu (dpa, kna, ap)

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