Ausländische IS-Kämpfer sollen die Türkei verlassen | Aktuell Welt | DW | 08.11.2019
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Abschiebung

Ausländische IS-Kämpfer sollen die Türkei verlassen

Schon länger droht die Türkei damit, ausländische IS-Anhänger aus türkischen Gefängnissen zurück in ihre Heimatländer zu schicken. Nun will Ankara offenbar ernst machen.

Syrien, verschleierte Frauen (Getty Images/D. Souleiman)

Vor der türkischen Offensive wurden viele IS-Anhänger in Lagern in Nordsyrien festgehalten (Archivbild)

Die Türkei will am Montag mit der Rückführung ausländischer Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in ihre Heimatländer beginnen. Das kündigte Innenminister Süleyman Soylu laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu an. Der Minister machte zunächst keine Angaben dazu, in welche Länder die IS-Kämpfer zurückgeführt werden sollen oder auf welche Weise. Nach Angaben des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogans sitzen derzeit 1149 Anhänger des IS in türkischen Gefängnissen. Davon seien 737 ausländische Staatsbürger.

Der Kommunikationsdirektor Erdogans, Fahrettin Altun, hatte der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten" Anfang der Woche gesagt, die Türkei wolle auch 20 deutsche IS-Anhänger abschieben. Soylu hatte europäischen Verbündeten der Türkei wie Großbritannien oder den Niederlanden in der Vergangenheit vorgeworfen, sich aus der Verantwortung zu ziehen, indem sie IS-Kämpfern die Staatsangehörigkeit entzögen und sich weigerten, diese zurückzunehmen. "Wir sind kein Hotel für jedermanns Daesh-Mitglieder" hatte der türkische Innenminister gesagt. Mit "Daesh" benutzte er eine arabische Bezeichnung für den IS.

Mehrere europäische Staaten haben es bisher abgelehnt, IS-Anhänger zurückzuholen. Die Türkei hatte am 9. Oktober eine Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG begonnen, die sie als Terrororganisation betrachtet. Während der türkischen Militäroffensive wurden nach Angaben von Soylu 287 IS-Anhänger festgenommen, darunter Frauen und Kinder. In Nordsyrien haben sich die Türkei und Russland als Schutzmacht des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad inzwischen darauf geeinigt, den zuvor zwischen Kurden und Türken umkämpften Grenzstreifen gemeinsam zu kontrollieren. Die von der YPG geführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) haben sich nach russischen Angaben zurückgezogen. 

lh/qu (dpa, afp)

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