Aus Trinidad nach Bremen: Flüsterasphalt von Ungewitter | Wirtschaft | DW | 10.04.2020
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Unternehmen

Aus Trinidad nach Bremen: Flüsterasphalt von Ungewitter

Die größten Naturasphalt-Vorkommen liegen in der ehemals britischen Kolonie Trinidad. Das Bremer Unternehmen Ungewitter importiert den Rohstoff seit über 100 Jahren von der Karibik-Insel und verarbeitet ihn weiter.

Das holzvertäfelte Büro von Andreas Knöbig versprüht den Charme der frühen 1970er Jahre. Vor dem Fenster liegt eine gepflasterte Fläche. Nachschub ist gerade eingetroffen. 150 Fässer, umhüllt mit einer hellbraunen Hartfaserummantelung und gefüllt mit jeweils 250 Kilogramm Naturasphalt. Andreas Knöbig ist Geschäftsführer der Carl Ungewitter Trinidad Lake Asphalt GmbH mit Sitz im Bremer Industriehafen. Er leitet das Familienunternehmen in fünfter Generation.

6000 bis 7000 Tonnen importiert das Bremer Unternehmen pro Jahr. Der Naturasphalt wird zu einem Granulat heruntergebrochen und dem sogenannten technischen Asphalt zugegeben. In Asphaltmischwerken werden Gesteinsstoffe und Bitumen miteinander vermengt; das hierbei verwendete Bitumen fällt in den Erdöl-Raffinerien in großen Mengen an. Beim  Naturasphalt aus dem Trinidader See zieht sich dieser Mischvorgang über mehrere zehntausend Jahre hin. Der Naturasphalt, erklärt Knöbig, wird in Asphaltmischwerken in kleinen Mengen dem technischen Asphalt beigemengt. "Naturasphalt bessert den Asphalt qualitativ auf und verbessert seine Haltbarkeit."

Verpackt in Fässern kommt der Rohstoff in Bremen an

Verpackt in Fässern kommt der Rohstoff in Bremen an

10 Millionen Tonnen Naturasphalt liegen im See

Geschäftsführer Andreas Knöbig kennt den See, aus dem Rohstoff kommt, den er hier in Deutschland verarbeitet, aus eigener Anschauung. Trinidad hat er mehrfach besucht. "Die Seeoberfläche, wenn man darüber läuft, fühlt sich an wie die  gummierten Flächen auf Kinderspielplätzen. Es federt leicht, es ist relativ warm und es ist kurzfristig mit Planierraupen und Bulldozern befahrbar." Der See ist über die Jahre ein wenig gesunken. Allerdings nicht so viel, wie man aufgrund der Abbaumenge vermuten möchte, bekräftigt der Geschäftsführer. Der Rohstoff drückt von unten nach. Auf 10 Millionen Tonnen schätzt man das Vorkommen. Der See hat einen Durchmesser von 900 Metern und ist - hier gibt es nur Vermutungen - 90 Meter tief.

In Reih und Glied: Der ausgepackte Naturasphalt liegt auf dem Werkshof

In Reih und Glied: Der "ausgepackte" Naturasphalt liegt auf dem Werkshof

Die Fässer aus Trinidad werden entschält und liegen in Reih und Glied auf dem Außengelände im Bremer Industriehafen. Der Naturasphalt ist trocken und hart und versprüht den typischen Geruch einer Straßenbaustelle. Andreas Knöbig geht hinüber zu einer klobigen, kastenförmigen Apparatur mit einem hellgrauen Schlund. Staub wirbelt auf; der Arbeiter, der den Brecher bedient, trägt Handschuhe, Kopf- und Atemschutz. Hinter dem Brecher fällt der zerkleinerte Naturasphalt auf ein Förderband, das ins Innere der 4000 Quadratmeter großen Halle führt. Hier wird er in einem Sieb- und Mahlturm auf eine Größe von maximal 10 Millimeter zerkleinert. "Nachdem das Granulat in Säcke abgefüllt wurde, werden sie automatisch gestapelt und auf der Palette mit Schrumpffolie verpresst."

Werden beim Abbau soziale und ökologische Kriterien erfüllt?

Eine Palette wiegt eine Tonne. Andreas Knöbig verkauft sie für rund 1000 Euro. Der Umsatz seines Unternehmens liegt bei sieben bis acht Millionen Euro. Den Preis, zu dem er den unbearbeiteten Naturasphalt aus Trinidad bezieht, behält er dagegen für sich. Nur so viel: "Trinidad ist für uns ein Monopollieferant und wir müssen die Preise akzeptieren, wie sie uns diktiert werden." Andererseits profitieren Unternehmen aus den Industriestaaten bei der Weiterverarbeitung von Rohstoffen, die sie aus Schwellen- und Entwicklungsländern beziehen. Soziale Standards und ökologische Auflagen sollten vor Ort eingehalten werden. All das sei auf Trinidad gewährleistet, betont Andreas Knöbig. "Wir haben uns einmal um Abbaurechte beworben am See und hätten im Gegenzug Kindergärten, Sportstätten und sogar ein kleines Krankenhaus für die Mitarbeiter vorhalten müssen."

Weiterverarbeitung des Rohstoffs im sogenannten Brecher

Weiterverarbeitung des Rohstoffs im sogenannten Brecher

Auch ein Entsorgungskonzept für die Vegetationsreste, die beim Reinigen des Naturasphalt herausgesiebt und gefiltert werden, sollte die Firma aus Deutschland vorlegen. Das heimische Unternehmen, das den Naturasphalt abbaut, müsse dieselben Anforderungen erfüllen, sagt Andreas Knöbig. Und: "Wir selbst haben auch schon mal 15 Laptops an die örtliche Schule gespendet."

Zu den Kunden der Bremer Carl Ungewitter Trinidad Lake Asphalt GmbH zählen Asphaltmischwerke in erster Linie in Deutschland und Europa. Ab und zu geht auch eine Lieferung nach Afrika oder Brasilien. In den Mischwerken wird dem Asphalt ein bis eineinhalb Prozent Naturasphalt beigemengt. Den Unterschied zu herkömmlichen Asphaltsorten würde der Autofahrer so gut wie nicht bemerken, sagt Andreas Knöbig, mit Sicherheit aber die lärmgeplagten Anwohner. Der mit Naturasphalt aufbereitete Straßenbelag ist leiser und hält länger selbst auf hochbelasteten Straßen wie Autobahnen und Bundesstraßen.

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