Aufwind für die Buchbranche: Frankfurter Buchmesse setzt auf Menschenrechte | Kultur | DW | 09.10.2018
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Frankfurter Buchmesse

Aufwind für die Buchbranche: Frankfurter Buchmesse setzt auf Menschenrechte

Bücher tragen zur öffentlichen Meinungsbildung bei - trotz aller digitalen Medien. Die Frankfurter Buchmesse will deshalb in diesem Jahr die Menschenrechte in den Mittelpunkt rücken.

Das Jahr 2018 sei eines der Zäsur für die deutsche Buchbranche, sagte Heinrich Riethmüller, Vorstand des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Es herrsche Aufbruchstimmung. Die traditionellen Buchhandlungen mögen immer weniger Kunden verzeichnen, aber eine umfassende Studie habe gezeigt, dass die Sehnsucht nach dem Buch ungebrochen vorhanden sei. 

Auf der Suche nach dem Leser

Die Branche arbeite in allen Bereichen daran, "das Buch wieder stärker zu den Leserinnen und Lesern zu bringen, mehr Kontaktpunkte und Orientierung zu bieten". Events und neue Zugänge: man arbeite in der ganzen Branche intensiv daran, neue Wege zu finden, abgewanderte Leser zurückzuholen - und die beständigen treuen Leser zu halten.

Buchmesse Frankfurt (picture-alliance/dpa/S.Stein)

Letzte Vorbereitung an den Verlagsständen

Bücher seien schließlich noch immer ein zentrales Medium der Meinungsbildung, so Riethmüller. Die Buchbranche ist mit weitem Abstand die größte Kreativbranche - vom Umsatz her gesehen sogar größer als die Film, Musik und Games-Branche zusammen. 

Die Auftaktpressekonferenz der Frankfurter Buchmesse kurz vor der feierlichen Eröffnung ist auch 2018 schon ein Event für sich. Die Veranstalter - die Buchmesse als Kind des Börsenvereins des deutschen Buchhandels - haben sich in diesem Jahr mit einem neuen Ort beschenkt: ein freistehender Pavillon, der in Zukunft jedes Jahr eigens für die Buchmesse wieder aufgebaut werden soll. 

"Die Geschichten von Frauen müssen gehört werden!"

Die im attraktiven eiförmigen "Frankfurt Pavilion" anwesenden Journalisten freuten sich über einen ganz besonderen Gast. Die nigerianische-US-amerikanische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie macht auf der Messe Station, auf ihrem Weg nach London, wo sie den PEN Pinter Prize entgegennehmen wird. 

Buchmesse Frankfurt (picture-alliance/dpa/A.Dedert)

Stargast in Frankfurt: Autorin Chimanda Ngozi Adichie aus Nigeria

Die Ikone des Feminismus nutzte ihre knappe Zeit für einen Beitrag zur aktuellen Bewegung, um die Stellung von Frauen in der Gesellschaft zu stärken: "Women are speaking up" - Frauen meldeten sich zu Wort, aber das sei längst nicht genug. Sie würden noch immer nicht in der Öffentlichkeit gehört.

Männer müssten endlich zur Kenntnis nehmen, was Frauen schreiben. "Ihre Geschichten werden immer noch nicht angehört. Es ist an der Zeit, dass Männer Werke von Frauen lesen." Literatur sei immer politisch, so Chimamanda Ngozi Adichie weiter. Man dürfe da vor klaren Positionierungen nicht zurückschrecken. Die Zeiten erforderten Mut und couragiertes Erzählen. 

"On the same page": Kampagne für die Menschenrechte

Menschenrechte und Meinungsfreiheit sind seit Jahren zentrale Themen der Buchmesse. "Die Buchmesse ist ein Ort der Freiheit, wo Menschen aus aller Welt zusammenkommen, um ihre Stimme zu erheben: ein Ort gegenseitigen Respekts", sagte Buchmesse-Chef Juergen Boos.

Buchmesse Frankfurt (picture-alliance/dpa/A.Dedert)

Große Vielfalt: Bücher sind Lesefutter für Wissensdurstige

Den 70. Geburtstag der UN-Menschenrechtscharta will die gleichaltrige Frankfurter Buchmesse mit einer Kampagne für Menschenrechte würdigen. "On the same page", auf einer Seite stünden sie, die beteiligten Fernsehsender ZDF und Arte, Amnesty International und die UN.

Und natürlich auch die Buchbranche: "Buchhandlungen und Verlage sehen sich in der Verantwortung, eine Gesellschaft, die auf Menschenrechten basiert, mitzugestalten. Die Buchbranche will einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen einer freien, demokratischen Gesellschaft leisten", formuliert es Riethmüller.

Die Türkei ist dabei, wie in den vergangenen beiden Jahren, wieder im Zentrum der kulturpolitischen Diskussionen. Auf der Messe erwartet werden die Autoren Deniz Yücel, Asli Erdogan und viele andere türkische Schriftsteller. 

Wachsende Ausstellerzahl

Die weltgrößte Bücherschau beginnt am Mittwoch (10.10.2018) und dauert bis zum kommenden Sonntag. Gastland ist 2018 Georgien, das mit Verlagen, Autoren und Lesungen auf der Messe für das Literaturland wirbt. Im vergangenen Jahr haben fast 300.000 Menschen die Buchmesse in Frankfurt besucht.

Detail des Gastlandauftritts Georgiens Buchmesse Frankfurt am Main (DW/U. Sommer)

Gastland in diesem Jahr: Georgien

Die Buchverkäufe sind im Vergleich zum Vorjahr zwar leicht rückläufig, und die Frankfurter Messe ist auch nicht mehr Branchenführerin im Lizenzhandel, aber die Zahl der Aussteller sei trotzdem gewachsen: 7500 Aussteller aus 110 Ländern seien dabei, sagte Buchmesse-Direktor Juergen Boos.

Das Wachstum ist vor allem Teilnehmern und Verlagen aus dem Ausland zu verdanken, unter anderem sind 34 Aussteller aus 19 afrikanischen Ländern dabei - ein besonderer Schwerpunkt in diesem Jahr.

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