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"Aufschwung auf dem Prüfstand"

7. Juni 2018

Erwartet hatten Volkswirte ein Plus - stattdessen das vierte Minus in Folge: Die deutsche Industrie sammelt Monat für Monat weniger Aufträge ein. Schwach vor allem die Nachfrage aus Euro-Zone und Deutschland.

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Bild: picture alliance/blickwinkel/S. Ziese

Jetzt ist die Rede schon von der längsten Auftragsflaute für die deutsche Industrie seit der weltweiten Finanzkrise 2008. So jedenfalls die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag in ihrem Bericht über die jüngsten Zahlen aus dem Statistischen Bundesamt. Die Zahl der neuen Aufträge sei im Vergleich zum Vormonat um 2,5 Prozent gesunken, teilte das Amt in Wiesbaden mit.

Im März war die Zahl der neuen Aufträge in den Industriebetrieben außerdem stärker zurückgegangen als bisher gedacht. Das Bundesamt revidierte den Rückgang auf 1,1 Prozent von zuvor 0,9. Damit sind die Ordereingänge in den Industriebetrieben der größten europäischen Volkswirtschaft seit Beginn des Jahres durchgehend gefallen.

Von Reuters befragte Ökonomen hatten ein Wachstum von 0,8 Prozent erwartet. "Inwieweit hierbei Verunsicherungen insbesondere aus dem außenwirtschaftlichen Umfeld eine Rolle spielen, ist schwer einzuschätzen", kommentierte das Bundeswirtschaftsministerium die jüngsten Zahlen. Gemeint sind damit offenbar der Handelskonflikt mit den USA, die Verunsicherung durch den näher rückenden EU-Austritt Großbritanniens und weltweit zunehmende Handelshürden.

"Ein schlechtes Zeichen"

Es fällt auf, dass sich im April vor allem die Nachfrage aus dem Inland deutlich schwächer entwickelte. Hier lag der Auftragsrückgang im Monatsvergleich bei 4,8 Prozent. Bei der Auslandsnachfrage verringerten sich die Aufträge aus der Eurozone um 9,9 Prozent, während sich die Auftragseingänge aus dem restlichen Ausland um 5,4 Prozent erhöhten.

Als "Riesenenttäuschung" sieht Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe das Ergebnis. Allerdings gelte "für den Moment, dass der Auftragsbestand noch hoch ist und der Industrie vorerst Rückenwind gibt". Sophia Krietenbrink vom Branchenverband DIHK findet hingegen, der erneute Rückgang sei ein schlechtes Zeichen: "Der Aufschwung steht merklich auf dem Prüfstand."

ar/hb (rtr, dpa)