Aufklärung über die Aufklärung | Sprachbar | DW | 06.11.2013
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Sprachbar

Aufklärung über die Aufklärung

Wer als Aufklärer etwas aufklärt, beleuchtet und leistet Aufklärungsarbeit. Irgendwann sieht er dann klar und kann etwas klar machen. Diejenigen, die aufgeklärt sind, brauchen keine Aufklärung mehr. Alln’s klor?

Geheime Konten, unterschlagene Gelder oder Vetternwirtschaft? Skandale und politische Affären bestimmen immer mal wieder die Schlagzeilen. Wie schön, dass es da selbstlose Menschen gibt, die rückhaltlose Unterstützung bei dem Versuch zusagen, Licht ins Dunkel zu bringen, die alles ans Tageslicht befördern, was da noch im Verborgenen liegt, die wahre Aufklärungsarbeit leisten. Aufklärung heißt das Zauberwort – und wir wollen es ein wenig beleuchten.

Bedeutungsvielfalt

Eine Mutter hält ein Baby im Arm und sitzt mit ihm vor einem Spielzeugstorch

Noch ein bisschen zu jung für eine Aufklärung!

Es ist ein Wort mit vielen Bedeutungen. Die Aufklärung bezeichnet eine geistes- und kulturgeschichtliche Epoche, ist aber auch ein militärischer Fachausdruck. Manche Eltern machte der Begriff früher nervös und trieb ihnen die Schamröte ins Gesicht. Warum? Aufklärung hieß die ungeliebte Pflicht, den heranwachsenden Mädchen und Jungen beibringen zu müssen, dass es nicht der Storch war, der sie ins Haus gebracht hatte, sondern dass sie auf anderem Wege entstanden sind.

Zu einer Art „Aufklärer der Nation“ wurde in den 1960er Jahren Oswalt Kolle. Durch zahlreiche Bücher und Filme trug er wesentlich zur sexuellen Aufklärung in Deutschland bei. Ihm war daran gelegen, die Einstellung gegenüber der körperlichen Liebe zu ändern, ohne dabei pornografisch zu sein. Kolle wollte – im übertragenen Sinn – Licht in die bundesdeutschen Schlafzimmer bringen.

Wer aufklärt, bringt Licht in etwas

Eine Mädchen sitzt mit erhobenem Zeigefinger vor einem Globus und erkl#ärt ihrer Mutter etwas

Wer etwas erklärt bekommt, ist dann aufgeklärt

„Licht in etwas bringen“ ist die bildhafte Grundbedeutung all dessen, was Aufklärung bedeutet. Jemanden aufklären heißt „etwas klar machen“, „erhellen“, „erklären“. Das kann etwas Unangenehmes oder Unerfreuliches sein, zum Beispiel ein Fehler, den man gemacht hat. Oder jemand klärt eine andere Person darüber auf, dass sie belogen wird.

Wer aufklärt, kann aber jemandem auch etwas Kompliziertes erklären. „Ich kläre dich auf“ kann soviel heißen wie: „Ich erkläre dir jetzt, wie eine Sache läuft, wie sie richtig oder falsch ist“. Und derjenige, der dann– in welcher Form auch immer – aufgeklärt ist, sollte dann klar sehen, es verstanden haben.

Lateinischer Ursprung

Ein wolkenloser Himmel, von dem die Sonne hell scheint

Ein klarer Himmel, kein Wölkchen da!

Obwohl unser Stichwort längst fest im deutschen Wortschatz verankert ist und ihm nichts Fremdsprachliches mehr anhaftet, ist seine Herkunft lateinisch. Clarus heißt im Lateinischen hell. Clarescere und clarare sind die beiden Verben, die unserem aufklären entsprechen.

Auch das Adjektiv klar ist auf das lateinische clarus zurückzuführen. Im Wetterbericht heißt es oft „nachts aufklarend“ oder „nachts klar bei Temperaturen um den Gefrierpunkt“. Will heißen, keine Wolken verdüstern den nächtlichen Himmel. Und aufklaren beziehungsweise aufklären stand im Mittelhochdeutschen für „klar werden“, „aufhellen“. Über die Seemannssprache wurde es im Lauf der Zeit in die allgemeine Sprache übernommen – nicht nur als Wetterausdruck sondern auch im übertragenen Sinn.

Aufklärer in verschiedenen Bereichen

Eine Mini-Drohne fliegt durch die Luft

Ein moderner Aufklärung ohne Besatzung: eine Aufklärungsdrohne

Klar, also selbstverständlich, dürfte nun sein, was ein Aufklärer ist. Im militärischen Bereich dient die Aufklärung dazu, den Feind aufzuspüren. Aufklärungsschiffe bei der Marine, Aufklärungsflugzeuge bei der Luftwaffe, Aufklärungstrupps bei den Landstreitkräften haben die Aufgabe, die Position des Gegners ausfindig zu machen.

Der Sammelbegriff „Aufklärer“ oder „Aufklärung“ hat aber keineswegs nur die bisher genannten Bedeutungen. Im Jahre 1781 wurde von der Berliner Akademie die Preisfrage gestellt: „Was ist Aufklärung?“ Der Philosoph Immanuel Kant beantwortete sie folgendermaßen: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“

Das Zeitalter der Aufklärung

Ein Kupferstich von Immanuel Kant

Die Ideen der Aufklärer – wie Immanuel Kant – veränderten die Welt

Statt „Ausgang“ könnte man hier auch „Befreiung“ sagen. Will heißen: Jeder Mensch ist – so die Ansicht der Aufklärer – eigentlich ein Wesen, das von der Vernunft bestimmt ist. Und deshalb kann jeder selbst darüber entscheiden, was wahr und was falsch ist. Er muss es sich nicht von einer anderen Person sagen lassen, da er in mündiges, selbstbestimmtes Wesen ist. In letzter Konsequenz kann das dazu führen, dass sich ein Mensch dann selbst zum Beispiel von Despoten oder vom Aberglauben befreien kann.

Diese Gedanken waren so mächtig, dass sie einem europäischen Zeitalter den Namen gaben: der Aufklärung. Das 18. Jahrhundert war von den Gedanken der Aufklärung geprägt. In England hieß diese Epoche „The Enlightenment“ – das Wort „light“ für „Licht“ steckt in diesem Begriff, in Frankreich „Siècle des Lumières“, das Zeitalter des Lichts und der Erleuchtung.

Einfach nur die Wahrheit sagen

Nun, diejenigen, die sich genötigt sehen, über Herkunft und Verbleib von ein paar Millionen Euro Rechenschaft abzulegen, oder über fälschlich erworbene Doktortitel, oder über Verwandte, denen Posten verschafft wurden: Sie alle brauchen den Begriff Aufklärung nicht zu bemühen. Sie brauchen noch nicht einmal aufzuklären. Sie müssen nur die Wahrheit sagen. Alln's klor?




Fragen zum Text

Ein Aufklärer kann nicht sein …
1. jemand, der um Aufklärung bemüht ist.
2. ein Verkehrsmittel des Militärs.
3. eine Wettererscheinung.

Wer aufklärt, …
1. kann jemandem etwas erklären.
2. unternimmt alles, um etwas zu verbergen.
3. will etwas erleuchten.

Die plattdeutsche Redewendung Alln's klor bedeutet hier …
1. „Alles verstanden?“
2. „Erklären Sie es?“
3. „Durchschaut?“


Arbeitsauftrag
Lest in eurer Lerngruppe die ersten beiden Absätze von Immanuel Kants „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ Hier ist der Link: http://bit.ly/2ufglb. Versucht, die einzelnen Sätze in heutiger Sprache zu formulieren. Fasst anschließend mit eigenen Worten zusammen, was der deutsche Philosoph sagen will.

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